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Lest ihr noch oder surft ihr nur?

Das war die Überschrift eines Beitrages, den ich letztes Jahr mal geschrieben hatte.

Und der ist jetzt wieder ganz aktuell bei mir, da ich mich ja gerade auf meine Zusatzausbildung zum Pferdephysiotherapeuten vorbereite.

Klar surfe ich auch, so ein kurzer Blogbeitrag, wenn man im Wartezimmer beim Arzt sitzt, so ein You Tube Video nach einem anstregenden Tag, das geht immer.

Aber das alleine reicht mir nicht.

So ein richtiges Buch, das, wenn man es gelesen hat immer verfügbar als Nachschlagwerk im Bücherregal steht, unabhängig von WLAN und Akkuladezustand, das hat ja schon was.

Egal in welcher Story auf Insta ich nur ein Foto eines Buchinhaltes gepostet habe, kamen unzählige Nachrichten, welches Buch denn das wäre und ob es empfehlenswert ist.

Und deshalb habe ich mich entschieden jetzt im Winter, wo es sowieso nicht so viel aus unserem Alltag zu erzählen gibt, eine neue Reihe zu starten und euch meine Bücher vorzustellen.

Ich werde sie nach Kategorien sortieren und heute beginnen wir mit der Kategorie

Gesundheit, Bewegungsabläufe und logische Zusammenhänge

Mir ist bei einem Buch wichtig, dass es für den Laien gut lesbar ist.

Wie oft sind bei mir schon Bücher im Regal gelandet, egal ob Fachliteratur oder Roman, da liest man die ersten Seiten und legt es zur Seite, weil es einfach nicht passt.

Oft sind Bücher ja im Laden eingeschweißt, oder man kauft im Internet, da finde ich es aber nur anhand des Titels echt schwierig, das Richtige zu finden.

Jetzt ist es ja bei mir so, wie bei den meisten anderen Menschen, die Familie und Beruf haben auch. Es fehlt die Zeit. Man sitzt nicht in einem abgeschotteten Raum und liest und konzentriert sich auf nichts anderes, nein, das Leben rundherum geht ja weiter.

Deshalb muss ein Buch für mich flutschen. Auch , wenn man zwischendurch der Postbote klingelt, die Katze Futter möchte, die Familie nach Hause kommt oder was eben so alles passiert, dann muss ich das Buch weglegen können und an der Stelle ansetzen können, an der ich aufgehört habe, ohne erstmal die letzten 3 Seiten wiederholen zu müssen.

Kurz gesagt: Es  muss verständlich sein.

Die Bücher, die es für mich waren, möchte ich euch hier vorstellen.

 

Den Anfang mache ich mit dem Buch :

Biomechanik und Physiotherapie

Ein paar kurze Eckdaten zu dem Buch:

Verlag: FN Verlag

Autor: Helle Katrin Kleven

Neuauflage: 2017

ISBN-Nummer: 978-3-88542-709-4

Preis: 26,90 €

Gestaltung: 248 Seiten, mit vielen farbigen Fotos und Zeichnungen

Maße: 190 x 250 mm, gb. Hardcover

 

Das Thema Physiotherapie und der Pferdesport ist ja eigentlich noch recht frisch.

Bei Fussballern und sonstigen Sportlern ist es ganz normal, dass der Physio mit auf Wettkämpfe geht, und diese unter dem Jahr unterstützt werden.

Gerade in der Vorbeugung von Verletzungen kann man ja hier schon mal viel Vorarbeit leisten, oder aber eben, wenn doch etwas passiert ist, die Ärzte und die Heilung unterstützen.

Hella Kleven sagt dazu in ihrem Vorwort:

” Da wir täglich den Bewegungsapparat unseres Pferdes beeinflussen, ist es mein Wunsch, dass alle Reiter, Pferdebesitzer und Ausbilder mit dem Bewegungsapparat ihres Pferdes vertraut sind. Dazu habe ich die Texte so gewählt, dass keine medizinischen Vorkenntnisse notwendig sind. In der Biomechanik werden die Bewegungsabläufe des Pferdes beschrieben. Welche Bewegungen finden wo statt, was kann ein Pferd, was kann es nicht? Und wir können Sie erkennen, ob Blockaden vorhanden sind oder ob das Pferd stabil genug für seine Aufgaben ist?

Da wir unsere Pferde jeden Tag mit dem Ziel trainieren, den Bewegungsapparat zu stärken, und Geschmeidigkeit zu gewinnen, ist sowohl anatomisches als auch biomechanisches Grundwissen ein “MUSS”. Egal auf welchem Niveau Sie reiten, egal in welcher Disziplin.”

Ja, dem ist nichts hinzuzufügen

 

 

Grundsätzlich kann und sollte man das Buch einmal komplett lesen.

Wenn man dann durch ist, dann hat man ein sehr übersichtliches Inhaltsverzeichnis zur Verfügung, in dem man dann als Nachschlagewerk, genau die Problematik finden kann, nach der man gerade aktuell sucht. Auf 4 Seiten Inhaltsverzeichnis ist der Inhalt so übersichtlich aufgeschlüsselt, so dass man gezielt nach Problematiken suchen kann, ohne jedesmal das ganze Buch durchsuchen zu müssen.

Der Inhalt ist in verschiedene Überkategorien geteilt:

Physiotherapie für Pferde

In diesem Kapitel finden wir mit vielen Fotos und Darstellungen verständlich erklärt die Ausführungen der Autorin, wozu man überhaupt Physiotherapie braucht, wie man Gelenkblockaden erkennen kann, und was alles so zusammenwirkt, dass es überhaupt zu Problemen kommt. Schon beim Lesen des ersten Kapitels wird man sich ab und zu wiederfinden und einige Sachen finden, die man in seinem Alltag ganz einfach verbessern kann.

 

Das zweite Kapitel befasst sich mit diesem Thema:

Die Anatomie des Bewegungsapparates

Hier wird der Bewegungsapparat des Pferdes auseinandergenommen und die Funktion der Knochen, der Aufbau des Skelettes, die Funktion von Muskeln, Sehnen und Bändern verständlich erklärt.

Wir verstehen, wie das Zusammenspiel im Körper funktioniert, lernen in diesem Kapitel auch, warum wir den Bewegungsapparat eben nicht mit falschen Training überfordern dürfen und warum es kontraproduktiv ist “falsche Muskeln” aufzubauen.

Viele Beispiele über Fotos und Merksätze werden sich in unserem Kopf verankern und wir werden uns beim nächsten Training in der Praxis an das ein oder andere Bild erinnern.

 

Das dritte Kapitel,

BIOMECHANIK,

erstreckt sich über 51 Seiten.

Es ist wohl das größte Kapitel des Buches.

Wir finden das Pferd in seine Einzelteile aufgeteilt.

“Warum passiert irgendwo im Körper etwas, wenn woanders eine Blockade sitzt?”

Wie spielen die Muskeln und Gelenke zusammen, was können wir als Reiter dafür tun, unserem Pferd seine Aufgabe zu erleichtern?

Viele Sachen, wie auch das Beispielbild, das ich hier gewählt habe, werden uns bekannt vorkommen, trotzdem ist es immer mal wieder wichtig , sie sich nochmal ins Gedächtnis zu rufen.

Im vierten Kapitel wird auf das Nervensystem eingegangen.

Was sind die Aufgaben des Nervensystems, wo verlaufen die Nerven und wie werden wichtige Informationen über das Nervensystem an den Bewegungsapparat weiter gegeben.

 

Kapitel 5-7

zeigen uns wie wir z.B. Fehlstellungen erkennen, die im Zusammenspiel des Körpers zu Problemen führen können oder eben auch wie die Muskulatur im Optimalzustand aussehen sollte.

Bei einem kritischen Vergleich  mit unserem eigenen Pferd, das ja wahrscheinlich nicht perfekt ist, können wir sicherlich einige Baustellen finden, an denen man mit gezieltem Training arbeiten kann.

Auch das Abfühlen den Pferde, die Palpation, wird verständlich gemacht und einige Massagetechniken beschrieben, die wir auch im täglichen Leben selbst ausführen können.

Aber glaubt mir, wenn ihr plötzlich am Putzplatz steht und euer Pferd massiert, anstatt es nur herkömmlich zu putzen, werdet ihr erst verwunderte Blicke ernten, dann wird sich der ein oder andere als Übungsobjekt anbieten.

Es ist eben irgendwie immer noch nicht in allen Köpfen angekommen, dass man einem Pferd auch außerhalb des Reitens Aufmerksamkeit zukommen lassen kann und soll und sich vieles erleichtern kann, wenn man das Gesamtbild vor Augen hat.

Wer sein Pferd regelmäßig nicht nur mit Bürsten berührt, sondern eben auch mit bloßen Händen abtastet kann ja viel schneller erkennen, wenn etwas nicht stimmt.

Von dem her halte ich den verwunderten Blicken inzwischen locker stand und meine Pferde danken es mir, indem sie mir immer gleich zeigen, ob ich etwas richtig mache.

Calle findet es noch ein bisschen komisch und wird bei einer Massage gerne mal albern, aber auch er genießt seine Wellnesseinheiten inzwischen, von denen ich mir viele Techniken aus diesem Buch angeeignet habe.

Von Ginny brauchen wir gar nicht reden.

Ginny war ja soweit, dass man sie nirgends mehr berühren durfte. Das ist inzwischen gut drei Jahre her und sie hat sich von der Superzicke, die man besser gar nicht putzt, zum Genießerpferd entwickelt.

Wenn sie aber eine Stelle hat, die ihr unangenehm ist, dann bekommt man sofort das passende Feedback von ihr.

Deshalb macht es gerade bei ihr sehr viel Spaß das Gelernte umzusetzen, weil man immer eine sofortige Rückmeldung bekommt und sie sich vollkommen entspannen kann, wenn man ihr etwas Gutes getan hat.

 

Auch im 8.Kapitel

Mobilisation und Dehnung

finden wir viele Informationen.

Warum Muskeln gedehnt werden sollen und wann besser nicht, wie man die Dehnungsübungen als “Nichttherapeut” angeht, ohne Schaden anzurichten  und wann man alarmiert sein sollte und besser therapeutische Unterstützung vom Fachmann holt wird uns klar, wenn wir dieses Kapitel gelesen haben.

Im 9. Kapitel

Stabilistation und Kräftigung

lernen wir, dass  nicht nur die Muskulatur für die Stabilität des Körpers verantwortlich ist, sondern das Zusammenspiel aus Muskeln, Faszien, Sehnen und Bändern.

Deshalb ist es auch wichtig verstanden zu haben, dass wir nicht gezielt nur einen bestimmten Muskel bearbeiten oder kräftigen können, ohne das Drumherum zu beachten.

Auch das Zusammenspiel aus Lockerung und Kräftigung ist wichtig. Einen verspannten Muskel kann ich lange trainieren und werde kein oder ein negatives Ergebnis erhalten.

Glaubt mir, das habe ich lange genug an mir selbst ausprobiert und kann mit gutem Gewissen sagen: ” Ich weiß, wovon ich spreche oder schreibe”

Auch dieses Kapitel ist mit vielen Praxisbeispielen verständlich gemacht, zudem sind die Übungen, die wir selbst ausführen können nach Schwierigkeitsgraden unterteilt, so dass wir mit dem einfachen beginnen können und mit zunehmender Übung zum schwereren übergehen können.

 

Und jetzt kommt mein Kapitel

Physikalische Therapien

aufgrund meiner eigenen körperlichen Eingeschränktheit

kann ich zwar oft meinen Pferden nachfühlen, aber gleichzeitig ist mir auch klar, dass ich manche Übungen mit meinen und den anderen Pferden körperlich nicht ausführen kann, ohne mir selbst zu schaden.

Deshalb bin ich gerade schon fleissig dabei mich in unterstützende Hilfsmittel einzuarbeiten.

Natürlich wird am Ende nichts das Fühlen und Arbeiten mit den Händen ersetzen können, aber es gibt schon einige Hilfsmittel, die einem das Leben erleichtern.

Ein Teil davon wird hier beschrieben und die meisten sind uns auch aus dem täglichen Leben geläufig, wie z.B. die Kälte,- oder Wärmetherapie oder das Taping.

Mein großes Thema, weswegen ich ja auch erst auf der Schulung in München war und die ich auch bei mir selbst anwende und von Fachkräften anwenden lasse, ist die Matrix- Rhytmus-Therapie.

Ich habe mich gefreut, dass auch diese in diesem Buch ihren Platz gefunden hat, das sie mir jetzt schon, im Anfängermodus, sehr viel hilft.

im 11. Kapital sind wir dann bei der

Rehabilitation

angekommen.

Schließlich wollen wir ja kein Therapie, sondern ein Reitpferd haben.

Ich zitiere hier mal kurz die Autorin, weil das einfach passt:

” Rehabilitation bedeutet Wiederherstellung und bezeichnet das Bestreben eines Menschen oder Tieres, nach einer Krankheit/Verletzung den vormals existierenden körperlichen Zustand wiederherzustellen…. In diesem Kapitel werden die Möglichkeiten beschrieben, die Sie als Pferdebesitzer haben, falls ihr Pferd eine aktive Rehabilitation benötigt”

 

Den Abschluß machen die

Vorbeugenden Maßnahmen

nach dem Motto: “Vorbeugen ist besser als Heilen” ist ja klar, dass wir unsere Umgebung auf den Prüfstand stellen müssen.

Vom korrekt liegenden Sattel über die regelmäßige Zahnkontrolle, die optimale Hufpflege, ja, auch das korrekte Anbinden des Pferdes, einfach der tägliche Umgang sollten die Umstände für unser Pferd dazu führen, dass es die Leistung, die wir von ihm verlangen überhaupt bringen kann.

Dazu gehört natürlich auch die korrekt verschnallte Trense, der Sattelgurt in der richtigen Länge und dem richtigen Material, der Haltung und natürlich der Fütterung.

Ich denke, dass einem dieses Buch unheimlich viele Denkanstöße geben wird,  man vieles, auf was man bisher noch gar nicht so wirklich geachtet hat, noch optimiert und somit das Zusammenspiel mit seinem Pferd, nochmal verbessern kann.

Natürlich ist das Ganze sehr zeitintensiv und alle Massagetechniken, und was es alles gibt, kann das Reiten nicht ersetzen, aber es gibt uns einen guten Ratgeber an die Hand, wie wir das Training mit unserem Pferd noch weiter verbessern  und unterstützen können.

 

Abschließend kann ich euch dieses Buch nur nahelegen.

Ich finde es gut lesbar, verständlich und man kann viele Übungen selbst umsetzen.

Ein Buch, das man eigentlich mit in den Stall nehmen und dort lassen sollte, um immer gleich nachschlagen zu können, wenn man gerade etwas bestimmtes sucht.

Ich habe alle Informationen über dieses Buch, auch die abfotografierten Beispielbilder

mit freundlicher  Genehmigung des FNverlages entnommen aus „Biomechanik und Physiotherapie für Pferde“, FNverlag, Warendorf, 2017.

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