Calle E

Calle E


Im Dezember 2014 kam Calle zu uns

Eigentlich waren wir gar nicht so richtig auf der Suche nach einem neuen Pferd. Aber andererseits war auch klar, dass Nina irgendwann zu groß für Paul sein wird, bzw. mit Paul nicht dauerhaft über L-Springen rauskommen wird. Paul ging zwar schon ein paar schöne M-Springen, aber dauerhaft kann man den kleinen Mann nicht auf 120% reiten. Das wäre unfair ihm gegenüber. Paul ist ein tolles L-Pony, aber im M-Springen muss er schon sehr kämpfen, vor allem, wenn er keine Ponyprüfungen mehr gehen darf, sondern in den normalen Prüfungen starten muss. Es gibt zwar einen Ponyausgleich in den Kombinationen, aber die Distanzen stehen trotzdem auf Großpferdeabstand und so muss Paul immer mit Zwischendistanzen kämpfen und das ist im M einfach nicht machbar.



Und Ginny Gibson befand sich ja in ihrer Dauerauszeit. Keiner wusste, was sie hat, aber es war klar, dass der Weg in den Turniersport für sie entweder sehr lang oder auch gar nicht möglich sein wird. Trotzdem wollten wir uns von beiden nicht trennen und so muss man eben mit seinen Mitteln haushalten.

Aber irgendwie musste es ja auch weitergehen. Wenn man jeden Tag arbeitet und trainiert ist es nur normal, dass man auch Fortschritte sehen will und im Sport weiterkommen will. Dagegen stehen halt auch die Finanzen, die es nicht zulassen, einerseits unsere beiden jetzigen zu behalten und dann noch weitere Pferde dazuzukaufen. So muss man immer abwägen, was denn möglich ist.
So haben wir uns ein bisschen umgeschaut, in der Hoffnung, dass uns ein Glückstreffer über den Weg läuft. Aber die Suche bei E-Horses ernüchtert einen dann gleich mal wieder. Will man ein Pferd haben, das sicher M-Springen geht, für Junioren reitbar ist, Potential für mehr hat und möglichst auch noch gesund ist, ist man ganz schnell in der Preiskategorie 40-100.000 € angekommen. Das sind natürlich reelle Preise für top ausgebildete Pferde, aber eben nicht für jedermann erschwinglich. Und so war klar, dass es wenn überhaupt wieder ein junges Pferd werden wird.
Eines Abends beim Abendessen schlug ich den St.Georg auf und da schaute er mich mit diesem Bild an.



Ich weiss nicht warum, aber ab diesem Moment setzte ich alle Hebel in Bewegung um dieses Pferd einmal live zu sehen. Ich durchforstete das Netz, schaute Video, las alte Ergebnisse und sah immer wieder das Verkaufsvideo. Ich fand ihn toll. Aber ich wusste auch, dass dieser tolle Kerl seinen Preis haben wird. So dauerte es lange, bis ich mich traute, bei Sportpferde Scholz anzurufen. Erst suchte ich nach Alternativen. Ich rief bei zahlreichen Anzeigen an, aber alle hatten irgendwie einen Haken, mit dem ich nicht leben wollte. Dann lieber gar kein Pferd. Irgendwann habe ich mir einfach das Herz genommen und in Warendorf angerufen. Es stellte sich heraus, dass den Züchtern von Calle, die auch noch Besitzer waren, ihren Schimmel in guten Händen sehen wollten und so kam es, dass man sich über den Preis unterhalten konnte.
Wir fuhren also hin und wollten ihn wenigstens mal gesehen haben. Um sich nicht wieder anhören zu müssen, wir hätten blind das erstbeste Pferd gekauft, probierten wir auf dem Weg auch noch andere aus, aber das Richtige war da nicht dabei. Zudem hatten wir einfach keine Zeit. Wir hatten genau den einen Samstag, an dem wir morgens um drei losfuhren und abends wieder zuhause sein mussten, weil am nächsten Tag Reitabzeichen im Verein sein sollte und ich dort Jugendliche zu betreuen hatte.


Nach dem dritten oder vierten Fehlversuch mit übermotorisierten Pferden kam Calle in die Halle. Groß, tollpatschig, einfach wie ein zu groß geratener Kuschelbär. Irgendwie so gar nicht wie ein Sportpferd. Er mit seinem gewohnt lässigen Schritt, der sich nicht einen Schritt zuviel oder gar zu schnell bewegt, der einen mit seinen großen, tiefschwarzen Augen anschaut und einem gleich mal den Kopf in den Arm legt, war also das Pferd, das mich nicht mehr losließ. Nina saß drauf und sah erstmal aus wie ein Floh. Calle ist schon echt viel Pferd. Ob das mal gutgeht? Aber Nina ritt ihn ein bisschen ab und man sah gleich, dass ich hier keine Angst um mein Kind haben muss. Calle bewegte sich mit einer Gemütlichkeit und Ruhe durch die Halle, den konnte kein Wässerchen trüben. Als es dann ans Springen ging, gab es noch ein paar Abstimmungsprobleme. Eigentlich klappte es gar nicht. Calle lief gerne mal am Sprung vorbei und das obwohl wir nur kleine Sprünge gemacht hatten. Zudem stand nur ein Sprung, der nur aus Stangen bestand in der Halle. Nichts guckiges, keine Distanzen, nichts. Eigentlich nicht die optimale Art ein Pferd zu probieren. Ich weiss bis heute noch nicht, warum ich an diesem Tag die Entscheidung gefällt habe, dass Calle unserer werden soll. Wenn man ehrlich ist, war es Harakiri. Ich wusste schon, dass er unter dem Bereiter schon tolle Erfolge in Springpferdeprüfungen hatte, aber das war natürlich auch reiterlich ein anderes Kaliber als Nina mit damals rund 45 kg Körpergewicht und keiner Erfahrung in den höheren Springen. Andere in dem Alter haben ein erfahrenes Pferd, von dem sie erstmal lernen können, und wir haben uns mal wieder für einen jungen entschieden, mit dem sie zusammen wachsen muss. Ob sie das Riesenkuschelteddytier jemals geritten bekommen würde, stand in den Sternen aber wir wollten es versuchen. Und so vereinbarten wir eine Ankaufsuntersuchung und wenn die gut ist, sollte er bei uns einziehen und wir wollten mit ihm gemeinsam in den Sport hineinwachsen.
An dem Tag, an dem der TÜV gemacht wurde war ich irgendwie völlig daneben. Irgendwas musste doch noch schiefgehen. Wir gehören schließlich nicht zu den Leuten, bei denen immer alles glatt läuft. Als dann mittags der erlösende Anruf, der ebenfalls in Calle verliebten Tierärztin kam, dass “der ja mal gar nix hat” war ich dann doch sehr erleichtert und konnte mich auf die Ankunft unseres sanften Riesen freuen.


Als er aus dem Hänger stieg war er irgendwie noch größer als beim Probieren. Aber so süß. Und nun war er da. Es war Winter und wir hatten genug Zeit mit ihm bis ins Frühjahr zusammenzuwachsen und ihn kennenzulernen. Schnell stellte sich heraus, dass er eine ganz schöne Herausforderung war zu reiten. Bedingt durch seine Größe und seine innere Ruhe war er doch recht stark und büffelig. Und so wurde es uns selbst im Winter öfter mal ganz schnell warm auf ihm. Puh, das war richtige Arbeit ihn zu gymnastizieren, ihn immer wieder geschmeidig zu machen und zu halten. Einfach mal einen Tag laufenlassen, das reichte ihm nicht. Wir haben schnell gemerkt, dass er nach einem freien Tag schnell zum Traktor wird und dann auch mal die Lenkung versagt. So arbeiteten wir jeden Tag ernsthaft Dressur und fanden daran auch immer mehr Spaß, weil Calle ja auch sehr gute dressurmäßige Anlagen mitbringt, aber man muss es eben jeden Tag ernsthaft arbeiten.


Kurze Zeit später ging Calle schon mit aufs Turnier nach Kreuth. Zum eingewöhnen und einfühlen und einfach mal sehen, was er auf dem Turnier macht, ritt Nina zwei A und zwei L-Springen mit mäßigem Erfolg. Er war zwar superbrav, aber Nina hatte die Größe seiner Galoppsprünge vor allem in den Distanzen und Kombinationen noch nicht im Griff, so dass es hier einige Fehler gab. Aber das war ok. So wussten wir woran wie waren und an was wir im Winter arbeiten mussten.

Schon beim nächsten Turnier zwei Monate später hatte sie das raus und konnte sich schon im ersten gemeinsamen M-Springen platzieren.


Und so gingen wir guter Dinge in die erste Turniersaison mit Calle. Wir hatten ja schon ehrgeizige Ziele. Es war das letzte Jahr, in dem Nina beim Nürnberger Burgpokal mitreiten durfte. Das ist eine Serie für Junioren in Baden-Württemberg, in der sie sich auf verschiedenen Turnieren in Stil-M-Springen qualifizieren müssen und deren Finale in der Schleyerhalle bei den German Masters stattfinden sollte. Eigentlich war das Ganze ein Jahr zu früh. Ich hätte lieber ein Jahr Zeit gehabt das Pferd kennenzulernen, aber dann wäre Nina zu alt gewesen. Also versuchten wir es halt, aber glaubten nicht daran, dass es klappen könnte. Von den rund 50 teilnehmenden Junioren Baden-Württembergs qualifizierten sich 15 für das Finale. Ein sehr ehrgeiziges Unternehmen also, vor allem, weil die Juniorenszene in Bawü pferdemäßig und reiterlich sehr gut aufgestellt ist, was man schnell an den Wertnoten in den Prüfungen merkte. Mit einer kleinen 7 oder gar einem Fehler brauchte man nicht mehr an eine Platzierung denken. Mindestens 7,5 und höher, besser eine gute 8 waren dafür dann schon erforderlich. So sammelten wir in den ersten Qualis ein paar Punkte, auch wenn wir mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten.


Calle war zum Beispiel kein Freund von dreifachen Kombinationen. Es war nahezu unmöglich für Nina ihn durch eine dreifache zu lotsen, da er sich am zweiten Sprung einfach steif machte und vorbei lief. Auch lange Parcours mit vielen Sprüngen waren schwierig, da beiden zum Ende des Parcours die Konzentration und die Kraft ausging und sich immer am Ende die Fehler häuften. So mussten wir über die Saison ein paar Sachen herausfinden. Zum Beispiel, dass wir ihn nur sehr kurz abreiten dürfen um keine Kraft zu verschwenden. Dreifache standen zuhause im Training auf dem Tagesplan. Erst ganz klein, um Sicherheit zu bekommen, dann langsam größer und irgendwann ging es dann auch auf dem Turnier. Manchmal, aber noch nicht immer.


Dann kam das nächste Problem. Im Sommer brach sich Nina bei einem Sturz mit Ginny das Schlüsselbein und musste pausieren. Ich hielt Calle in dieser Zeit in Schwung und ritt ihn auch nebenher eine Geländeprüfung, die aber am Wassereinsprung scheiterte.

Zwei Qualis hatte Nina nun verpasst, aber trotzdem wollten wir die restlichen noch mitnehmen, auch wenn die Chancen den Rückstand aufzuholen gering war. Aber langer Rede. kurzer Sinn. Es klappte. Das Durchalten hat sich gelohnt und auf dem letzten Turnier holte sich Nina auf den Punkt genau das Ergebnis, das nötig war um als 15. ins Finale einzuziehen.

 


Nun mussten wir also die Saison verlängern, wir mussten Calle ja bis in den November fit halten. Als letztes Turnier vor dem Finale ritt Nina nochmal in Kreuth und wir wurden böse auf den Boden der Tatsachen geholt. Calle stoppte. Sprung 1 ging noch und dann nichts mehr. Zerknirscht mussten wir nach Hause fahren und überlegen…..
Irgendwas konnte doch da nicht stimmen. Zwar stoppt Calle schon immer wieder mal, aber normalerweise nicht ohne Grund. Kommt man aus einer zu engen Wendung, hat man zu wenig Galopp, sieht man die Distanz nicht, stört man ihm vor dem Sprung, all das sind Gründe, warum er stoppen kann. Das wissen wir . In Kreuth war es aber nichts von alledem. Er galoppierte nicht mal aus der Wendung da war er noch nicht mal in der Nähe vom Sprung. Da konnte was nicht stimmen. Aber es war nicht mehr viel Zeit. Gott sein Dank bekam ich schnell meine Osteopatin her, die des Problems Lösung fand. Calle musste sich bei einer wilden Koppelgaloppieraktion verzogen haben und konnte gar nicht so galoppieren wie er sollte. Schnell waren die Blockaden gelöst und nur 5 Tage später ging Calle ein schöne Runde in der Schleyerhalle mit einem Hindernisfehler, der aus einem Distanzproblem entstand. Damit wurde er im Finale 10. und Nina super glücklich und zufrieden.


Unsere erste Saison mit Calle war echt spannend. Es gab so viele erste Male, so viel Unbekanntes, wir wurden immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt, mussten uns mit Problemen auseinandersetzen und sie lösen. Uns und Calle wurde nichts geschenkt. Aber die beiden sind über die Saison zusammengewachsen und so konnte wir im Jahr 2015 beruhigt in die Winterpause gehen.

Die Winterpause nützten wir für ernsthafte Arbeit. In den Monaten Dezember/ Januar und Februar hieß das aber weniger Springen und dafür mehr dressurmäßige Arbeit und Gymnastikspringen. Wir hatten vor allem an der Rittigkeit im Parcours zu arbeiten, da Calle ja sehr viel Pferd ist und auch ein bisschen schwerfällig sein kann.  So versuchten wir ihn und uns noch mehr zusammenzuschweißen, indem wir sehr viel an der Konzentration, der Rittigkeit und dem Miteinander arbeiteten.

Dazu gehörte auch, dass er mal feste Hindernisse sprang und aufs Frühjahr hin mit Pauli zu den Geländetrainings fuhr.

 



Eigentlich war es überhaupt nicht der Plan, dass Calle Vielseitigkeit gehen sollte. Aber wir wollten ihn beim Training, das wir mit Paul sowieso machten, dabei haben, weil wir dachten, ein bisschen Abwechslung und Ausdauertraining kann ihm ja auch nicht schaden. Schnell haben wir gemerkt, dass Calle sich gar nicht doof anstellt. Springvermögen hatte er ja ausreichend, so dass ihn die Hindernisse nicht vor eine Herausforderung stellten. Guckig war er auch nicht, er packte alles an, was da stand. Hier kam uns jetzt auch noch das Rittigkeitstraining aus dem Winter zugute. Schmale Hindernisse und schwierige Abfolgen waren kein Problem. Das einzige Problem, das uns dauerhaft verfolgen sollte, war das Wasser.  Er konnte es zwar – eigentlich- aber wie er halt so ist, wenn er nicht will, dann will er nicht, und das meistens am Wasser.

Und so fanden wir uns Anfang der Turniersaison in Linkenheim auf einem Vielseitigkeitsturnier wieder. Nach einer guten Dressur, ja auch das hatten wir im Winter trainiert, ging er im Springen fehlerfrei. Mittags ging es dann ab  ins Gelände. Die beiden kamen aber nicht weit. Calle hatte da was verwechselt. Der erste Sprung war eine kleine Kiste, vielleicht 90 cm hoch. Eigentlich kein Problem. Nun war aber die Kiste von zwei hochkant stehenden Quaderstrohballen begrenzt. Wie hoch die waren?  Ich weiß es nicht. 140cm vielleicht auch etwas höher. Calle zog statt der Kiste die Strohballen an, Nina war so verdutzt, dass sie nichts machen konnte. Mir stand das Herz still. Springen konnte er also genug. Leider war das aber nicht der Sprung. Zu allem Elend riss bei diesem Satz auch noch der Bügelriemen und das Gelände war an Sprung 1 vorbei. Noch ein Grund mehr in Zukunft noch besser auf unser Zubehör zu achten und auf Qualität zu setzen.


Ok gut, das lief jetzt nicht so wie geplant, aber das hielt uns nicht davon ab, es in Kirchberg gleich nochmal zu versuchen. Da gab es dann keine Unstimmigkeiten mehr, die beiden waren sich einig, selbst am Wasser. Eine tolle Runde im Stilgeländeritt wurde mit einer 8,8 belohnt und bedeutete den Sieg in dieser Prüfung. Klar, dass wir wieder Buschluft geschnuppert hatten. Auch Pauli war ja wieder in dieser Richtung unterwegs und so gab es in dieser Saison neben den Springen auch ein paar tolle Geländeturniere.



Wir fuhren die Saison einfach zweigleisig. Calle sammelte ein paar schöne Platzierungen in L und M-Springen aber auch im Gelände. Das Highlight waren wohl die Württembergischen Meisterschaften in Laupheim. Da hatten wir einen tollen Calle, aber einen dummen Denkfehler. Für uns war ja klar, dass Calle nur so zum Spaß dabei war. In Laupheim ist das Wasser ein See, den er noch nie zuvor gesehen hatte. Da dachten wir nicht im Traum daran, dass Calle da seine Füße reinbewegt und so war klar, dass wir Paul als Meisterschaftspferd auswählten.

Aber Paul hatte etwas Pech in der Dressur. Die Aufgabe mit ihren langen Trabtouren und dem Zügel-aus-der-Hand-kauen am Ende, das er noch nie als ernsthafte Lektion angesehen hat, kam ihm nicht entgegen und so mussten wir mit 6,7 das Feld von hinten aufrollen, während Calle sich eine 7,4 abholte und damit auf Platz 2 lag.

Paul konnte auch mit einer Nullrunde im Gelände und im Springen die Note nicht mehr rausholen, war zwar am Ende in der Prüfung platziert, aber in der Meisterschaftswertung 4. Knapp an den Podestplätzen vorbei.

Calle ging eine super Nullrunde im Gelände in der Zeit und nur (ausgerechnet) eine Stange im Springen kostete ihn den Sieg in der Prüfung. Er wäre damit aber noch Württembergischer Vizemeister gewesen, wenn, ja wenn wir aufs richtige Pferd gesetzt hätten. That`s life.






Mit einer M-Springen Platzierung auf dem Heimturnier in Leonberg und dem ersten Start im M** beendeten wir die Saison 2016.  Damit man aber nicht denkt, dass unser Leben nur aus Turnieren besteht, habe ich natürlich auch noch ein paar Freizeitbilder für euch.



Das Jahr 2017 begann bei uns spät und holperig. Dadurch, dass ich im November 2016 mein Metall entfernt bekommen habe, und seitdem praktisch außer Gefecht war, da die Naht nicht heilte, war Nina den kompletten Winter auf sich alleine gestellt. Ich wurde einfach nicht richtig fit, so dass ich ihr eine Hilfe gewesen wäre. Zum Jahreswechsel waren wir zwar auf dem Turnier in Kreuth, aber schon kurz danach fiel ich wieder aus. Das Turnier in Kreuth lief gut. Schöne L  und M- Springen standen für Paul und Calle auf dem Plan, das ein oder andere auch  mit einer Platzierung gekrönt.

 



Danach war ich praktisch ein Totalausfall. Wenn man einem Team die Hälfte der Mitglieder wegnimmt und die andere Hälfte neben dem Versorgen von 3 Pferden noch Abitur schreibt, dann wird es mal kurz kritisch. Sehr kritisch. Da bin ich dann echt wieder froh, dass wir in so einem großen Verein sind und Nina hatte wenigstens Hilfe im Alltag. An ein ehrgeiziges Training war natürlich nicht zu denken. Als dann klar war, dass man mich im März noch mehrfach operieren müsse, da ich mir zu allem Übel auch noch einen Keim eingefangen hatte und ich danach nochmal  mindestens 6 Wochen ausfallen würde, cancelten wir den Saisonbeginn erstmal. Es gab jetzt einfach Wichtigeres im Leben.

 


Aber Ende Mai ging es dann auch für uns los. In Assamstadt ging Calle erstmal ein L zum Saisonstart, das er dann auch gleich gewinnen konnte.


Nach Assamstadt gönnten wir uns gleich nochmal ein Wochenende in Kreuth. Für mich war das einfacher, da man da nicht mehrfach verladen und hinfahren muss, sondern einfach dort ist und ich  mich auch zwischendurch einfach mal hinlegen konnte. So konnte Nina noch ein paar Prüfungen reiten, auch ohne meine Hilfe.



So richtig zum Reiten kam Nina aber in der Saison trotzdem nicht. Abifahrt, Urlaub das Bloggertreffen in Aachen und dann das Praktikum bei Animo in Italien kamen dazwischen und so ging es für Calle erstmal mit mir ins Dressurviereck. Hat ja auch noch keinem geschadet. Erst war das eigentlich nur just for fun, so nach dem Motto, bewegt werden muss er ja sowieso, aber schon sehr schnell sammelte unser Calle auch Schleifen im Viereck. Damit hatte nun wirklich keiner gerechnet.



Damit hatte der bisherige “Hobbydressurhamster” plötzlich einen Zweitjob. Er ging  mit mir ein paar schöne Dressuren, konnte sogar eine L-Dressur gewinnen. Wenn das keine Leistung ist für ein Springpferd. Wir waren schon mächtig stolz auf Calle. Jetzt ist er bis M- Springen siegreich, in der L-Dressur auch und hat ja auch schon einen Stilgeländeritt gewonnen und ist VA platziert.


Im September war dann auch Nina wieder da. Nun durfte Calle endlich wieder springen. Im Nussdorfer Morgennebel ergatterte er gleich zum Start wieder eine M-Platzierung, bevor wir die Saison in Kreuth ausklingen lassen wollten.


Leider war uns in Kreuth kein schöner Saisonabschluß vergönnt. Calle hatte zwar eine L-Dressurplatzierung, aber im Springen ging mal wieder sein Dickkopf mit ihm durch. So in kleinem Maß hatten wir das schon ab und zu mal, aber so massiv wie in Kreuth, hat er es noch nie gemacht. Calle hat ein kleines Problem. Er ist einfach zu sozial. Calle liebt andere Pferde. Er ist ja auch immer zu jedem freundlich und wundert sich dann gerne mal, wenn er angequietscht wird oder andere Pferde seine große Liebe nicht erwiedern. Wenn er allerdings in der Prüfung entdeckt, dass er jetzt lieber zu den anderen möchte, dann kann das ganz schön kniffelig werden.


Zwischen dem blauen Sprung und dem Bild links liegen keine zwei Sekunden. Calle hätte noch einen Sprung zu springen gehabt, aber genau dieser ging vom Ausgang weg und damit von den anderen Pferde weg, die auf dem Abreiteplatz waren. Das hat er jetzt mal einfach gar nicht eingesehen und hat das Nina eindrucksvoll mitgeteilt. Da war nichts mehr zu machen, auch in der nächsten Prüfung nicht, als er dasselbe Spiel nochmal gespielt hat.  Das war sehr schade, so einen Saisonabschluss wünscht sich natürlich keiner und so mussten wir mit einem schlechten Gefühl in die Winterpause gehen.


Wir hatten auch keine Möglichkeit mehr, dass zu korrigieren, da wir zu Hause natürlich sofort den Tierarzt geholt hatten, um abzuchecken, ob das was zwickt. Der hat eine Unregelmäßigeit an der Sehne gefunden, die aber schon länger da gewesen sein musste und sicher nicht jetzt akut zu diesem Problem geführt hat. Nichtsdestotrotz haben wir natürlich den alten Schaden behandelt und so verbrachte Calle den Rest des Winters mit Stoßwellenbehandlungen und Schritt gehen.


Bis Weihnachten war Schritt angesagt. Das fand selbst Calle komisch. Der Calle, der sich sonst nie auch nur einen Schritt Zuviel bewegte, konnte inzwischen ganz schön aufpacken und so waren wir froh, als das grüne Licht vom Tierarzt kam und wir ihn vorsichtig wieder antrainieren durften. 6 Wochen Dressur reiten gingen ins Land, bevor wir uns wieder an die ersten Cavalettis wagten.



Da Calle ja außer Kreuth keine Hallenturniere geht, warteten wir mit dem Saisonbeginn, bis man draußen reiten kann. In Rot am See lief er letztes Jahr eine schöne Runde, die Bedingungen sind super und so sollte das unser Saisonstart werden. Wir waren top im Training, zu Hause klappte mal wieder alles.  Aber Calle hatte sich erinnert. Das mit dem Abreiteplatz hatte ja schon in Kreuth geklappt, das könnte man ruhig nochmal versuchen. Klar, kann man ihm zugute halten, dass Nina sich drei Sprünge zuvor vermetert hatte und er sich retten musste. Das ist natürlich nicht schön, aber im L kann er das auch mal verschmerzen. Die Kombi  nach dem vermeterten Sprung sprang er einwandfrei, aber als es wieder vom Abreiteplatz weg ging, hatten wir unser Problem wieder. Er kam hoch und damit war es beendet.


Ok, nun musste was passieren. Wir vereinbarten ein Training auf einem fremden Platz und wollten mal schauen, was passiert. Und da hatten wir dasselbe Spiel, obwohl auf dem abgegrenzten Abreiteplatz nicht mal Pferde waren.  Aber sobald es vom Abreiteplatz weg ging, blockierte er. Im Tranining konnten wir das mit weiterreiten und Konsequenz lösen und waren nun gespannt, ob wir das nun im Griff haben sollten.


Im Mai fuhren wir dann wieder nach Kreuth. Vielleicht nicht die geschickteste Lösung, da hier ja das Problem, vor dem wir jetzt schon wieder standen begann, aber das war ja schon gemeldet, bevor es das Problem gab. Deshalb musssten wir da jetzt durch. Man fährt da natürlich mit keinem so guten Gefühl hin. Wir waren extra schon einen Tag früher zum Warm-Up da und übten mit Calle, dass er sprang und ich mit Ginny vom Platz weg ritt. Heute interessierte es ihn gar nicht und er sprang zuverlässig.


Aber diesmal war  nichts. Calle lief tolle Runden. Wir begannen vorsichtig mit L und steigerten dann auf M. Insgesamt 5 schöne Runden, bei denen es nicht den Ansatz eines Problems gab, beruhigten uns wieder und wir fuhren zufrieden heim. Es  schien, als wäre der Spuk vorbei.



Im Mai ging es dann für Calle nach Aachen. Das CHIO-Team hatte ein Bloggertreffen organisiert, bei dem verschiedene Blogger in Unterrichtseinheiten ritten und abschließen eine Autogrammstunde gaben. Beides machte Calle hochmotiviert,  besonders das Bilder machen mit den Fans fand er total zum kuscheln.


Im Juni gab es dann wieder ein paar Turniere für Calle. Eine weitere L-Dressurplatzierung ein paar schöne M-Springen durften wir für uns verbuchen, aber auch wieder einen “Am-Abreiteplatz-Kleb-Anfall” am Ende des Monats. Es soll wohl nie langweilig werden und Calle macht alles, damit wir uns nicht zu sicher fühlen.