Gestern war wieder so ein Tag, an dem mir ein paar Gedanken durch den Kopf gingen. So entstehen die meisten Blogbeiträge hier.

Mir schwirrt irgendwas im Kopf rum und lässt mich nicht mehr los. Manchmal setze ich mich gleich hin und schreibe meine Gedanken auf, manchmal schlafe ich eine Nacht darüber und dann ist der Gedanke entweder weg, oder eben immer noch da.
Dann setze ich mich an den Laptop und schreibe.

Manchmal wird dann ein Beitrag draus, manchmal lösche ich aber auch alles, weil nichts richtiges zustande kam.

Heute schreibe ich mal weiter, mal sehen, ob ich es dann nachher auch veröffentliche.

 

 

Heute geht es mir um das Thema Siegerehrungen.

Seit diesem Jahr ist es ja so, das man mit dem Pferd, mit dem man platziert ist, auch in die Siegerehrung einreiten muss. Grundsätzlich ist das ja völlig in Ordnung und normal und sollte eigentlich gar nicht in Frage gestellt werden. Deswegen war ich ein bisschen verwirrt, als es eine Regelung dafür gab, über die auch  noch diskutiert wird.

Eigentlich ist doch jeder Reiter froh, wenn er eine Siegerehrung reiten darf und empfindet das nicht als so lästig, dass man ihn dazu zwingen müsste.

Auch unsere Pferde, soweit meine eigene Einschätzung, gehen gerne Siegerehrungen. Unser Paul wusste sehr wohl, was eine Siegerehrung ist und bei ihm hat es uns immer leid getan, wenn sie ohne Pferd war, da er diese immer sichtlich genoß.

Auch meine Nachwuchsreiter würden nie auf die Idee kommen eine Siegerehrung freiwillig nicht zu reiten.   Unsere Pferde sind in der Regel dafür auch alle geeignet. Wir leben schließlich auf einer sehr lebhaften Vereinsanlage, unsere Pferde kennen viel Trubel und werden im Alltag nicht abgeschottet. Alle Pferde werden auch im Gelände geritten und sind in der Regel unempfindlich. Ich bin auch der Meinung der FN, dass zu einer gefestigten Grundausbildung auch die Meisterung verschiedener Situationen gehört und dass man, wenn man aufs Turnier fährt, sein Pferd dementsprechend unter Kontrolle haben sollte. Dasselbe gilt ja z.B auch für den Strassenverkehr.

Aber trotzdem gibt es für jede Regel auch Ausnahmen.

 

Nicht jedes Pferd ist gleich.  Dem einen ist es völlig schnuppe, ob ein Auto, ein Zug oder sonstwas an ihm vorbeifährt, ein anderer bekommt Angst und reagiert eben wie ein Fluchttier reagiert.

Diese Gefühle der Pferde, diese Fluchtreflexe und tierische Reaktionen können wir auch mit der besten Ausbildung nicht ausschalten. wir können versuchen, es so gut wie möglich zu machen, wir können aber nicht grundsätzlich den Charakter und die Toleranz für knifflige Situationen unserer Tiere ändern.

Und so denke ich, sind wir alle, die an einem Turnier teilnehmen auf die richtige und ehrliche Einschätzung des Reiters angewiesen. Schließlich wollen wir alle unbeschadet und sicher wieder nach Hause fahren.

Ich hatte z.B. gestern die Situation, in einem Teilnehmerfeld mit fast 40 Teilnehmern platziert zu sein. Ein Drittel davon waren 13 Reiter. Die Siegerehrung fand in einer 20x40m Halle statt.

Und 13 Reiter in einer 20x40m Halle, das war ganz schön viel.

Meine Ginny kann da auch ganz schnell mal kribbelig werden, vor allem, wenn es rund um sie unruhig wird und sie keine Chance sieht dem zu entkommen.

Deshalb habe ich Chance genützt, dass ja nur die ersten 6 mit Pferd einreiten müssen und kam als 13 zu Fuß. Natürlich nicht im Schlabberlock, sondern in ordentlicher Reitkleidung, das ist ja klar.

Der Richter fand das auch völlig in Ordnung und so lief die Siegerehrung trotz der vielen Pferde und trotz der Enge sicher und gesittet ab.  Das ist super und deshalb denke ich, so ein allgemeiner Zwang sollte eigentlich doch gar nicht nötig sei.

 

 

 

Wenn man sich nämlich sicher sein kann, dass alle Reiter vernünftig sind, sich und ihr Pferd einschätzen können und diejenigen, die nicht sicher sind eben nicht mit diesem Pferd kommen, ist uns allen geholfen.

Ich möchte, mit meinen derzeitigen Erfahrungen mit Versicherungen, nämlich nicht wissen, was los ist, wenn man tatsächlich eine Situation herausgefordert hat, von der man vorher schon wusste, dass es schief gehen kann. Das ist dann einfach fahrlässig und Unfälle, auch mit schweren Folgen, sind schnell passiert und das muss  man doch wirklich nicht herausfordern.

Aus meiner eigenen Erfahrung habe ich es aber auch  noch nie erlebt, dass ein Richter, wenn ich zu ihm gegangen bin und aus einem vernünftigen Grund um Dispens gebeten hätte, diese nicht bewilligt hätte.

Ich hoffe nur, dass das auch in Zukunft so bleibt, das macht den Turniersport für uns alle sicherer.

Und ich hoffe natürlich auch auf die Reiter, die wirklich nur aus sinnvollen Gründen um Dispens bitten und nicht mit fadenscheinigen Ausreden kommen, weil sie vielleicht keine Lust mehr haben. Wenn es möglich ist zu reiten, sollte es selbstverständlich sein, es auch zu tun, dann müssen solche pauschalen Regelungen erst gar nicht gemacht werden.

 

Team Kaupp Siegerehrung

Ein anderer Punkt ist es aber auch, wenn man zwei Pferde in einer Prüfung hat. Man hat ja nicht die Möglichkeit, den besseren, wenn es denn überhaupt einen klar besseren gibt, am Schluss zu reiten, so dass man zur Siegerehrung auf dem richtigen Pferd sitzt.  Die Startfolge gibt vor, in welcher Reihenfolge man seine Pferde startet. In der Regel ist man dann am Anfang und am Ende dran. Bin ich aber z.B. drittletzter Starter und nicht  mit einem Pfleger auf dem Turnier, der mir helfen könnte, ist es unmöglich, das gerade gestartete Pferd ausschnaufen zu lassen, ordentlich zu versorgen und mit dem anderen, der inzwischen abgesattelt im Hänger steht warmgeritten zu erscheinen. Klar kann man sagen, wenn du mit zwei Pferden unterwegs bist, brauchst du eben genug Helfer, aber welcher Amateur hat das schon. In diesem Fall bin ich auch froh, dass wir noch nie ein Problem damit hatten und hoffen, dass das auch weiterhin so bleibt und trotz allem auch im Turniersport das Wohl des Pferdes, die Sicherheit und der Spaß an der Sache im Vordergrund steht.

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