Wir haben unsere Sorgenkinder getauscht

Wäre ja auch echt zu langweilig, wenn einfach mal alles glatt laufen würde.

Nachdem unser kleiner Paul sich auf der Koppel pudelwohl fühlt und anscheinend seine Sehnenverletzung auskuriert hat, und Ginny als einzig richtig reitbares Pferd bei uns zu Hochform aufläuft, geht es bei Calle nicht so richtig voran.

Eigentlich sollte er schon seit Anfang Dezember nach seiner Chip-Op wieder antrainiert werden.

Das hat auch vier Wochen lang sehr gut funktioniert und wir durften tägl. 10 min. traben.

Das wäre ja sehr gut gewesen, wenn nicht unser großer Esel irgendwann aufgewacht wäre und angefangen hätte zu bocken.

Bocken und auf der Stelle umdrehen ist natürlich gerade für ihn nicht gerade die optimale Bewegung und so mussten wir ihn nochmal rausnehmen, da er sich eventuell bei einer seiner Aktionen vertreten hat.

Ok, ist ja nicht schlimm. 4 Wochen mehr Schritt, eine Hyaluronspritze direkt ins Gelenk und eine zweite Eigenblutbehandlung sollten ihm helfen.

Da er aber inzwischen auch in der Box sehr ungemütlich wurde und sich permanent selbst verletzt hat, steht er nun eingepackt wie ein Eishockeyspieler in der Box. Seine neuen Magnetfeldstallgamaschen müssen einiges aushalten.

Vom reinbeißen und dran ziehen, über sich selbst auf die Füße stehen und vieles mehr, trotzen sie aber tapfer unserem Randalepferd und ich bin wieder mal froh, mich für die teurere Variante entschieden zu haben.

Selbst für Calle scheinen die unkaputtbar zu sein und so rechtfertigt sich der Preis.

Pünktlich zu Weihnachten war es dann soweit.

Das Go vom Tierarzt kam. Wir sollten wieder traben.

Das war jetzt inzwischen echt sehr witzig. Inzwischen geht Calle seit rund 4 Monaten Schritt und wird immer ungemütlicher.

Nochmal rumbocken sollte er ja auch nicht, und wir können jetzt nicht mehr, so wie im Oktober noch auf den Platz.

Die Halle ist aber natürlich, wie das im Winter wohl in allen Ställen so ist, oft voll und auch das ist gerade etwas schwierig mit Calle.

Er hört jedes Geräusch, nützt alles um sein Bocken rechtfertigen zu können und findet es ganz gruslig, wenn ihm Pferde entgegenkommen.

Das geht also irgendwie nicht, damit machen wir alles schlechter anstatt besser. Also sind wir dazu übergegangen viel draußen auf dem Beton zu reiten und da auchmal zu traben.

Das geht auch super. Ganz alleine draußen ist Calle zufrieden und entspannt und trabt schön und lahmfrei.

Aber wir können ihn ja schlecht auf dem Beton antrainieren und so müssen wir doch immer mal wieder in die Halle.

Aber da sind wir nicht so richtig zufrieden. Er geht eigentlich gut, aber wahrscheinlich bedingt durch die An,- und Verspannung, die er in geschlossenen Räumen mit anderen Pferden hat, fühlt es sich eben nicht 100% gut an.

Und das stört uns natürlich.

Und deshalb haben wir den Plan jetzt nochmal geändert.

Calle soll alle Zeit der Welt bekommen, die er braucht und wir werden kein Risiko eingehen.

Deshalb ist sein neues Bewegungszuhause gerade der Longierzirkel.

Den haben wir für uns alleine, da kann ich vorher den Boden glattziehen und Calle ist, nachdem er sich einen Tag lang ordentlich ausgebockt hat – ohne Schaden zu nehmen- jetzt sehr friedlich im Longierzirkel und dreht brav seine Runden.

Dadurch, dass er nervlich nicht mehr so angespannt ist, ist auch der Bewegungsablauf besser, wenn auch immer noch nicht richtig gut.

Und deshalb müssen wir noch weiterdenken. Der Tierarzt meint, dass er einfach durch die lange Steh,- und Schrittzeit andere kleinere Baustellen entwickelt hat und einfach eine gewisse Zeit braucht, bis er alle Knochen wieder richtig sortieren kann.

Behandelt wird jetzt erstmal nichts mehr, da wir ja nicht unendlich viel Chemie in das Pferd fließen lassen können, dann haben wir irgendwann, wie bei Ginny damals, andere Probleme.

Damit bin ich sehr vorsichtig geworden.

Da wir davon ausgehen, dass wir die Saison sowieso nicht so bald beginnen können, was ja am Ende auch völlig egal ist, haben wir aber das komplette Management umgestellt.

Calle bekommt alle alternativen Therapien, die man ihm zugute kommen lassen kann.

Gerade jetzt ärgere ich mich unheimlich darüber, dass ich die Physioausbildung nicht schon viel früher gemacht habe, dann könnte ich ihm vielleicht jetzt schon helfen.

So sauge ich natürlich momentan wie ein Schwamm alles auf, was mir mit Calle weiterhelfen könnte.

Tägliche Bemereinheiten mit der Decke und der Beingamasche gehören inzwischen zum Ritual und Calle genießt das sichtlich.

2-3 mal in der Woche bekommt er zusätzlich noch eine Behandlung  mit dem Matrix-Rhytmus-Gerät und ich finde da schon ganz schön viele verspannte Muskeln, die ich nach und nach lockern kann.

Die Eisen haben wir jetzt auch mal runter gemacht, damit der Hufmechanismus wieder mal ohne Druck arbeiten kann und wir auch am Ablaufen der Hufe sehen können, wo er eventuell falsch auffußt.

Nebenbei macht der Bub noch kleine Trainingseinheiten auf den Balancepads, die er aber total doof findet.

Letztendlich haben wir uns dann noch Hilfe beim optimalen Futter geholt.

Calle neigt ja dazu etwas fülliger zu werden und das kommt ihm natürlich auch nicht zu Gute.

Wir wollen weder den Bewegunsapparat durch zu viel Gewicht ( das er momentan leider hat) belasten, und auch den Stoffwechsel mehr in Schwung bringen.

Deshalb haben wir uns bei Eggersmann Pferdefutter beraten lassen, wie wir unseren Großen auch hier bestmöglich unterstützen können und einen neuen Futterplan erarbeitet.

Das setzt natürlich voraus, dass wir ihm das Futter für alle Mahlzeiten hinrichten, damit er sicher das bekommt, was er bekommen soll.

Dafür werde ich jetzt mal einen Futterplan schreiben, damit auch andere Leute, wenn Nina und ich mal nicht da sind, wissen, was er bekommt und für uns das Futter richten können.

Einen extra Blog, zu was uns Eggersmann bei all unseren Pferden in Bezug auf die Fütterung geraten hat, werde ich euch nächste Woche schreiben.

Das Thema Fütterung ist ein echt komplexes, aber auch interessantes Thema und ich bin froh, nun Profis an meiner Seite zu haben, die ich jederzeit anrufen kann und die mich mit ihrer Erfahrung unterstützen werden.

Ihr seht also, manchmal ist es gar nicht so einfach  mit den Tieren, aber das wird euch nicht anders gehen, als uns.

Manche werden sich sicherlich fragen, warum ich das hier so aufschreibe.

Normalerweise verschwinden Pferde, die nicht laufen erstmal von der (Internet) bildfläche und tauchen erst wieder auf, wenn alles wieder funktioniert oder eben auch gar nicht mehr.

Aber das ist ja nicht die Realität.

Egal wie gut wir unsere Pferde versorgen, wir alle müssen damit leben, dass es Probleme geben wird, die auch  manchmal nicht so einfach lösbar sind.

Das ist halt nicht wie bei Autos. Die bringt man in die Werkstatt und holt sie repariert ab.

Bei Pferden ist das Ganze eben sehr viel komplexer und manchmal liegt das Problem auch ganz woanders als man vermutet, und wer ein Pferd im Stall stehen hat, wird mir nachfühlen können.

Auch wir  können leider nicht zaubern, zwar versuchen wir alles, was in unserer Macht steht um Calle zu unterstützen, holen uns die Hilfe aller Profis, die wir finden können und sind offen für alles, was uns weiterhelfen kann.

Man darf einfach nicht die Augen verschließen, muss bereit sein über den Tellerrand zu schauen und manchmal auch den Plan ändern, wenn er nicht funktioniert.

Das dauert oft seine Zeit, ist aber eben nicht zu ändern.

Vielleicht kann ich hier auch dem ein oder anderen, der auch ein krankes Pferd im Stall stehen hat, den Mut machen, durchzuhalten, weiter zu suchen und daran zu glauben, dass alles irgendwann wieder in Ordnung sein wird.

Auch wir wissen noch nicht, wie und ob das Turnierpferdeleben mit Calle weitergehen wird, aber das ist jetzt nicht zu ändern.

Dieser Kerl steht auf unserer Futterliste, egal wie, man kann und wird ihn nicht austauschen.

So ist das eben mit der Turnierreiterei und auch mit den Erfolgen.

Solange die Pferde gesund sind, sieht das alles ganz easy aus, man  muss aber eben auch zu seinem (Sport)partner stehen, wenn es nicht geht. So gibt es dann eben mal statt bunten Schleifen andere Beschäftigungen und falls es mal wieder zu einer Schleife kommen sollte, ist die umso mehr wert, wenn man auch schwierige Zeiten überstanden hat.

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