Jetzt hat sie uns doch tatsächlich erreicht.

Die Hallenzeit.

Nach diesem Super-Sommer konnte man es sich ja schon fast gar nicht mehr vorstellen wieder mehrmals hintereinander in der Halle trainieren zu müssen, aber irgendwie war ja trotzdem klar, dass es kommen würde.

 

Und was soll ich sagen. Ginny findet es ganz schrecklich.

Konnten wir sie draußen auf dem großen Platz immer ganz gut motivieren, so scheint ihre Motivation in der Halle doch eher einem Winterschlaf gewichen zu sein.

Aber es nützt ja nichts, die Plätze schwimmen, unser Gelände ist rutschig, also geht es eben in die Halle.

 

Kennt ihr das, wenn ihr ein halbes Jahr lang draußen gesprungen seid, eure Pferde wach waren, und Spaß hatten und dann die erste Springstunde in der Halle stattfindet?

Plötzlich ist kein Zug mehr dahinter, die Wege werden kürzer, die Sprünge stehen näher an der Bande, ihr bekommt den Gang nicht rein?

Wenn nicht, herzlichen Glückwunsch,, wenn doch, dann seid ihr nicht alleine.

Für unsere kleine Klemmtante Ginny heißt es in der Halle erstmal wieder den Vorwärtsgang finden.

Den findet man schon – irgendwann – aber so einfach wie draußen ist es halt nicht.

Gleichzeitig heißt das natürlich erstmal wieder die Anforderungen runterschrauben.

War das Springen auf dem Platz jetzt sicher und das Warmreiten über kleine Sprünge überschaubar, so sind jetzt wieder viele kleine Sprünge zur Motivation angesagt.

Und deshalb heißt es jetzt erstmal wieder viel Stangen,- und Cavalettiarbeit, viele kleine Sprünge und immer wieder vorwärts-vorwärts-vorwärts.

 

Bei Ginny ist es übrigens nicht so, dass sie motivierter wird, wenn man sie weniger arbeitet.

Im Gegenteil, Ginny wird erst richtig warm, wenn sie mehr arbeitet.

Irgendwie verliert sie schnell die Lust am Laufen, wenn sie Pause hat.

Sie kann dann komplett runterfahren und chillt ihr Leben.

Ungefähr so, als würde man uns einmal in vier Wochen ins Fitnessstudio schicken, dann sehen wir ja auch den Sinn  nicht, jetzt loszuarbeiten. Wenn sie aber im Lauf bleibt, das  heißt jeden Tag ein ordentliches Pensum arbeitet, dann ist sie wacher.

Und deshalb haben wir die Springerei diese Woche auch an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gemacht.

 

Der erste Springtag war schlecht.

So schlecht, dass Ginny an einem 50cm Steilsprung mal kurz aber deutlich gebremst hat, weil sie das jetzt so völlig unnötig fand da drüber zu springen. Damit hat Nina ja so gar nicht gerechnet.

Wenn Ginny was nicht will, dann blockiert sie schon lange vor dem Sprung und man kommt nicht mal in die Nähe des Sprungs.

Wenn sie den Sprung mal vor der Nase hat, dann springt sie auch.

Vor allem bei der Höhe.

Da sie anfangs aber gerne mal noch einen Mini-Galoppsprung reinbastelt, was es für Nina eine normale Situation.

Mini-Galppsprung- stillsitzen- kein Druck- und hopp , so sieht das normalerweise aus.

Nur, dass heute das “und hopp” gefehlt hat.

Ginny hat es durch ein “Brems” und dann gleich mal den Hals fallen lassen ersetzt.

Tja, das wars für Nina.

So eine Halsrutschbahn ist doch sehr einladend sie mal zu probieren und schon saß sie verwundert vor dem Pferd.

Ginny war gleichermaßen verwundert, das ist sie ja nicht gewöhnt, dass ein Reiter einfach runterfällt.

Na gut, passiert.

Aufstehen, Krone richten, weiter gehts.

Jetzt allerdings schon mit etwas mehr Deutlichkeit dahinter.

Solange Ginny klemmt aber trotzem abspringt kann man sie ja in ihrem Tran lassen.

Wenn sie aber klemmt und dann so bremst, dann muss man auch das gnädige Fräulein mal aufwecken.

 

 

Na gut, was soll´s wir sind es ja gewöhnt immer wieder ein paar Schritte zurück zu gehen und so bestand unser Training wieder daraus, den Gang und den Zug um Sprung zu finden.

Das war an einem Tag nicht zu machen und so nützten wir den ersten Tag dafür, sie immer wieder über 50cm galoppieren zu lassen, zwischen den Sprüngen zuzulegen und ihr einfach zu vermitteln, dass auch das Springen in der Halle Spaß macht.

So richtig überzeugt war sie davon aber nicht.

Deshalb machten wir es am darauffolgenden Tag gleich nochmal.

Und siehe da, das Warmlaufen vom Vortag trug Früchte.

Ginny war wieder  motivierter, wenn auch noch weit entfernt davon übermotiviert zu sein.

Aber sie löste ihre Aufgaben ordentlich und wir konnte sie nach einer schon deutlich verbesserterten Trainingseinheit als am Vortag zufrieden in ihre Box entlassen.

 

Vielleicht werdet ihr euch fragen, warum ich das hier so aufschreibe

Ganz einfach, es gehört einfach dazu.

Wir und unsere Pferde sind keine Maschinen, wir haben gute und schlechte Tage, wie reagieren auf Veränderungen und sind mal schlecht drauf.

Das alles gehört zum Pferde-Reiterleben dazu und ist auch nicht schlimm.

Wichtig ist es nur, den Kopf  nicht in den Sand zu stecken, die Problematik zu erkennen und Lösungen zu finden.

Dann ist man über so einen schlechten Tag auch ganz schnell wieder drüber weg.

Also, denkt dran, wenn euer Pferd euch das nächste Mal alleine über den Sprung schicken will: Das passiert jedem mal, gehört dazu und ihr seid gefordert, es zu lösen.

 

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