In letzter Zeit häuften sich die Bilder auf unseren Instagramaccouts von einem Pferd, das Ginnys Double sein könnte. Auf jeden Fall auf den ersten Blick. Es ist selbst Nina schon passiert, dass sie, wenn ich mit Linn in der Halle war und unsere Zubehör drauf hatte, zweimal hinschauen musste, ob das jetzt Linn oder Ginny ist.

Ich dachte, wenn sie so oft vorkommt, ist es an der Zeit sie mal ordentlich vorzustellen.

Lingh`s Lovely Linn wurde 2012 auf dem Gestüt Birkhof im Baden-Württembergischen Donzdorf geboren.
Der Vater der Stute ist der ehemals unter Edward Gal erfolgreiche KWPN-Hengst Lingh.
Mütterlicherseits stammt sie aus der Desteny, die über Denaro – De Niro auf den Dressurpferdevererber Donnerhall zurückgeht.
Über beide Hengste bringt Linn den nötigen Schuß Vollblut mit, den wir so gerne haben, weil das in der Regel sehr zähe, leistungsfähige Pferde sind.
Linn ist eine sehr langbeinige, mit guten 170cm im Stockmaß relativ groß gewachsene Stute mit unendlich langen Beinen und einer Hinterhand, die an Mechanik kaum zu toppen ist.
Aber genau das machte ihr den Start ins Reitpferdeleben nicht ganz einfach.

 

Linn kam 4-jährig zu uns in den Stall und gehört Catherine, der Mama von Jule, die ihr wiederum als Paul`s Reitbeteiligung kennt. Und so schließt sich der Team Kaupp Kreis mal wieder. Catherines vorheriges Pferd Bastien, der jetzt gemeinsam mit Paul das Rentnerleben genießt war viele Jahre bei mir in Beritt und so kam es, dass Catherine mir trotz dass ich gar nicht draufsitzen konnte ihre Linn anvertraute. Ich unterstützte sie mit Unterricht und als ich mir das lang genug angeschaut hatte und mir sicher war, dass Linn zuverlässig ist und nicht wild durch die Halle bockt, saß ich dann auch selbst drauf. Linn hat mein Vertrauen bis heute nicht enttäuscht.

 

Aber Linn tat sich schwer. Als 4 und Anfang 5-jährige konnte sie den Takt nicht finden und wenn sie ihn mal kurz gefunden hat, nicht halten. Wir rätselten hin und her, die übliche Suche begann. Tierarzt, Zahnarzt, Osteopath, Sattler….. jeder kennt es. Nachdem wir alles durchgecheckt hatten und trotzdem kein Fortkommen sahen, mussten wir uns etwas überlegen. Wir waren uns sicher, dass sie wollte, aber nicht konnte. So gut kannten wie sie inzwischen und so entschieden wir, bzw. Catherine zu Gunsten des Pferdes. Linn sollte nochmal auf die Koppel gehen. Sie sollte die Zeit, die sie braucht bekommen um zu reifen, zu wachsen und sich körperlich zu sortieren. Wie lange sie weg bleiben würde, ließen wir offen. So lange wie sie eben braucht.

 

So war sie den Sommer über in einem Aktivstall, in dem sie sich frei bewegen konnte, ihre Beine sortieren konnte, bestimmt nochmal 4 cm wuchs und mit sich und der Welt ins Reine kam.
Ende des Jahres 2017 zog sie nochmal auf den Birkhof, wo sie neu antrainiert werden sollten, weil die Profis das da einfach besser und ruhiger können, als wir auf unserer turbulenten Vereinsanlage.
Ich war skeptisch, als Catherine sie schon Anfang des Frühjahrs nach Hause holte. Ich dachte, das sei zu früh. Aber ich wurde eines besseren belehrt. Linn war wirklich gereift. Seelisch und körperlich. Sie war hochzufrieden mit sich und der Welt und ist das bis heute noch.
Inzwischen 6-jährig macht Linn jetzt einen tollen Job als Reitpferd, auch wenn wir sie aufgrund der späten Entwicklung nicht ansehen wie einen 6-jährigen, sondern behandeln wie einen 4-jährigen. Manchmal muss man das wirkliche Alter eines Pferdes ausblenden können. Klar gibt es Pferde, die 6-jährig M-fertig sind, aber es gibt eben auch die, die länger brauchen.

Inzwischen darf sogar schon Jule zwei mal in der Woche auf Linn reiten und uns geht jedesmal das Herz auf, wenn wir auf der Bande stehen und zusehen, wie Linn auf Jule aufpasst, wie die beiden zu einem kleinen Dreamteam zusammenwachsen und sind uns jedesmal wieder sicher, dass die Entscheidung die vor einem Jahr für Linn getroffen wurde goldrichtig war.
Wie sagt man so schön: “ Gut Ding hat Weile“
Wir haben alle Zeit der Welt. Ich für meinen Teil bin Catherine dankbar für das Vertrauen, das sie damals in meine Einschätzung hatte, ich bin echt froh, dass sie bei meinen ganzen Sorgen und dem Gemecker, dass das alles so nicht gut ist, nicht einfach den Bereiter gewechselt hat, sondern den Plan.

Wir alle sind gespannt, auf den weiteren Weg mit ihr. Inzwischen ist sie so gefestigt, dass sie sogar schon die ersten kleinen Sprünge unter dem Reiter gemacht hat und auch das wieder souverän und mit Freude an der Arbeit. So ist sie einfach. Sie will jeden Tag gefallen und wenn ein Pferd wie sie mal über längere Zeit hin nicht so geht, wie sie gehen soll, dann sollte man sich nicht scheuen nachzudenken, Lösungen zu finden und dafür zu sorgen die Umstände wieder passend zu gestalten.

 

 

Wir dürfen uns auf jeden Fall auf eine weitere tolle Zeit mit Catherine, Jule und Linn freuen und sind schon jetzt ganz gespannt, wo ihre Entwicklung noch hingehen wird.

 

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