Nun ist es bald soweit, und ich werde zu meiner Prüfung als Pferdephysiotherapeut antreten und sie hoffentlich auch bestehen.

Ihr habt mich die ganze Zeit über begleitet – freiwillig oder unfreiwillig- als ich im letzten halben Jahr jedes Wochenende oder auch ganze Wochen zu den Seminaren aufgebrochen bin. Unter dem #pferdephysiointhemaking habe ich euch mitgenommen, und nun soll es also bald ein Ende finden.

Wobei, das habe ich schon gemerkt, ein Ende wird es nie geben.

Genauso wie in der Reiterei auch, lernt man in der gesundheitlichen Betreuung rund um das Pferd nie aus, und so wird es für mich nach der Prüfung weitergehen. Nicht mehr ganz in dem Tempo, das ich jetzt vorgelegt haben, aber für die zweite Jahreshälfte sind immerhin noch zwei Seminare jeden Monat geplant, für die aber meine bestandene Abschlußprüfung zum DIPO Pferdephysiotherapeut die Vorraussetzung ist.

Nun kamen aber über die gesamte Zeit natürlich immer wieder Fragen auf, die ich euch in Storys oder Beiträgen nicht zufriedenstellend beantworten kann. Genau für so etwas gibt es ja den Blog. Hier kann man einfach mal tiefer in die Materie eintauchen und ich hoffe, ich kann euch heute die Pferdephysiotherapie etwas näher bringen.

Eigentlich, so geht es mir jedenfalls, gibt es gefühlt den Pferdephysiotherapeut noch gar nicht so lang, auf jeden Fall hatte ich persönlich noch wenig Kontakt damit-ich weiß, es gibt ihn schon, aber mir sind bisher wenige persönlich begegnet- umso mehr ein Grund das hier mal ein bisschen bekannter zu machen.

Man hört ja eher die Begriffe Chiropraktiker und Osteopath, auf die ich nachher bei euren Fragen noch näher eingehen werde. ( das nachher musste ich im Verlauf des Beitrage auf morgen und einen eigenen Blog verschieben)

Ja, der Physio, was macht der denn?

In der Humanmedizin ist der Physio ja normal. Nach einer Verletzung, nach einer OP oder auch als Vorbeugung geht man zum Physio. Es ist ganz normal, dass der Arzt einen an einen Physio überweist, da der Arzt ja nicht die Nachbehandlung macht, die über sein Tätigkeitsfeld hinausgeht. Das könnte er zeitlich gar nicht leisten und wie ich inzwischen von Tiermedizinern mitbekommen habe, ist die Nachbehandlung auch gar nicht Bestandteil des Studiums.

Aber was macht man denn nun mit einem Pferd nach einer OP? Muss man das nicht eigentlich genauso rehabilitieren wie einen Menschen? Indem man es vernünftig, und angepasst, in Absprache mit dem Tierarzt wieder aufbaut?

Das macht ja schon Sinn und das ist eine der Aufgaben des Pferdephysiotherapeuten.

Oder, wenn ihr mal schaut, wenn menschliche Top-Sportler zu einem Wettkampf fahren. Dann haben sie nicht nur ein Ärzteteam dabei, die ja eigentlich nur eingreifen würden, wenn es Verletzungen gibt. Nein, sie haben auch ein Physioteam dabei, das im Vorfeld schon versucht Verletzugnen zu vermeiden und den Sportler optimal auf seine Aufgabe vorzubereiten.

Und in diesem Sinne muss man den Physio einfach als Teil eines Betreuungszirkels sehen.

Rund um einen Sportler, egal ob Pferd oder Mensch, egal ob Freitzeit, -oder Leistungssport, das System muss passen.

Ich habe mal versucht, das Betreuungssystem, das ich für optimal halte ( und das sicherlich noch um einige Faktoren ergänzt werden könnte) in einem Bild darzustellen.

Das Bild macht klar, dass keiner der Betreuuer eines Pferdes im Alleingang etwas bewirken kann. Am Ende ist das positive Resultat immer das Zusammenwirken des Gesamten. Kein Physio wird kommen und euer Pferd optimieren, wenn ihr es als Reiter danach nicht richtig weiterarbeitet, wenn es nicht richtig beschlagen, gefüttert und gemanagt ist. Eine Verbesserung ist immer nur möglich, wenn das Gesamtmanagement stimmt.

Aber was ist denn nun der Part des Physios in diesem Ganzen?

Der Pferdephysiotherapeut betrachtet das Pferd als allererstes mal im Gesamten. Er schaut sich das Gebäude des Pferdes an, erkennt, ob es schon aus Exterieurmängeln heraus zu Problemen kommen könnte, die er vielleicht mit einem gezielten Eingreifen und einem sinnvollen Trainingsplan verbessern könnte.

Natürlich will der Physio in diesem Gesamtbild einiges über das Pferd wissen. Er muss wissen, wie das Pferd gehalten wird, was es leisten soll, wie es dahin trainiert wird, und wo es eventuell durch gezieltes Training mal ankommen soll.

Er erkennt den Allgemeinzustand, inbesondere die Hufe, die ja die Grundlage sind, den Futterzustand, den allgemeinen körperlichen Zustand, die Verteilung der Muskulatur und deren Tonus ( Spannung).

Er wird auch einen Blick auf den Sattel und das andere Zubehör werfen, um zu schauen, ob das für das Pferd optimal ist.

Eins ist klar, ohne das Gesamte zu optimieren, kann der Physio alleine keine guten Ergebnisse erzielen. Das Geld dafür könnt ihr euch sparen, wenn ihr nicht bereit seid, über das Gesamtkonzept nachzudenken. Denn irgendwoher müssen Probleme ja auch kommen und keiner – weder Tierarzt, noch Physio, noch Chiro oder sonstwer wird in einem Arbeitsgang Probleme lösen können, die sich über eine lange Zeit gebildet und manifestiert haben und irgendwo ihren Ursprung haben müssen.

Deshalb wird euch der Physio auch bei Bedarf an euren Tierarzt, den Sattler, den Hufschmied, den Pfleger, der für das Futtermanagment zuständig ist, oder euren Trainier verweisen, um seine Behandlung zu unterstützen und zu optimieren.

Das Ziel der Physiotherapie ist, dem Pferd zu ausreichender Beweglichkeit zu verhelfen.

Das macht er durch:

–> die Verbesserung der Elastizität aller Gewebe und Gelenke

–> die Verbesserung der Blutzirkulation im Blut und den Gefäßen

–> die Verbesserung der Vitalfunktionen.

Um gute Ergebnisse zu erreichen stehen dem Physio einige Hilfsmittel zur Verfügung.

Wir arbeiten über:

–> Massagen, um die Muskulatur wieder geschmeidig zu machen. Eine verkürzte, verspannte Muskulatur kann ja nicht trainiert werden. Um eine Muskulatur optimal zu trainieren, müssen bestehende Verspannungen gelöst werden. Ihr könnt mir glauben, da kann ich höchstpersönlich ein Lied davon singen, denn ich weiß ganz genau, wie es sich anfühlt, wenn die Muskulatur “ZU” macht und man keine Chance hat, etwas dagegen zu tun. Ein Training mit verspannter Muskulatur ist Unsinn, sehr, sehr schmerzhaft und kann zu immensen Schäden bis hin zu Rissen in der Muskulatur führen.

–> Ich für mich habe mich ein bisschen in die Stresspunktmassage verliebt. Damit konnte ich schon sehr viel erreichen und meinen Pferden zu sehr viel mehr Wohlbefinden verhelfen.

–> Nach jeder (Stresspunkt)massage folgen noch die Muskeldehnungen, die ich aber nie in einen kalten Muskel hinein machen würde.

–> Gelenkmobilisationen und Testung inwieweit ein Gelenk überhaupt beweglich ist und wie es sich im Vergleich zum selben Gelenk auf der anderen Körperseite verhält gehören ebenso zur Behandlung.

Da unsere Hände, die wir natürlich dringend brauchen, um Fühlen zu können, und Gelenke aber natürlich auch nicht endlos belastbar sind, gibt es einige Hilfsmittel, deren wir uns bedienen können um noch bessere Ergebnisse zu erzielen.

Diese Hilfsmittel habe ich alle am eigenen Körper ausprobiert, teilweise wurden sie auch bei mir selbst in der Physio und in der Reha eingesetzt und so habe ich sie in meinen Alltag für die Pferde übernommen. Ich finde es eigentlich ganz gut, selbst mal gefühlt zu haben, wie sich im Problemfall was anfühlt, was einem gut getan hat und bei was man dem Therapeuten am liebsten davongelaufen wäre. Ich glaube und hoffe, mich durch meine eigenen Erfahrungen ganz gut in die Pferde einfühlen zu können, wenn ich auch weiß, dass die Schmerz,- und Toleranzgrenze bei jedem woanders liegt.

Zu den meinen bevorzugten Physiotherapeutischen Anwendungen gehören ganz klar die

–> Wärme,- und Kälteanwendungen ( allerdings eben zur richtigen Zeit am richtigen Ort)

–> ganz, ganz oben auf der Liste, und dieses Gerät ist immer irgendwo in meiner Nähe zu finden, steht die Matrix-Rhytmus-Therapie, nicht nur, weil des DIE Therapie war, die mein eigenes Gleichgewicht wieder hergestellt hat, nachdem die Ärzte mich aufgegeben hatten, sondern auch, weil ich fühle, wie die Pferde dabei reagieren und was ich damit alles erreichen kann.

Auch der BEMER ist ein fester Bestandteil meiner Arbeit geworden.

Meine eigenen Pferde “bemern” täglich, und jede Massage, Stresspunktmassage bei behandelten Pferden beende ich mit einer Bemer-Einheit.

Es gibt noch einige weiter Therapien, wie Laser, Licht, Infrarot, Elektro, Ultraschalltherapie, in die ich mich persönlich aber noch nicht weiter eingearbeitet habe und deshalb auch nichts darüber erzählen kann.

Nach einer erfolgten Massage/ Behandlung / Muskellockerung geht es natürlich weiter.

Das Pferd muss danach natürlich vernünftig antrainiert oder weitertrainiert werden.

Auch dafür stehen uns einige Möglichkeiten zur Verfügung. Mein persönlicher Traum wäre ja ein (Wasser) laufband. :), aber das wird wohl ein Traum bleiben.

Da ich das nicht habe, behelfe ich mir mit dem, was möglich ist.

Und hier glaube ich, dass ich die Physiotherapie gut mit meiner eigentlichen Ausbildung zu kombinieren ist. In der Bewegung möchte ich dann sehen, was ich bewirken konnte.

Die Bewegung kann dann entweder im freilaufen…

an der Longe….

oder unter dem Reiter stattfinden

Hier kann ich dann entweder sehen, oder auch selbst fühlen, ob ich etwas erreichen konnte oder wo noch Verbesserungspotential ist.

Eins ist aber auch klar. Ich kann kein anderes Pferd aus den Pferden machen. Ich kann lediglich, das dem Pferd von der Natur mitgegebene Potential unterstützen und optimieren. Ich werde, egal, was ich mache, z.B. aus meiner Ginny kein Grand Prix Pferd machen, das ist ihr einfach nicht gegeben und das wird auch keiner herauskitzeln.

Aber ich kann im Rahmen meiner und ihrer Möglichkeiten dafür sorgen, dass wir das Beste herausholen, sie sich in ihrem Körper wohlfühlt und in ihrem Rahmen optimal trainierbar ist. Das gilt natürlich für alle anderen Pferde genauso.

Das weitere Training ist dann auch sehr vielfältig.

Ganz viel arbeite ich mit Propriozeptiontraining, das heißt, wir machen das Pferd aufmerksam auf seinen eigenen Körper, fördern die Wahrnehmung und trainieren damit nahezu unbewusst, die kleine, tiefe Muskulatur mit .

Propriozeptionstraining ist beispielsweise schonmal das Reiten im Gelände, auf verschiedenen Böden, auch mal auf unebenen, hügeligen Gelände, oder auch mal über Stolperfallen. Das Pferd soll sich dabei selbst helfen können.

Ein Pferd, das immer nur auf einem optimal präparierten Boden läuft wird irgendwann die ihm eigentlich angeborene Fähigkeit verlieren, sich auch in unebenem Gelände zurechtzufinden und wird damit verletzungsanfälliger.

Ein ganz einfacher Ausritt kann also schon als gutes und sinnvolles Training bezeichnet werden.

Genauso gehört die Arbeit über Stangen zu einem sinnvollen Aufbau,- und Erhaltungstraining

Eine tolle Sache, vorausgestzt, das Pferd hat keine Angst davor, die man ganz einfach neben dem Putzen her anwenden kann ist das Balancetraining auf Balancepads.

Und am Ende des Ganzen steht dann ein Pferd, das sich durch optimale durch optimale Unterstützung in seinem Körper wohlfühlt, sei es, dass man es als Reitpferd nutzt, oder ob es nur der Beisteller auf der Koppel ist, der auch ein Recht darauf hat, sich wohlzufühlen.

Damit werde ich den heutigen Beitrag erstmal beenden, irgendwie ist es schon wieder ein Mammutbeitrag geworden.

Für die Fragen aus der Instagramstory werde ich einen eigenen Beitrag verfassen müssen, den ihr dann morgen früh bekommt

Manche Fragen haben sich hier schon beantwortet, die restlichen gibt es dann noch….

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