Wie wird es weitergehen, mit unserem großen Schimmel?

Das ist eine Frage, die momentan noch keiner beantworten kann.

Für Calle sind alle Optionen offen. Bisher war oder ist es so, dass es immer noch Behandlungsansätze gibt, und da es gerade sowieso noch keine Option ist, ihn auf eine Koppel gehen zu lassen, werden wir momentan noch tun, was wir können.

Sicherlich schwirrt einem aber auch im Kopf herum, ihn, wenn es bis zum Beginn der Koppelsaison nicht stabil besser geht, einfach ein halbes Jahr Auszeit zu geben.

Nur leider sind die Koppeln, die man sich dafür vorstellt bei uns im Ballungsraum sehr rar gesät und wir müssten ihn so weit wegstellen, dass man tatsächlich nicht mehr hinschauen kann.

Das ist dann natürlich nicht zu vereinbaren damit, dass man ihn therapieren will, und er würde keinen Bezug mehr zum Menschen haben, der für Calle sehr wichtig ist.

Deshalb bleibt er auf jeden Fall für die nächsten zwei Monate noch bei uns im Stall und bekommt die Behandlung, die nach der Bioresonanzanalyse festgelegt wurde.

Diese Behandlung könnten wir nicht machen, wenn er irgendwo auf einer Koppel rumläuft, da man ja von niemand verlangen kann, Pilze zu mischen, Globuli zu dosieren und dann noch versuchen, sie irgendwie in den schleckigen Kerl reinzubringen. Das ist nun einfach unsere Verantwortung, das müssen wir selbst machen und deshalb muss er in Greifweite bleiben.

Mal ganz abgesehen davon hat man in keinster Weise das Gefühl, dass es Calle mit seinem momentanen Leben nicht gut gehen würde. Im Gegenteil, er scheint es zu genießen.

So als ständig verfügbarer Paddockpartner für die Team Kaupp Pferde, der sich eigentlich auch mit allen verträgt, mit seinen ausgiebigen Putz,- und Kuscheleinheiten nicht nur von uns sondern auch von den Kiddies, mit den Behandlungen mit dem Matrixmobil und den Massagen und der Mobilisation für die Calle für mich ein ideales Übungspferd ist, hat er praktisch rund um die Uhr ein Bespaßungsprogramm und scheint es toll zu finden so umsorgt zu werden. Es gibt also eigentlich gar keinen Grund etwas zu ändern.

So sieht Calles momentaner Tagesablauf aus:

Morgens geht er erstmal mit Ginny und Linn gemeinsam in die Führmaschine. Eine halbe Stunde Beine vertreten steht als erstes auf dem Tagesplan. Nach der Führmaschine ist dann auch schon Zeit für sein zweites Frühstück in dem er seine Ration an “Medikamenten” bekommt, die im Moment aus einer speziell auf ihn abgestimmten Pilzmischung, eines Pulvers, das den Basenhaushalt in Ordnung bringen soll, Ingwer als natürlichen Entzündungshemmer und Globuli, die in Zusammenarbeit mit den Pilzen wirken sollen.

Aber wie kamen wir denn auf die Dosierung?

Für mich war es ja schon lange klar, dass die vielen Medikamente, die Calle durch die Op und die Genesung bekommen musste, und natürlich auch die vielen Sedierungen, die leider notwendig waren, auch ihre Nebenwirkungen haben werden. Trotzdem waren sie zu dem Zeitpunkt aber notwendig.

Nach einer gewissen Wartezeit war für mich klar, dass ich für Calle ein Bioresonanzanalyse erstellen werde, und das war jetzt im Februar soweit.

Die Bioresananz ergab das, was ich schon vermutet hatte.

Calle kämpft ja seit einiger Zeit mit Strahlfäule, immer mal wieder Hautproblemen und häufig angelaufenen Beinen, die nicht durch eine Einwirkung von außen kommen konnten. Er steht trocken und sauber, bei den dicken Beinen war nie eine Wunde zu finden usw. Es war also naheliegend, dass diese Probleme “von innen raus” entstehen.

Und so war es dann auch.

Nach der Haaranalyse war klar, das Calles Immunsystem geschwächt ist, und die Leber schlechte Werte aufweist, die dafür sorgen, dass er nicht mehr richtig entgiften kann. Wenn sich aber Giftstoffe, die man sich ja überall holt, im Körper sammeln, dann kann der Körper sich irgendwann nicht mehr selbst helfen.

Das ist wohl auch mit ein Grund dafür, dass er immer noch viel zu viele Fettdepots hat, obwohl sein Futter optimal abgestimmt ist und es hier keine Optimierungsmöglichkeit mehr gibt.

Aus diesem Grund sind wir auch unsere Entzündung, die er im operierten Bein immer noch hat, noch nicht ganz los geworden. Es ist ja klar, wenn der Organismus aus dem Rhytmus ist, dann funktioniert die Selbstheilung des Körpers nicht mehr und man muss erstmal wieder alles ins Lot bringen um das wieder anzukurbeln.

Nach dem zweiten Frühstück ist erstmal Ruhe im Stall. Nach dem Mittagsfutter schläft Calle , und diese Zeit braucht er wohl auch. Spätestens um zwei sind aber alle unsere Kandidaten wieder wach und wollen bewegt werden.

Auch für Calle heißt es dann, auf zur nächsten Anwendung.

Momentan bestehen Calles Anwendungen daraus zwei mal täglich zu Bemern. War Calle noch im Herbst super unentspannt und ausserhalb der Box kaum zu kontrollieren, so hat er jetzt total heruntergefahren und das macht es ja erst möglich, ihn überhaupt stundenlang aufs Paddock stellen zu können, ohne dass er sich umbringen will, und ihn genauso Schritt zu reiten oder führen, ohne dass es für uns mit gebrochenen Fingern oder sonstigem endet.

Aufgefallen, dass er Bemer bei ihm tatsächlich die gewünschte Wirkung hat, ist mir, als ich ihn mal damit geführt haben. Das war zu der Zeit, als er eigentlich noch super unentspannt war, jedes Geräusch gehört hat ( und davon gibt es bei uns viele) und jede Gelegenheit genutzt hat, um loszubocken. Das soll er natürlich gerade nicht tun. Es hilft nichts, ihn stundenlang zu führen, wenn er durch das rumgebocke innerhalb von Sekunden alles wieder kaputt macht.

Ich war mit ihm in der Halle, mit uns mehrere andere Pferde. Bei einem mal wieder unwartetem Geräuach gingen alle los. Alle, ausser Calle. Der hat geschlafen. Ich war total verwundert, warum Calle sich benimmt, als wäre er sediert, während alles um ihn rum bockt. Normalerweise hätte er nur auf die Gelegenheit gewartet und freudig mitgemacht. Aber nichts, er hat einfach weitergeschlafen. Bis mir dann erstmal selbst gemerkt habe, dass er ja den Bemer drauf hat. Der hat ihn wohl während des Führens so entspannt, dass er völlig gechillt war.

Seitdem Bemert er tatsächlich regelmässig und endlich ist er so entspannt, dass der Körper die Zeit bekommt, die er braucht um zu heilen, ohne dass er von Calles Eskapaden ständig boykottiert wird.

Nach oder während des Bemerns geht es für ihn auf den Paddock. Er geniesst die Mittagssonne und kann hier total herunterfahren.

Nach rund zwei Stunden Paddock ist aber sein Tag noch nicht vorbei.

Da er ja, wenn überhaupt, nur Schritt geritten oder geführt wird, versuchen wir, ihn nicht komplett einrosten zu lassen.

Deshalb wird er auch abwechselnd an einem Tag mobilisiert und am anderen Tag mit dem Matrixmobil in Schwung gebracht.

Ihr seht also, Calle hat auch ohne wirklich geritten zu werden einen vollen Tagesplan. Nach der Mobilisation wird er noch rund 45 min im Schritt bewegt und dann geht er sehr zufrieden mit sich und der Welt in seine Box zum Abendessen.

Im Moment sind wir seit zwei Wochen mit Bioresonanz dran und können noch nicht viel darüber sagen.

Was auffällig ist, ist dass Calle schwarze Stellen rund um die Nüstern bekommt, was wohl ein Anzeichen dafür ist, dass die Entgiftung bei ihm über die Haut geht.

Auf jeden Fall passiert da was.

Die Strahlfäule ist jetzt schon weg, er hatte seitdem keine angelaufenen Beine mehr und wir steigern langsam unser Reitpensum, was heißt, dass er immer noch mindestens genausoviel Schritt geht, aber inzwischen schon rund jeden zweiten Tag ein paar Runden trabt. Und das sogar gut.

Mehr probieren wir aber mal noch gar nicht. Das hat keine Eile.

Für ihn wird es jetzt so weitergehen, er ist mitten im Fellwechsel, die Entgiftung scheint zu laufen und die Entspannung funktioniert. Kein Grund also mehr zu wollen. In sechs Wochen wird es eine Nachtestung geben und wir werden wissen, was sich verändert hat.

Wir lassen es auf uns zukommen, werden weiterhin nach unserem Bauchgefühl arbeiten und schauen mal, was das Frühjahr so bringt.

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