Unzählige Male haben wir das gehört

Uwe Aldinger, der damalige Ponylandestrainer hat das seinen Schülern gepredigt

immer und immer wieder. Ihr könnt euch also vorstellen, wie oft wir das in 6 Jahren Ponykader gehört haben.

Und das ist hängen geblieben.

Für immer und ewig.

Danach richten sich heute auch alle meine Springstunden.

Es ist mir ein Graus, wenn ich Leute in der Springstunde habe, die zwar, eventuell auch  noch mit einem guten Pferd, über die Sprünge kommen, aber keine Distanzen sehen, sich nicht auf Sprünge vorbereiten, ihren Galopp nicht regulieren können, von schief nach schräg reiten, ohne das absichtlich zu wollen oder im Kreuzgalopp um die Wendungen schippern, ohne es zu merken.

Uwe hat auf jedem Lehrgang Basisarbeit gemacht. Egal, ob sich die Kinder auf die Goldene Schärpe oder die Deutsche Meisterschaft vorbereitet haben, das war Pflichtprogramm.

Wenn ich heute manchmal eine (Schulpferde)springstunde mache, zum Glück haben sich inzwischen alle an mich gewöhnt, gibt es oft lange Gesichter. Weil ich genau das von meinen Schülern fordere. Ich will ja schließlich nicht, dass die sich umbringen.

Das geht dann schon in der Lösungsphase los. Da gibt es erstmal dressurmäßige Arbeit. Das heißt nicht, dass jedes Pferd perfekt durchs Genick gehen muss, ich weiß schon, dass das nicht bei jedem Springpferd einfach abzurufen ist, aber ich möchte, dass die Pferde sicher an den Hilfen stehen.

Seitengänge, viele Übergänge zwischen den Gangarten, aber auch Tempounterschiede innerhalb der Gangart gehören zur Lösungsphase selbstverständlich dazu. Wo wir wieder hier wären: ” Gangart, Weg und Tempo”. Das sind die wichtigsten Dingen, die der Reiter in der Lage sein muss zu reiten, sonst wird da nichts.

Wenn ich nicht da angaloppieren und da durchparieren kann, wo ich will, habe ich ebenfalls verloren und wenn mein Pferd selbst das Tempo bestimmt, ich es nicht mal verlängern oder verkürzen kann, dann wird das Anreiten der Sprünge ein Glücksspiel.

Wenn ich noch nichtmal einen runden Zirkel reiten kann, bzw eine Wendung um einen Sprung, ohne am inneren Zügel zu ziehen, dann werde ich später im Parcours auch keinen Sprung treffen. Schließlich ist Springen nichts anderes als Dressurreiten mit Hindernissen.

Das nächste, was ich fordere oder zu fördern versuche ist ein stabiler Grundsitz.

Der Reiter muss in der Lage sein aus seinem Sitz heraus auf das Pferd einzuwirken. Dafür brauchen wir eine stabile Grundlage. Können wir selbst das Gleichgewicht nicht halten, werden wir keine gerade Linie auf den Sprung finden, wir können auch nicht mehr das  Tempo bestimmen, in dem wir den Sprung gerne anreiten würden. Das wäre aber schon hilfreich.

Sind wir über dem Sprung nicht stabil können wir nach der Landung nicht weiterreiten. Es geht ja nicht darum einen Einzelsprung unfallfrei zu überwinden, sondern eine Folge von  Sprüngen, die im Laufe der Zeit immer schwieriger wird.

Stehen in den Prüfungen bis L meistens noch schöne Wege, so wird es doch spätestens ab M ein bisschen schwieriger, die Distanzen werden kniffliger, die Wege anspruchsvoller, die Sprünge folgen schneller aufeinander und wenn wir schnell sein müssen, wollen wir ja auch mal schnell wenden oder schräg springen  können.

Es ist also irgendwann nicht mehr nur die Höhe, die die Spreu vom Weizen trennt, sondern vor allem die Rittigkeit. Deshalb nützt es wenig, wenn man einen Einzelsprung in einer schwindelerregenden Höhe überwinden kann, das Ziel ist, das irgendwann in einer Folge aus 10-14 Hindernissen zu tun und an jedem einzelnen Sprung einen Plan zu haben.

Das setzt nicht nur die beschriebene Rittigkeit voraus, sondern auch eine gewisse Grundkondition von Reiter und Pferd und eine gute Übersicht im Parcours.

Aus diesem Grund lasse ich schon meine Kleinsten in der Stangenstunde, in der noch gar nicht gesprungen wird, komplette Parcours über Stangen reiten. Einfach, dass sie sich gleich dran gewöhnen, dass nach dem Sprung vor dem Sprung ist, dass auch der Weg zwischen den Sprüngen wichtig ist und dass sich gleich lernen sich zu konzentrieren und sich eine festgelegte Reihenfolge merken können.

Auch  das sieht erstmal fürchterlich langweilig aus, aber wenn die Kleinen das schonmal gelernt haben, dann können sie das auch umsetzen, wenn die ersten Sprünge dazu kommen und sind nicht überfordert damit sich Wege zu merken. Dadurch können sie sich wieder besser auf die neue Aufgabe, nämlich das Springen konzentrieren.

So geht das bei uns Schritt für Schritt. Nach A kommt B  und nicht X.

Auch bei den jungen Pferden ist das nichts anderes.

Knisti hatte das Glück unter den Fittichen von Uwe “groß” zu werden. Und so wurde er zu unserem Technik-Professor. Es gibt wahrscheinlich keinen noch so schwierigen Weg, der ihn vor eine Herausforderung stellen kann, er hat von Anfang an gelernt, wie es richtig geht. Das haben wir immer von den Lehrgängen mit nach Hause genommen und konsequent umgesetzt. Ich glaube, Knisti könnte man am Halsring durch einen Parcours reiten. Der hat das einfach von der Pike auf gelernt und das ist jederzeit abrufbar. Nicht umsonst hat er die letzten 6 Springen, die Nina mit ihm geritten ist in Folge gewonnen, egal ob Stil oder Zeit.

Auch Ginny hatte genau das schon von ihrer Vorbesitzerin mitgebracht. Zudem ist sie ja sowieso hochgradig rittig und hat ein Auge, das ich noch bei keinem Pferd gesehen habe.

Das   macht es einem als Reiter natürlich sehr einfach schön und rhytmisch zu reiten.

Calle ist da ein bisschen anders. Der springt zwar auch eigentlich ganz schön aber er ist halt büffelig und zudem etwas unselbständig. Calle muss man immer helfen, sonst würde er wahrscheinlich einfach durch die Sprünge durchlaufen, weil er sie nicht sieht. Er ist auch nach den Sprüngen nicht so rittig und man hat manchmal recht viel Aufwand, ihn auf den nächsten Sprung, die nächste Wendung vorzubereiten. Deshalb steht für ihn auch immer und immer wieder das Training über schwierigere Sprungfolgen an, an denen wir bis heute manchmal im Parcours noch scheitern. Aber wir bleiben dran, auch unser kleiner Büffel wird irgendwann noch ein Rittigkeitswunder werden. Oder eben auch nicht.

So versuchen wir unsere kleinen Reiterlein von Anfang an richtig auszubilden. Ich behaupte, dass der Weg von Null zu einem mit Übersicht gerittenen, (mit Noten im 8er-Bereich) E-Springen, der längste und schwierigste ist. Für den Ausbilder ebenso wie für den Reiter. Wenn diese Grundlagen sitzen und sicher abrufbar sind, dann ist es mit dem passenden Pferd keine große Schwierigkeit mehr sich weiterzuentwickeln. Mit der richtigen Betreuung, einer guten Einstellung der Pferdes und einem angemessenen Springvermögen kann man dann auch die höhergesteckten Ziele erreichen.

Von dem her, scheut euch nicht, an eurer guten Grundausbildung zu arbeiten, auch, wenn es eine gefühlte Ewigkeit dauert. Das, was ihr an Grundlagen gelernt habt, wird euch keiner mehr nehmen und wir werdet es immer wieder anwenden und umsetzen können.

Da mein Laptop es mir heute nicht gegönnt hat, diesen Beitrag mit Bildern zu bestücken, habe ich euch ein Video von einer ganz normalen Springstunde im Team Kaupp geschnitten. Leni und Prinzessin werden euch heute zeigen, dass auch das Reiten von kleinen Sprüngen nicht langweilig ist und dass es auch Spaß machen kann an den Grundlagen zu arbeiten.

Viel Spaß mit Leni und ihrer Prinzessin.

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