Ein neuer Sattel, ein Besuch vom Physio, intensiveres Training, ein neuer Reitlehrer…….

Es gibt so viele Dinge, mit denen man seinen Pferdealltag verbessern kann, aber nichts davon alleine wird zum Erfolg führen.

Momentan schreibe ich gerade wenig Blogs, weil meine klare Priorität auf meiner Physioausbildung liegt. Da ist einerseits ganz viel Praxisarbeit, die immer und immer wieder am Pferd wiederholt werden muss, damit die einzelnen Griffe Routine werden, man das Gefühl für viele verschiedene Pferde bekommt und so lernt, Probleme zu erkennen und zu behandeln.

Da gibt es gleichzeitig nahezu unzählige Lehrbücher und DVDs, die alle immer wieder nochmal ein neues Input bringen und es einfacher machen die rund 600 Seiten Manuskript ( vorwiegend auf Latein) zu lesen und zu verinnerlichen.

Fachbegriffe wollen gelernt werden, Muskeln müssen in ihrem Verlauf zugeordnet und benannt werden, das Skelett wird bis ins kleinste auseinander genommen usw…..

Aber heute war der Tag für einen Blog. Es ist Samstag morgen 5 Uhr, irgendwie scheint mein Körper genug geschlafen zu haben, lernen ist um diese Zeit kontraproduktiv und in den Stall kann ich auch noch nicht. Also kann ich mich mal wieder hinsetzen und schreiben.

Das Problem an Instagram, wo man ja mal so kurz zwischendurch aktiv sein kann, ist, dass manches falsch verstanden wird.

Wenn ich z.B. ein Bild mit Ginny auf den Balancepads poste, dann kann ich sicher sein, dass die Frage kommt: ” Und, merkst du schon eine Veränderung?”

Aber das ist ja Unsinn.

Nur weil ein Pferd einmal auf den Balancepads stand, werde ich keine Veränderung bemerken.

Genausowenig, wie ich durch einmalige andere Aktionen nun grundsätzlich etwas verändern kann.

Der neue Sattel z.B. ist sicherlich toll und auch wichtig für das Pferd, wenn denn der alte nicht gepasst hat, der Besuch vom Physio wird auch etwas bewirken können und Stangenarbeit soll bekanntlich locker machen.

Aber am Ende zählt nicht ein kleines Puzzelteil, sondern immer das Große Ganze.

Als ich Ginny noch nicht hatte, habe ich da auch gar nicht so viel drüber nachgedacht. Die Ponys wurden zwar, als Buschpony geht das ja auch nicht anders, sowieso schon immer vielseitig trainiert, und viele Sachen, über die sich manch einer Gedanken macht ( darf mein Dressurpferd über ein Cavaletti springen?) waren für mich nie ein Thema.

Vielseitige Ausbildung war einfach normal, das habe ich nicht anders gelernt und deshalb war das keinen Gedanken wert.

Nach der Ausbildung war ich in einem Gestüt angestellt. Da waren die Zuchtstuten, die Deckhengste und die Nachkommen derer, die bei uns angeritten und dann verkauft wurden.

Kamen die drei oder vierjährigen zur Ausbildung in den Stall, wurden sie an Sattel und Trense gewöhnt, ein bis zwei Wochen in der Halle geritten und gingen dann aber täglich in einer Gruppe erfahrener Pferde ( die Hengste oder die älteren – immer noch vierjährigen, aber erfahreneren-) ins Gelände. Das war normal und völlig unproblematisch. Wir hätten nie darüber nachgedacht mit so einem jungen Pferd nicht ausreiten zu gehen. Dementsprechen waren die dann auch. Geländesicher, Selbstbewusst, nicht erschrocken, und in jeder Situation zu händeln. Die kannten ja alles.

Heute sehe ich oft, dass die Jungen nur in der Halle geritten werden, abgeschirmt von allen Umwelteinflüssen, Koppel ist zu gefährlich usw. und dann wundert man sich, dass sie so schreckhaft sind.

Ok, ich sollte nicht abschweifen, ich wollte nur sagen, manche Sachen macht man intuitiv sowieso und wenn nicht, sollte man drüber nachdenken, wo noch Verbesserungspotential ist.

Mit Ginny war es nun so, dass sie natürlich als junges Pferd in unserem ganz normalen Rhytmus gearbeitet wurde.

Dressur, Springen, Gelände, Auswärtstraining, Turniere, all das durchlief sie. Natürlich hat man schon immer auf das Rundum geachtet.

Ein korrekter Hufbeschlag, den momentanen Anforderungen angepasst ist selbstverständlich. Wenn wir viel auf Gras reiten hat sie vier Eisen, damit wir Stollen reindrehen können, um ihr bestmöglichen Halt zu geben.

Da wir viel Beton und bergauf und bergab haben, läuft Ginny ganzjährig wenigstens vorne beschlagen, dann aber mit Widiastiften. Hinten ist sie oft unbeschlagen ( ausser, wir haben vor auf Gras zu reiten), dann hat sie auch genug Halt. Aber beschlagen ohne Stifte wäre unfair und gefährlich, da sie eigentlich die Berge nur runterrutschen würde. Unbeschlagen wäre zwar für mich auch ok, das ist aber durch unseren vielen Beton, nicht machbar, da haben wir einfach zu viel Abrieb.

Man sieht also, die richtige Mischung zu finden fängt schon bei den Hufen an. Hat das Pferd keinen vernünftigen Unterbau könnt ihr machen, was ihr wollt, dann wird das nichts werden. Und auch hier gilt wieder. Es gibt kein alleinges –Das ist richtig — Es muss einfach immer zum Pferd und zur Situation passen. Jedes Pferd ist nunmal anders.

Neben dem Hufbeschlag, sollten wir natürlich auch das gesamte Pferd im Auge haben. Fühlt es sich in seinem Körper wohl? Hat es Auffälligkeiten? Wie ist der Futterzustand?

Leistungsoptimierung, oder eben überhaupt das Fordern einer Leistung, hängt ja unabdingbar vom Gesamtzustand ab.

Deshalb sollte auch hier natürlich alles passen. Das optimale Futter, die richtige medizinische Versorgung inkl. Impfungen, Wurmkuren und Vorsorgeuntersuchungen, oder eben einfach mal nachdenken, was denn gerade anders ist, wenn das Pferd nicht im optimalen Zustand ist, hilft hier schon weiter.

Fällt das Pferd plötzlich ein, verliert es Muskulatur, ist es müde oder überdreht? Ist das Fell stumpf oder bekommt es sogar Stichelhaare, die vorher nicht da waren. Hat es Kotwasser oder angelaufene Beine? All das sind Faktoren, die man erkennen muss, und optimieren muss, damit man überhaupt etwas vom Pferd fordern kann. Wenn die Grundgesundheit nicht passt, könnt ihr euch zu Tode trainieren, dann wird das nichts.

Gerade der Punkt Futter ist mir auch ganz wichtig. Es ist eben nicht so, dass viel auch viel hilft. Im Gegenteil, weniger ist oft mehr. Wenn ich neue Berittpferde bekomme, frage ich immer ab, was die denn so bekommen und meistens ist das viel zu viel.

Es nützt nichts, das komplette Zusatzfutterregal leerzukaufen und alles ins Pferd zu schütten. Ein Pülverchen für dies und ein Pülverchen für das. Das kann dann ganz schnell auch mal zuviel werden.

Am wichtigsten ist wohl immer noch das optimale Grundfutter, das heißt Heu in guter Qualität und das richtige Kraftfutter. Aber gerade im Kraftfutterbereich gibt es so ein riesiges Angebbot, dass man sich am Besten beraten lässt, was denn welches Pferd wirklich braucht.

Wir haben z.B. die Futterberatung von Eggersmann in Anspruch genommen und jedes unserer Pferde bekommt ein anderes auf ihn angepasstes Grundfutter. Dadurch sparen wir uns aber viele Futterzusätze, weil diese teilweise schon im Kraftfutter enthalten sind und ein zuviel davon wieder zuviel Arbeit für den Organismus bedeuten würde. Man muss ja immer bedenken, alles was man reinfüllt, muss auch wieder verstoffwechselt werden.

Gerade auch im Hinblick auf Medikamente sind wir das sehr vorsichtig. Das ist immer mit dem Tierarzt, und ich bin froh, einen Tierarzt an meiner Seite zu haben, der auch eher mal weniger, als mehr gibt. Einfach mal so einen Entzündungshemmer füttern, weil es ja gut tun könnte, das kommt bei uns nicht in Frage.

Der nächste Punkt, der optimiert werden kann, ist das Zubehör.

Viele denken, bei uns Influencern muss es immer glitzern. Ja, das stimmt schon, Glitzer ist toll 😉 aber viel wichtiger ist die Passform. Das eine schließt das andere ja nicht aus.

Deshalb ist es mir wichtig, das meine Gamaschen gut sitzen. Das Pferd muss sich damit bewegen können, die dürfen nicht zu groß und nicht zu klein sein und vor allem dürfen sie nicht einschnüren. Auch hier passt wieder jedem Pferd etwas anderes, und man sollte einfach den optimalen Beinschutz für sich und sein Pferd finden.

Weiter nach oben geht der Sattel. Wir haben zum Beispiel keine extra angepassten Maßsättel für unsere Pferde. Natürlich schaut bei uns regelmäßig der Sattler drauf, wenn wir das Gefühl haben, das sitzt alles nicht so richtig, aber grundsätzlich kommen unsere Pferde mit ihren Sätteln “von der Stange” wunderbar klar.

Was ist aber oft sehe, ist dass die Pferde teuer angepasste Maßsättel haben, und dann einen 20 € Gurt dran. Mir ist der Gurt genauso wichtig, wie der Rest des Sattels. Was nützt mir der beste Sattel, wenn der Gurt einschnürt, oder zu lang oder zu kurz ist, ganz schlimm, wenn ich sehe, wie die Gurtschnallen bei jeder Bewegung am Ellbogen knacken. Mit dem richtigen Gurt für die jeweilige Rumpfform des Pferdes kann auch die Lage des Sattels optimiert werden und das Pferd wird sich wohler fühlen, freier atmen und sich dadurch besser bewegen, wenn unterm Bauch einfach nichts zwickt.

Auch die Schabracke ist mir wichtig. Glitzern darf sie, muss sie aber nicht. Aber sie muss passen. Erstmal unter den Sattel. Das heißt ein Springsattel hat eine Springschabracke, ein Dressursattel eine Dressurschabracke.

Was unsere Schabracken, egal welcher Marke sie sind, alle haben, ist eine anatomische Form im Widerristbereich. Etwas anderes kommt nicht aufs Pferd, da kann sie glitzern wie sie will. Ich gebe zu, unsere Schabracken sind teuer. Aber das hat auch seinen Grund. Viele billige Schabracken liegen auf dem Widerrist auf, oder rutschen im Laufe des Reitens runter. Dann drücken sie auf die Dornfortsätze und das ist unangenehm. Schließlich sollen sich diese nicht nur mit dem passenden Sattel bewegen können, sie dürfen auch nicht von der Schabracke gequetscht werden.

Und diese Form haben eben meistens nur die teurerer, stabileren Schabracken, die dich während des Reitens auch nicht plötzlich verselbständigen.

Und wenn wir schon beim Zubehör sind, ist auch die Trense noch gefragt.

Auch hier gilt ausprobieren. Mit welchen Gebiss fühlt sich das Pferd am wohlsten. Es gibt nicht das eine Gebiss, das für jedes Pferd optimal ist. Ginny z.B. mag kein Metall im Maul. Calle liebt sein Drei-Ring-Gebiss, mit dem Ginny wahrscheinlich nicht mal einen Schritt loslaufen würde. Jeder, wie er es braucht und mag.

Auf was viele nicht achten, ist das Stirnband. Stirnband und Genickstück sind aber eben echt wichtig. Wenn ich es beim Trensen schon kaum schaffe, das Genickstück über die Ohren zu ziehen, dann stimmt was nicht. Habt ihr schonmal probiert, ein Ohrenkäppi unter eine fertig verschnallte Trense zu basteln? Teilweise ist das unmöglich. Aber gerade da merkt man ja, wieviel Druck das Genickstück einer zugeschnallten Trense macht, und wie unangenehm dieser für das Pferd sein muss. Ganz viele schauen immer auf die Nasenriemen. Das ist ja selbstverständlich, dass die nicht so eng geschnallt sind, dass sie dem Pferd Schmerzen bereiten, aber wenige achten auf das Genickstück und den Stirnriemen. Ein zu kleiner Stirnriemen, der das Genickstück auf die Ohren zieht ist mindestens genauso unangenehm.

Oder die Backenstücke. Nicht jedes Reithalfter ist gleich geschnitten, nicht jeder Pferdekopf ist gleich. Oft sieht man die Backenstücke auf dem Jochbein liegen, oder sogar die Schnallen am Auge. Also auch die richtige Größe der Trense ist wichtig. Logisch ist, dass das Reithalfter da liegt wo es hingehört, nämlich das kombnierte oder englische unter das Jochbein und das Hannoversche nicht auf die Spitze des Nasenbeins.

Auch die Lage des Gebisse im Maul ist wichtig. Zu groß ist nichts, zu klein auch nicht. Man sollte auch immer die zwei bis drei Falten Regel beachten. Oft sehe ich, dass auch falsch verstandener Pferdeliebe die Gebisse viel zu tief liegen, damit es eben keine Falten am Maulwinkel gibt. Die Falten stören das Pferd aber nicht, aber sehr wohl ein Gebiss, das zu tief auf der Zunge liegt, oder eventuell sogar an den Hengsthaken anstößt.

Ui, das wird ja wieder mal ein Mammutblog, sorry dafür, aber irgendwie ist das Große Ganze eben doch ganz schön umfangreich.

Mit dem Zubehör sind wir glaube ich soweit durch.

Kommen wir zum Training.

Ich persönlich halte ja nichts davon stur eine Linie durchzuziehen. Jeden Tag dieselben Lektionen zu pauken sorgt nur für Frust. Beim Pferd genauso wie beim Reiter. Klar kann man, wenn man gerade an einer Aufgabe dran ist, diese regelmäßig üben, dadurch kommt ja auch Routine und Übung rein, aber zwischendurch mal ein Alternativprogramm und den Kopf freimachen hat schon oft Wunder gewirkt.

Deshalb versuchen wir unseren Pferden ein abwechlungsreiches Programm zu gestalten, bestehend aus Springtraining, das manchmal auf Höhe ausgerichtet ist, manchmal auf Rittigkeit, Kondition, Losgelassenheit usw. Jedes Springtraining kann anders gestaltet werden.

Gerade, wenn man, egal in welcher Disziplin, Probleme mit etwas hat, hilft es oft, die Problemzone mal zu vergessen, was völlig anderes zu machen. Oft geht es nach einer Pause wieder viel besser.

Das Dressurreiten ist natürlich, das werdet ihr schon tausendfach gehört haben, der Ursprung von allem. Egal ob ihr ins Gelände wollt, springen, fahren, oder voltigieren. Über das korrekte Gymnastizieren in der Dressurarbeit gebe ich dem Pferd die Möglichkeit seine Muskulatur entsprechend zu trainieren um dann den speziellen Anforderungen gewachsen zu sein. Dressurreiten heißt ja nicht immer nur versammelte Lektionen zu pauken. Dressurreiten ist für mich einfach die komplette Gymnastizierung und Vorbereitung des Pferdes für seine Aufgaben und dient der Gesunderhaltung des Grundgerüstes.

Aber auch hier bietet das Spektrum ein Pferd zu bewegen noch viel mehr Möglichkeiten. Ich arbeite auch sehr gerne an der Doppellonge und auch das Freilaufen der Pferde gehört zum Alltag dazu.

Gerade auch das Freilaufen ist mir wichtig.Ich möchte, dass sich meine Pferde ohne ständig gesagt zu bekommen, was sie machen sollen und was nicht, bewegen. Die sollen ja selbständig bleiben. Ich will nicht ständig dafür sorgen müssen, dass sie ihre Beine sortieren können, das sollen sie schön selbst machen. Deshalb habe ich auch keine Angst um meine Pferde, wenn sie mal wieder wilde Haken beim Freilaufen schlagen, oder den Hang der Koppel hoch und runter galoppieren. Pferde, die das regelmäßig tun und auch ohne Reiter ihren Körper unter Kontrolle haben, werden das in der Regel auch verletzungsfrei überstehen.

Ja, und neben dem Reiten her gibt es natürlich noch weitere Möglichkeiten sein Pferd zu unterstützen.

Für mich ist natürlich im letzten halben Jahr die physiotherapeutische Unterstützung sehr präsent geworden.

Beim Menschen ist das ja schon normal, kaum einer geht nicht ab und an zum Physio oder macht Ausgleichstraining. Beim Pferd ist das noch nicht so verbreitet. Ich habe aber schon gemerkt, dass ich mit dieser Unterstützung viel bewirken kann, Ginnys Bewegungen und Arbeitsfreude haben sich nochmal deutlich verbessert, seit sie durch meine neuen Möglichkeiten unterstützt wird. Und Ginny ist eben auch ein Pferd, dass Unterstützung gut gebrauchen kann.

Natürlich wird auch hier nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Sie steht nicht jeden Tag auf den Balancepads, ich mobilisiere auch nicht jeden Tag alle Gelenke oder gönne ihr eine Stresspunktmassage. Aber die richtige Technik zur richtigen Zeit angewendet, kann schon sehr viel unterstützend helfen. Und trotzdem sind wir hier wieder an dem Punkt angekommen, die zur Überschrift des Blogs passt.

Nämlich – DIE MISCHUNG MACHTS- eine gesunde Mischung aus Haltungsbedingungen, Futter, passendem Zubehör, Training, Physio, Ausgleich, Gesundheitsvorsorge und natürlich grundsätzlichem Wohlgefühl ist wohl unser Schlüssel zum Erfolg, egal, ob wir sportliche Höchstleistungen mit unserem Pferd erreichen wollen, oder nur einen zufrieden, gesunden Freizeitpartner an unserer Seite haben wollen.

Jedes Pferd, egal ob Sportler oder Freizeitpferd, egal ob alt oder jung, teuer oder billig, hat es verdient, unsere bestmögliche Unterstützung und ein offenes Auge von uns zu bekommen, da sie sich ja nun mal nicht selbst helfen können.

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