Im Rahmen der Basiswissen -Reihe möchte ich euch heute mal die oft verkannte Gangart Schritt näher vorstellen

Gerade im Reitunterricht bis Klasse L merkt man doch immer wieder, dass viele Reiter diese Gangart gar nicht wirklich als Gangart wahrnehmen, sondern meist einfach nur reiten, wenn sie Pause machen und dementsprechend wird das dann auch.

Selbst oder gerade im Anfängerunterricht oder in der Ponygruppe, in der ja die kleinsten unterwegs sind, hört man oft: ” Wir sind heute nicht richtig geritten, das war ja fast nur Schritt”

Auch in Reiterwettbewerben auf dem Turnier fällt einem oft in der Einezlaufgabe auf, dass die Kinder durchparieren und abschalten. Werden sie dann aufgerufen sind sie unvorbereitet, haben durchhängende Zügel, keine Körperspannung und sind unkonzentriert.

Erst, wenn es wieder ans antraben geht, sammeln sie sich wieder.
Den Kindern verzeihe ich das einerseits, sie brauchen tatsächlich auch zwischendurch mal Konzentrationspausen, gerade wenn die Einzelarbeit länger dauert, aber im Grundsatz versuche ich auch den Kleinsten schon zu vermitteln, dass der Schritt eine ernstzunehmende Gangart ist, die man richtig reiten muss.

Vor allem auch aus dem Gesichtspunkt heraus, dass der Schritt ab M-Dressuren doppelt gewertet wird, es also durchaus im Schritt wichtige Punkte gibt, die man mitnehmen oder auch verschenken kann.

 

Was man über den Schritt wissen sollte

Tempo

Im Schritt ist ein Pferd mit ca. 5-8 Stundenkilometern unterwegs.

Viertakt

Der Schritt ist ein Viertakt, bei dem die Beine des Pferdes GLEICHSEITIG ABER NICHT GLEICHZEITIG ABFUßEN

ABLAUF

Der Ablauf im Schritt ist also, dass jeweils die Beine einer Seite nacheinander abfußen, wie ihr oben auf den Serienbildern erkennen könnt

Tempi

Es gibt drei verschiedene Arten Schritt zu reiten

-Mittelschritt

-Versammelter Schritt ( ab Klasse M)

-Starker Schritt ( ab Klasse M oder in der Vielseitigkeit ab * international)

Häufigste Fehler

 

Einer der häufigsten Fehler im Schritt ist es, wenn das Pferd nicht im Viertakt geht.

Fußt das Pferd mit dem jeweils gleichseitigen Vorder,- und Hinterbein gleichzeitig ab, hört man nur noch einen Zweitakt, das nennt man dann Pass. In der Dressur ist das ein grober Fehler.

Natürlich gehören alle anderen Taktunreinheiten, die entstehen können, auch zu den Fehlern, ebenso wie

-zuwenig Fleiß

-zuwenig Raumgriff

-Eile

-anzackeln

-Spannung

auch zu den Fehlern, die im Schritt auftreten können.

 

Der Schritt hat keine Schwebephase, weil das Pferd ja nie mit allen Beinen gleichzeitig in der Luft ist.

Aus diesem Grund ist der Schritt auch eine schwunglose Gangart.

 

Die Schwierigkeit des richtigen Schrittreitens erkennt man schon daran, dass es versammelten Trab und Galopp schon in Klasse L gibt, den versammelten Schritt aber erst ab Klasse M

Der “normale” Schritt, den wir in der Regel reiten heißt:

Mittelschritt

ES GIBT KEINEN ARBEITSSCHRITT

 

Im Schritt soll das Pferd gleichmäßig mit langen ruhigen Schritten abfußen.

Ursprünglich stammt die Bezeichnung von “Schreiten” ab, das kann man sich ja als lange, ruhige Schritte gut vorstellen und hat nichts mit eilen oder laufen zu tun.

Gleichzeitig aber eben auch nicht langsam oder gar langweilig.

Wichtig ist es auch im Schritt immer den Fleiß zu erhalten. In der Dressuraufgabe wird bewertet, wie fleißig und raumgreifend das Pferd schreitet, ohne dabei anzuzackeln oder den 4-Takt zu verlieren.

Der Schritt gehört zu den natürlichen Gangarten des Pferdes, genau wie der Galopp.

Wenn wir ein paar tausend Jahre in die Steppe zurückdenken, so war das Pferd entweder im Schritt (beim Fressen) unterwegs, oder eben im Galopp  ( auf der Flucht)

Man sagt deshalb, das man den Schritt und den Galopp am wenigsten reiterlich verbessern kann.

Gerade im Schritt ist eine möglichst schräg angelegte Schulter wichtig, damit das Pferd frei aus der Schulter weit nach vorne greifen kann. Ein häufiger Kritikpunkt im Protokoll ist: ” Begrenzt in der Schulter”

Im Mittelschritt soll das Pferd mit leicht verlängertem Zügelmaß und fallengelassenem Hals frei aus der Schulter schreiten.

Das Hinterbein fußt ein bis zwei hufbreit über die Spur der Vorderbeine.

Der Reiter lässt die Nickbewegung des Pferdes im Schritt zu, indem er leicht mit den Ellbogen mitgeht.  ( Natürlich nicht übertreiben)

Die Mittelpositur sitzt locker im Sattel, der Reiter lässt sich von der Pferdebewegung mitnehmen, ohne aktiv schieben zu wollen.

 

Im versammelten Schritt wird das Pferd in sich kürzer gemacht. Die Hinterhufe treten nur noch in die Hufspur der Vorderhufe, das Pferd spannt sich etwas an. Das Genick kommt höher, das ganze Pferd wird von hinten nach vorne in sich kürzer. Die Nickbewegung wird sehr wenig oder fast ganz ausgeschaltet.

 

Im Starken Schritt bekommt das Pferd mehr Rahmen, die Schritte werden länger und fußen soweit wie ohne Taktverlust möglich über die Vorderhufe hinaus. Die Nickbewegung wird deutlicher.

Oberste Priorität ist auch hier die Erhaltung des Taktes.

Versammelter Schritt heißt nicht einfach langsamer reiten, Starker Schritt nicht schneller sondern einfach nur kürzer oder länger ohne den Takt zu verändern.

Nicht umsonst ist die Veränderung des Schrittes den Reitern vorbehalten, die schon erfahrener sind.

Was reiten wir denn so im Schritt?

Jede Reiteinheit beginnt im Schritt.

Der Schritt dient dazu, das Pferd aufzuwärmen. Pferde, die in der Box stehen und sich nicht viel bewegen müssen sich mindestens 20 min. im Schritt warmlaufen.

Im Schritt wird die Gelenkschmiere, die dafür sorgt, dass die Gelenke sich bewegen können, weich und flüssig. Die Muskulatur wird langsam warm und dann ist das Pferd in der Lage, sich mit wenig Verletzungsrisiko zu bewegen.

Das Warmlaufen sollte auch vor dem Freilaufen und dem Longieren selbstverständlich sein, und auch, wenn das Pferd wild bockend auf die Koppel rennt, sollte es vorher aufgewärmt sein.

Wir persönlich reiten den Schritt, soweit es das Wetter zulässt, gerne bei einer Runde um die Anlage, weil wir hier gleich die Gegebenheiten mit bergauf- bergab, Entspannung durch Spazierenschauen und auch den größeren Vorwärtsdrang, ohne dass wir treiben müssen mitnehmen.

Das Pferd soll einfach am hingegebenen Zügel selbständig laufen.

Reitet man Schritt in der Halle mit mehreren Reitern muss man ja doch ständig lenken, bremsen und den Zügel annehmen, so dass man das Pferd immer stört und der Zügel eigentlich nie ganz durchhängt.

Ich finde den Schritt am hingegebenen Zügel ( keine Verbindung, durchhängender Zügel, Schnalle in der Hand) ganz wichtig, da ich möchte, dass meine Pferde selbstständig sind und nicht ständig am Zügel reguliert werden müssen.

Alternativ, wenn es doch nicht ganz ohne geht gibt es auch  noch die Alternative des langen Zügels. Der lange Zügel ist die längstmögliche Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul mit Genickkontrolle. Das heißt im Klartext, der Zügel ist genau so lang, wie sich das Pferd an den Zügel heranstreckt, hat noch keinen Druck, hängt aber auch nicht durch.

Was die längstmögliche Verbindung ist, ist je nach Pferd und Ausbildungsstand verschieden. Das Ziel wäre einen langen Hals zu haben mit der Pferdenase auf Buggelenkshöhe.

Damit sichern wir, dass der Rücken aufgewölbt ist und das Pferd sich in der Oberlinie durch die Dehnungshaltung entspannt.

 

Nach einer Schritt-Geländerunde nehmen wir dann in der Reitbahn die Zügel gleich auf oder schnallen die Ausbinder ein.

In der Reitbahn beginnt dann nach dem lockeren warmschlendern im Gelände die Arbeit.

Wir beginnen damit, Hufschlagfiguren im Schritt zu reiten.  Dabei stellen wir sicher, dass das Pferd an die Schenkelhilfen geht.

Wichtig ist dabei darauf zu achten, dass man wirklich korrekte Hufschlagfiguren reitet.

Wenn man es im Schritt nicht schafft einen runden Zirkel innerhalb der Zirkelpunkte zu reiten, oder eine Schlangenlinie auf der richtigen Linie mit korrekter Stellung und Biegung, dann wird man es im Trab und Galopp erst recht nicht schaffen.

Dazu gehört aber eben wieder, dass man auch den Schritt als Arbeit ansieht und konzentriert reitet.

Wir nehmen, bevor wir überhaupt antraben auch schon Übergänge mit in die Arbeit.

Schritt – Halten -Stillstehen lassen – auf unsere Schenkelhilfe wieder geradeaus anreiten, das  sind so die Komponenten die zum warmreiten dazu gehören.

Damit sichert man einfach, dass man selbst konzentriert ist, dass man seine Hilfen verständlich einsetzt und dass man mit dem Pferd kommuniziert. Das Pferd steht an den Hilfen, hört zu und daraus folgt dann der weitere Teil der Reitstunde.

Ihr seht also, der Schrittteil, bevor wir überhaupt mal antraben hat jetzt mit Schritt-Geländerunde und konzentrierter Arbeit auf dem Platz schon rund eine halbe Stunde Zeit gebraucht.

 

Auch während der Arbeit unterscheidet man zwischen Verschnaufpausen im Schritt und Arbeit im Schritt.

Oft lassen wir, wenn wir gerade etwas im Trab oder Galopp erarbeitet haben, im Schritt die Zügel ganz lang, um Entspannung nach einer Anspannungsphase zu schaffen. Das ist dann ganz bewusst, dann ist der Zügel auch wirklich lang und das Pferd darf einfach nur abspannen.

 

Oder aber man arbeitet gerade im Schritt. Dann fließt das in die normale Arbeit ein.

Ein Pferd muss unterscheiden können zwischen Schritt am langen oder hingegebenem Zügel, in dem es einfach auch mal abschalten darf oder der Arbeit im Schritt.

Hier gehört z.B. auch das Schenkelweichen dazu. Im Schenkelweichen geht das Pferd im Mittelschritt in Anlehnung.

Der Zügel ist also so lang, dass eine leichte Nickbewegung möglich ist, das Pferd ist mit der Nase eine Handbreit vor der Senkrechten und die Hinterhufe fußen 1-2 hufbreit über die Hufspur der Vorderhufe.

Im Schenkelweichen belastet der Reiter einseitig das Gesäß, ohne dabei in  Hüfte einzuknicken. Der seitwärtstreibende Schenkel signalsiert dem Pferd dem Schenkel zu weichen, also vorwärts-seitwärts vom Schenkel wegzugehen. Dabei geht das Pferd auf zwei Hufschlägen. Die Pferdebeine beim seitwärtstreibenden Schenkel fußen diagonal vor die anderen beiden Beine. Das Pferd ist dabei leicht gegen die Bewegungsrichtung gestellt.

Die häufigsten Fehler beim Schenkelweichen sind übertriebene Hilfen, das ist dann aber ein Thema für das Video, das in Vorbereitung ist, da kann man das anschaulicher erklären.

Hier nur so viel dazu.

Das Schenkelweichen ist keine Reitschüler-Quäl-Lektion, sondern eine gute Möglichkeit, die Durchlässigkeit seines Pferdes zu verbessern, die eigenen Hilfen zu verfeinern und sein Pferd zu gymnastizieren.

 

Wenn man seine Hilfen fein und gezielt einsetzen kann und ein gut gerittenes, durchlässiges Pferd hat, erst dann merkt man, was man mit dieser Lektion alles erreichen kann.

 

Zum Abschluß des Themas finde ich es unheimlich wichtig, während der Arbeitsphase den Schritt immer wieder konzentriert zu reiten. In einer Dressuraufgabe wird er ja auch  mitten in der Aufgabe gefordert.

Viele Reiter und Pferde haben aber ein Problem damit, den Schritt zwischen den Trab,- und Galopptouren zu reiten.

Manche Pferde spulen sich auf und können dann im Schritt nicht loslassen. Gerade, wenn man vorher den Trab und Galopp schon mit etwas mehr Spannung geritten ist, ist es wichtig, immer wieder zwischendurch den korrekten, losgelassenen Mittelschritt abzufragen.

Gerade zwischen den Touren, die schon etwas mehr unter Spannung geritten sind, passiert es dann oft, dass die Pferde im Schritt nicht loslassen, weil sie schon auf den nächsten Übergang warten. Wir reiten die Schritttouren dann immer so lange, bis das Pferd tatsächlich losgelassen hat und bereiten den nächsten Übergang dann  mit mehreren halben Paraden vor.

Bleibt ein Pferd in der Erwartungshaltung dehnen wir die Schrittphase auch mal aus, solange, bis das Pferd tatsächlich mal ausgeatmet hat und sich im Hals fallen lässt.

Manchmal dienen kurze Schrittübergänge aber auch dazu faule Pferde munter zu machen.

Ganz kurze ( 3-4 Schritte)  Schrittphasen, gleich wieder antraben, nach einer halben Zirkelrunde wieder 3-4 Schritte und wieder antraben. Das in mehrfacher Wiederholung kann auch faule oder desinteressierte Pferde sensibler auf die treibenden Hilfen machen, weil es eben diese dann schon erwartet.

Es ist also mit dem Schritt wie mit allen Lektionen. Man muss ihn gefühlvoll auf sich und sein Pferd anpassen, immer schauen, was ist für dieses bestimmte Pferd gut und sich danach richten und danach seine Schrittarbeit reiten.

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