Grundwissen ist wichtig

Deshalb möchte ich heute erstmal zu Beginn der Basiswissen Springen Reihe auf den Springsitz eingehen

Der leichte oder Entlastungssitz wird im Laufe des Reiterlebens immer wieder gebraucht werden.

Z.B. beim Anreiten junger Pferde, im Gelände, beim Springen, oder um das Pferd einfach mal zwischendurch im Rücken zu entlasten.

Grundvoraussetzung um überhaupt den leichten Sitz reiten zu können ist allerdings  ein ausbalancierter Reiter, der unabhängig von der Zügelhand, elastisch  in der Bewegung des Pferdes mitgeht, auch, wenn man keinen oder wenig Kontakt zum Sattel hat.

In diesem Moment muss ich immer wieder an die ersten Springstunden meiner Nachwuchsreiter denken, bzw. an die ersten Stunden, in  denen man den leichten Sitz fordert.

Meistens sage ich erstmal, um zu sehen, was passiert: ” Jetzt geht ihr mal in den leichten Sitz” ohne das vorher erklärt zu haben.

Die meisten haben ja schon mal anderen beim Reiten zugeschaut, und haben so ihre Vorstellung vom leichten Sitz.

Deshalb lasse ich sie erstmal probieren.

Der häufigste Fehler, den meine jungen Reiter im leichten Sitz machen, ist, dass sie plötzlich im Sattel aufstehen, oder sich alternativ mit dem kompletten Körper auf den Hals werfen.

Das lasse ich sie mal probieren und schnell merken sie, dass diese übertriebene Art, sich nach oben oder nach vorne zu bewegen sie sehr schnell aus dem Gleichgewicht bringt.

Wenn sie dann gemerkt haben, dass es so nicht geht, kann ich anfangen zu erklären.

Wir unterscheiden hier aber erst mal zwischen dem Entlastungssitz und dem Springsitz

Im Entlastungsitz sind wir  noch etwas näher am Pferd als über dem Sprung, wenn wir in den Springsitz gehen.

Den Entlastungssitz brauchen wir, wie der Name schon sagt, um das Pferd zu entlasten.

Nicht, weil wir zu schwer wären, alleine durch die Verlagerung des Schwerpunktes werden wir ja nicht leichter, im Gegenteil mit einem unausbalancierten Entlastungssitz würden wir das Pferd erst recht stören.

Deshalb sind ein paar Sachen hier wichtig.

Die Beinlage:

Ich gehe jetzt mal davon aus, dass der Reiter einen Spring,-oder Vielseitigkeitssattel benutzt, der durch die Form seiner Pauschen die richtige Beinlage unterstützt.

Die Bügel werden im Entlastungssitz kürzer geschnallt. In der Regel so 4-5 Loch im Vergleich zum Dressurbügel. Ein kleines bisschen richtet sich das aber auch danach, ob ich aus dem Entlastungssitz später noch in den Springsitz gehen will, oder ob ich tatsächlich nur im Entlastungssitz bleiben will, beispielsweise bei einem jungen Pferd oder in der Stangenarbeit.  Dann reicht es auch aus, die Bügel 2-3 Loch kürzer zu machen.

Der Unterschenkel liegt stabil am Pferd, wie der treibende Schenkel knapp hinter dem Gurt.

Der Absatz hat Druck ( deutlich mehr als im Dressursitz), der Reiter federt das Reitergewicht über das Sprunggelenk in den Absatz ab. Der Fuß ist minimal weiter im Bügel als im Dressursitz, die breiteste Stelle des Ballens ist eine gute Lage.

Der Bügel selbst sollte griffig sein, um den Fuß zu unterstützen .

Das Knie liegt in der Pausche, liegt zwar an, klemmt aber nicht.

Die Lage des Oberschenkels ergibt sich automatisch aus der Bügellänge und der Position des Gesäßes.

Die Beinlage ist wichtig für den Sitz, weil sie dafür zuständig ist, praktisch als Grundgerüst, diesen zu stabilisieren.

Die häufigsten Beinfehler sind:

-unruhiger Unterschenkel

-hochgezogener Absatz

-Fuß zu weit im Bügel

-klemmendes Knie

-offenes Knie

-verdrehter Unterschenkel

aus diesen Fehlern resultiert, dass der Sitz nicht mehr stabil ist.  Die Hilfengebung wird unpräziser, der Reiter kann sein Pferd nicht unterstützen, sondern stört es eher.

 

 

Der Kopf

bleibt aufrecht, und die Blickrichtung geht zur nächsten Aufgabe oder zum nächsten Sprung.

 

Die Arme und Hände

liegen wie beim Dressursitz mit angewinkelten Ellbogen am Oberkörper an und sind bereit nachzugeben, wenn es der Ablauf fordert.

Das Zügelmaß ergibt sich aus der Aufgabe, die geritten wird.

Will ich, dass sich mein Pferd mehr streckt,verlängere ich das Zügelmaß dementsprechend, ohne, dass der Zügel durchhängt.

Der Reiter hält den weichen Kontakt zum Pferdemaul.

Die Hände sind tiefer positioniert als beim Dressursitz, dürfen den Pferdehals gerne berühren.

Im Falle eines Rumplers kann sich der Reiter so etwas am Pferdehals stabilisieren, ohne plötzlich am Zügel zu ziehen, weil er aus dem Gleichgewicht kommt.

Die Reiterhand geht soweit vor, wie es die Halslänge benötigt.

Der Hals dient dem Pferd als Balancierstange, deshalb ist es wichtig, dem Pferd das Strecken des Halses über dem Sprung zu ermöglichen.

 

 

Flexibilität ist wichtig

Aus dem Entlastungssitz kann man dann ganz einfach in den Springsitz übergehen.

In der Anreitphase zu einem Sprung sind wir in der Regel noch im Entlastungssitz unterwegs, das Gesäß hat noch  leichten Kontakt zum Sattel. Der Oberkörper ist noch aufrecht und der Reiter kann sein Pferd jetzt noch am besten unterstützen.

Weg, Tempo, eventuell nochmal das verlängern oder verkürzen der Galoppsprünge, das Reiten eines Galoppwechsels können im Entlastungssitz geritten werden.

Auch beim Reiten kleiner Hindernisse muss man den Springsitz nicht übertreiben. An einem Cavaletti ist es  nicht notwendig sich auf den Hals zu werfen, der Reiter geht  nur soviel mit, wie es der Sprung verlangt.

Gerade in einer Cavalettireihe ist es wichtig  mit dem Oberkörper nicht zu tief zu kommen und den Zügelkontakt nicht ganz zu verlieren. Sonst wird es schwierig, das Pferd im Rhytmus zu halten und auch das weiterreiten nach dem Sprung wird schwierig, wenn sich der Reiter danach erstmal sortieren muss.

Der Übergang in den Springsitz

Mit zunehmender Höhe der Sprünge ergibt es sich aus dem korrekten Grundsitz heraus von ganz alleine, dass man dem Sprung entsprechend mitgeht.

Ein bisschen Übung ist dafür zwar erforderlich, aber wenn man das regelmäßig macht, geht das irgendwann von ganz alleine.

Wichtig ist aber wie immer, dass man die richtige Basis gelernt hat.

Auch über dem Sprung sollte der Reiter darauf achten, sein eigenes Gleichgewicht zu halten, geschmeidig aus der abkippenden Hüfte heraus in der Bewegung mitzugehen und  mit der Hand die Dehnung des Pferdehalses zuzulassen.

Klar, wenn die Sprünge höher werden oder  das Pferd vielleicht eine etwas aufwändigere Springmanier hat, dann liegt das Bein nicht mehr immer ganz vorne, dass da auch mehr Bewegung in den Reiter kommt ist völlig normal. Wichtig ist einfach, dass man trotzdem die Balance hält, auch wenn vielleicht der Oberkörper mal weiter nach vorne oder das Bein weiter nach hinten kommt.

 

Auch in der Landephase nach dem Sprung sollte der Reiter schnell wieder aus dem Springsitz in den Entlastungssitz übergehen, da ja, je schwieriger die Parcours werden, auch die Hindernisse schneller aufeinander folgen und man teilweise in Millisekunden schon wieder eine neue Entscheidung treffen muss, was man nur kann, wenn man schnell wieder sortiert ist und daraus nach dem Sprung weiterreiten kann, ohne den Takt und den Rhytmus zu verlieren.

Das Zubehör ist natürlich auch wichtig

Unterstützen kann man den Springsitz natürlich durch optimal passendes Zubehör.

Die Zügel sollten griffig sein, wir persönlich tauschen alle Zügel in den Springtrensen gegen gummierte Zügel aus und springen mit Handschuhen um ein durchrutschen der Zügel zu vermeiden.

Der Springsattel sollte nicht nur dem Pferd passen sondern auch in der Sitzfläche und dem Sattelblatt zum Reiter passen.

Ein Reiter mit kurzen Beinen braucht einen anders geschnittenen Sattel, als einer mit langen Beinen.

Auch die Wahl der Pauschen ist von Reiter zu Reiter unterschiedlich und jeder muss für sich selbst probieren mit was er sich am wohlsten fühlt.

Ganz wichtig ist für mich die Wahl der Steigbügel. Diese sollten schwer sein, und eine gute Grifffläche haben, dass man nicht rausrutscht. Die Entscheidung für Sicherheitsbügel ist sicherlich  gut, auch, wenn man mal kurz tiefer in die Tasche greifen muss.

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