Im Dezember war es soweit.

Wir haben endlich mal wieder unseren Calle besucht.

350km ein Weg ist halt leider kein Weg, den man einfach mal kurz fährt, deshalb schaffen wir es nur alle 2 Monate zu ihm. Einerseits ist das natürlich schade, man hat ja seine Lieben gerne näher bei sich, aber ich kenne eben in erreichbarer Nähe nichts, was auch nur annähernd das bietet, was wir auf Gestüt Altefeld haben.

Deshalb nehmen wir den weiten Weg in Kauf und wissen, dass Calle dort perfekt aufgehoben ist und liebevoll versorgt wird.

So ganz sicher waren wir uns ja nicht, wie der Menschen,- und Ginnybezogene Calle es verträgt plötzlich nur noch Pferd unter Pferden zu sein.

Was uns in der Herde dann auch gleich auffiel war, dass Calle zwar mit der Herde mitläuft, aber immer so ein bischen auf Abstand bleibt. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, dass er keinerlei Macken oder Narben hat. Er hält sich einfach anscheinend aus allem raus.

Als die anderen auf die Koppel galoppiert sind, und sich ein bisschen gekabbelt haben, hat er sich vornehm zurückgehalten, ist gemütlichen Schrittes hinterhergelaufen und wirkte tiefenentspannt. So wie wir ihn halt kennen.

Hell ist er geworden – und plüschig – so ein richtiger Kuschelcalle eben. Abgenommen hat er nicht so wirklich. Calle hat ein ganz ordentliches Bäuchlein. Die Muskulatur ist ganz schön wenig geworden, aber das war ja zu erwarten, da erwartet uns ein ordentliches Aufbauprogramm im Frühjahr. Da freue ich mich schon drauf.

Aber soweit ist es erstmal noch nicht.

Jetzt wollte ich erstmal überhaupt wissen, wie es ihm so geht.

Ich hatte ihn ja im Juni schonmal thermografieren lassen, bevor ich es selbst konnte. Dabei ergaben sich so ein paar Befunde, von denen ich hoffte, das sie über die Ruhepause und die gleichmäßige, aber ruhige Bewegung besser werden.

Calle hatte schon damals keinerlei Befunde an seinem operierten Bein, aber so überall ein bisschen was. Nichts spezifisches, aber auch nicht so richtig gut. Aber eben auch nichts, wo der Tierarzt hätte ansetzen könnte. Manches ist eben nicht mit einer Spritze zu regeln.

Das muss dann die Zeit regeln. Aber in der Zeit, bin ich eben der Meinung sollte sich ein Pferd soviel wie möglich frei bewegen und das ist in einem Pensionsstall mit begrenzten Koppelflächen, die zudem noch am Hang liegen eben nicht möglich. Daher der Umzug auf die Koppel.

Ja, ich weiß, normalerweise sollte diese Haltung normal sein, das hätte ich auch gerne, aber wer im Ballungsraum lebt, muss eben mit einigen Platzproblemen leben. Das geht uns Menschen so und auch den Pferden. Wir würden es gerne ändern, können es aber nicht.

Wir und die Pferde können eben nur da leben, wo wir das Geld verdienen, das wir brauchen und das verdienen wir eben nunmal hier.

Wenn man ein Pferd richtig reiten kann, es nebenher noch auf die Koppel und auf den Paddock geht, kann man das auch pferdegerecht hinbekommen, aber ein nicht gerittenes Pferd hat eben nicht genug Möglichkeiten.

Und für unseren Besuch hatte ich mir für Calle ein großes Wellnessprogramm vorgenommen.

Als erstes stand eine komplette Thermografie an, die ich dann mit der von Juni vergleichen wollten.

Also wurden im Stall gleich mal 50 Bilder gemacht, die ich dann gleich abends im Hotel ausgewertet habe.

Und was soll ich sagen:

Ich war sehr positiv überrascht. Mit der Auswertung angefangen habe ich ich vorsichtshalber mit den Bildern, von denen ich nichs Schlechtes erwartet habe. Die waren auch top. Aber irgendwann muss man auch an die anderen Bilder ran. Eins nach dem anderen erschien auf meinem Bildschirm, wurde bearbeitet und sehr kritisch beäugt. Seitenvergleiche wurden angestellt, und Bild für Bild wurde ich selbst entspannter.

Denn die Bilder waren tatsächlich alle gut. Da war nichts, was einen unruhig werden lassen müsste. Das ist auch so ein Vorteil der Thermografie.Sie kann auch beruhigen. Und das war ich. Total angenehm überrascht, beruhigt und positiv gestimmt, dass bei Calle alles wieder gut wird.

Nach der Thermografie hat Calle noch eine komplette Physiobehandlung bekommen. 2 Stunden lang wurde erst die komplette Muskulatur mit dem Matrixmobil gelockert, danach die Gelenke und die Wirbelsäule mobilisiert.

Ich habe auch mal Thermografiebilder vor und nach dere Behandlung gemacht, weil ich sehen wollte, wie sich die Wärme verändert. Schaut mal, da haben wir durch die Behandlung doch ganz schön die Durchblutung angeregt. Das ist top. Das erste Bild entstand vor der Behandlung, das zweite danach.

Das Matrixgerät findet immer so ein paar Triggerpunkte, die ich dann ganz gerne noch mit Akupunkturnadeln anrege.

Auch Calle hatte ein paar und die konnten wir mit dem Dry-Needling gut lösen. Während die Nadel arbeitet kann man richtig zuschauen, wie der Muskel zuckt und das Pferd nach und nach entspannt.

Nach der Physiobehandlung wurde noch einmal rundum gebemert, mit den neuen Gamschen geht das jetzt ja doppelt so schnell, da wir zwei Gamaschen für die Beine haben und so nicht mehr jedes Bein einzeln machen müssen.

Und nach zwei Stunden Full-Power-Behandlung konnten wir einen tiefenentspannten, zufriedenen Calle in seine Luxusbox mit dem Heuberg entlassen. Das hat er sich schmecken lassen.

Eine Nacht verbrachten wir dann dort, und besuchten Calle gleich am nächsten Morgen nochmal. Wir waren früh genug da, bevor es für die Jungs auf die Koppel ging und so bekam er gleich nochmal eine Bemerbehandlung. Da die Thermografie so positiv ausfiel konnte ich mir weitere Physiobehandlungen sparen. Die eine darf jetzt erstmal wirken und dann sehen wir im Frühjahr weiter.

Wir glauben ganz fest dran, dass wir im Frühjahr mehr Erfolg mit dem antrainieren haben, als im letzten Jahr, aber wissen kann man es natürlich nicht.

Bis dahin darf Calle weiterhin seine Auszeit geniessen und wir warten geduldig, bis wir die komplette Mannschaft wieder bei uns haben.


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