Was macht eigentlich Calle  fast 4 Wochen nach der Chip-Op?

So lange ist das jetzt schon wieder her, seit wir die Antwort auf unsere Frage bekommen haben, warum Calle an manchen Tagen nicht so los läuft, wie wir uns das vorstellen.

Natürlich hoffen wir, dass mit dieser Op, in der der relativ große Chip entfernt wurde, unser Calle wieder ganz der Alte wird.

Auf so manche Fragen gibt dieser eigentlich kleine, aber wenn er an der falschen Stelle sitzt, eben doch große Knochensplitter eine Antwort.

Natürlich wäre es schön, wenn die Probleme im Parcours auf diesen Chip zurückzuführen wären. Dafür spricht, dass der Chip rechts war und es immer in Rechtswendungen passierte.  Dagegen spricht, dass er es zuhause im Training nie gemacht hat.

Dafür spricht, dass er auf Gras schlechter ging als auf Sand, möglicherweise war es auf hartem Boden unangenehmer. Zuhause reiten wir ja nur auf Sand und hatten den Vergleich deshalb  nicht.

Dagegen spricht, dass er es beim Auswärtstraining auf Sand und auf dem Turnier in Kreuth und Rot am See auch gemacht hat und zwar jedesmal, wenn er in einer Rechtswendung vom Abreiteplatz weg sollte.

Hat es also vielleicht gar nichts mit dem Chip zu tun?

Calle zeigt uns momentan sehr deutlich, dass etwas, was er nicht  selbst möchte, von ihm auch nicht zu bekommen ist. Da ist er konsequent. Und wenn er etwas nicht will, dann kann er dabei auch ganz schön stark und grob werden. Er nimmt dann keine Rücksicht mehr auf alles, was um ihn herum passiert. Wenn er etwas  nicht will,  dann ist er sich nur noch selbst am wichtigsten und alles, was um ihn herum ist, geht besser mal schnell zur Seite.

So hat er es auch im Parcours gemacht. Wenn er zu den anderen Pferden wollte, dann wollte er dahin. Punkt. Dann war der Parcours eben beendet. Auch, wenn nur noch ein Sprung gekommen wäre.

Ob und wie alles miteinander zusammenhängt, werden wir frühestens in 3-6 Monaten wissen, wenn man Calle wieder richtig reiten kann und man sieht, ob er wieder mitmacht oder immer noch dagegen ist.

Bis dahin genießt Calle wohl noch seinen Krankenstatus und ist leider mal so gar nicht bereit in irgendeiner Art und Weise mitzuhelfen, damit er schnell wieder gesund wird.

 

Inzwischen sind wir wenigstens wieder soweit, dass wir Schritt gehen dürfen.

Die erste Woche nach der Klinik, als er ganz in der Box stehen musste, was für uns und für ihn gleichermaßen schlimm.

Er ist ja einer, der immer dabei sein will, jedem der über den Hof läuft seinen Kopf hinstreckt und gestreichelt werden will. Es gibt kaum jemanden, der ihm widerstehen kann, aber die Menschen können eben nicht 24 Stunden bei ihm stehen.

Und so ging und geht jedes mal das Theater los, wenn derjenige, den er sich auserkoren hat wieder geht.

Die Leute meinen es ja nur gut und verstehen nicht, dass sie ihm damit keinen Gefallen tun.

Wenn sie nämlich gehen, wird er sauer und klopft so lange mit seinem frisch operierten Fuß gegen die Boxentür. Wenn sie dann noch in der Nähe stehenbleiben oder sich auf dem Hof unterhalten, dann hört er damit auch nicht auf, meistens klappt es ja schließlich, dass sie dann Mitleid bekommen und wieder zu ihm kommen. Das hat er schon raus.

Ganz besonders schlimm war das natürlich während unseres Turnieres. Ich dachte, ich werde verrückt.

Aber ich kann ja auch  nicht die ganze Zeit da sein und die Menschen bitten, von seiner Box wegzugehen, die halten mich ja für eine Furie. Aber ich sehe halt immer nur seinen Fuß vor mir, den Heilungsprozess, der so nie voran gehen wird und natürlich meine Rechnungen, die dadurch nicht weniger werden.

Ich kann zwar tatsächlich nicht viel für ihn tun, kann ihm ja schlecht in Fußfesseln legen, damit er nicht mehr gegen die Wand klopft, aber das war der Moment, als ich ihm die Stallgamaschen bestellte, um das Ganze wenigstens ein bisschen abzupolstern.

Aber das, was ich bisher an Stallgamaschen hatte, hatte mich nicht überzeugt. Die sind dann doch gerutscht, haben sich verzogen und nach einer Weile hat man sie dann nicht mehr angezogen.  Das ist ja nicht der Sinn.

Deshalb habe ich diesmal die ( hoffentlich ) Besseren bestellt.

Nachdem wir mit den Veredus Gamaschen zum Reiten schon sehr gute Erfahrungen gemacht haben, was Haltbarkeit, Passform und Pflege angeht, so habe ich mich jetzt auch für die Veredus für den Stall entschieden.

Und weil es jetzt auch nicht mehr drauf ankommt, auch noch gleich die mit Magnetfunktion. Jetzt hoffe ich natürlich, dass der Hersteller Recht behält und ich damit Calle in seinem Heilungsprozess unterstützen kann. Einen Versuch ist es wert.

Seit zwei Wochen trägt er die Stallgamaschen jetzt und ich muss sagen, ich bin ziemlich begeistert.

Ob sie ihm helfen, kann ich natürlich  nicht sagen, aber sie passen wunderbar, wenn ich ihn aus dem Stall hole, sitzen sie trotz all seiner Eskapaden immer noch genau da, wo sie hinsollen und ich kann ihn damit auch Führen und auf den Paddock stellen, ohne dass sie rutschen oder stören.

Seit wir ihn wieder rausholen dürfen, ist das damit natürlich super einfach. Man muss ihn zum führen nicht immer erst einpacken, sondern er ist einfach immer fertig. So kann man ihn einfach auch mal kurz rausholen, wenn man nur wenig Zeit hat und eine schnelle Runde zur Beschäftigung laufen will. Je öfter er kurz rauskommt, desto besser.

Ich kann ihn auch mal von jemand anderen auf das Paddock stellen lassen oder wieder reinholen, ohne kontrollieren zu müssen, ob das alles in Ordung ist.

Wenigstens eine Sache, die uns das Leben mit einem kranken Pferd, der sein Kranksein auch noch in vollen Zügen aus nützt, einfacher macht.

Jetzt heißt es noch bis Freitag warten. Dann kommt der Tierarzt wieder und macht die Eigenblutbehandlung. Dafür wurde ihm am Entlasstag Blut abgenommen, das Blut wurde zentrifugiert und aufbereitet und wird jetzt und in ein paar Wochen nochmal direkt in das Gelenk gespritzt. Das soll ihm dabei helfen, den Knorpel im Gelenk zu regenerieren, und den Entzündungsprozess verlangsamen.

Allerdings werden wir ihn dafür wieder sedieren müssen.

Ein Tierarzt kommt ihm nämlich nicht mehr an seine zarten Füße. Der hat in nämlich gespritzt, das fand er fies. Und deshalb macht er das nicht mehr mit. Da wird Calle dann zum wilden Tiger. Er kann vorne und hinten und auch seitwärts treten, er kann Halfter zerreißen oder sich alternativ einfach hinfallen lassen. Sein Reportaire ist nahezu unerschöpflich. Da diese Spritze aber mitten ins Gelenk muss und, wenn er das boykottiert die Gefahr einer weiteren Entzündung besteht, muss er eben wieder schlafen gehen. Zum Schutz von ihm, dem Tierarzt und auch von uns.

 

Ihr dürft uns und Calle jetzt ganz feste die Daumen drücken, dass er die weiteren Wochen noch gut übersteht, uns ohne gebrochene Finger und weitere Blessuren überleben lässt und irgendwann wieder normal bewegt werden darf, dass aus unserem momentanen Mammut, wieder ein kuscheliger, in sich zufriedener und ausgearbeiteter Calle wird.

Das Chillingleben ohne ernsthafte Arbeit bekommt halt doch nicht jedem, auch, wenn man oft denkt, die Pferde wären glücklicher, wenn sie nur Koppel und Bodenarbeit hätten. Calle jedenfalls gehört nicht dazu, der will und muss irgendwann wieder etwas tun, dann geht es ihm auch wieder besser.

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