Dieser Beitrag ist die Fortsetzung vom gestrigen Beitrag. Um zu verstehen um was es hier überhaupt geht, sollte man also den von gestern “Was tun, wenn mal nicht alles klappt” gelesen haben und erst danach diesen hier lesen.

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Wir stehen nun also da mit unserem pubertierenden Calle. Er steht friedlich und zufrieden sein Heu mümmelnd in der Box, begrüßt freudig jedes Pferd, das an seiner Box vorbeiläuft, lässt sich von den Kindern bekuscheln und alles ist wie immer. Kuschelcalle lässt seinen ganzen Charme spielen. Den ganzen Tag lang. Das kann er gut. Wenn ich das so beobachte gibt es kaum jemand, der an seiner Box vorbeilaufen kann, ohne einmal bei Calle stehen zu bleiben und ihm den Kopf zu streicheln. Schade halt für denjenigen, dass der dort lange Zeit stehen wird, da Calle niemanden mehr gehen lässt. Vielleicht wäre ja seine wahre Berufung der Bewohner eines Streichelzoos gewesen, wer weiß. Wenn er keine Aufmerksamkeit bekommt öffnet und schließt er einfach seine Boxentür oder wirft Halfter über den Hof. Irgendeiner schaut dann immer nach ihm. Das muss man ihm schon lassen, er weiß, wie es geht.

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Auch die neueröffnete Koppel und den Paddock mit Ginny genießt er. Ich weiß schon, dass unser Klebproblem mit Ginny angefangen hat, aber die beiden sind ja jetzt schon Boxenmäßig getrennt und stehen schon  nicht mehr nebeneinander. Auf dem Paddock und auf der Koppel kann ich sie aber aus logistischen Gründen nicht trennen, das würde wohl auch nicht viel nützen, dann würde er sich eben einen anderen suchen.

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Also, die Wohnsituation kann nicht geändert werden, das ist so. Ginny ist da, alternativ andere braune Stuten wie Lynn, Chealsy oder ähnliche und Calle wird verliebt bleiben. Eigentlich benimmt er sich wie eine rossige Stute, aber was bei einem Wallach machen?

Wir haben uns erstmal kurz zuhause sortiert, nach dem Turnier an dem wir etwas verwirrt nach Hause gefahren sind, weil Calle uns so eine unnötige und blöde Aufgabe stellt. Es könnte doch auch einfach mal was einfach gehen, aber irgendwie nicht bei uns.

Calle ging zwei Tage nur easy-going und ich habe überlegt. Das nächste was wir gemeldet haben ist Kreuth. Für sehr viel Geld. Na super. In Kreuth hat die Misere ja letztes Jahr angefangen, da dachten wir ja noch, das wäre eine einmalige Sache. Hat nicht geklappt. Nun ist es so.

Gar nicht nach Kreuth zu fahren wäre auch irgendwie blöd. Das Nenngeld ist bezahlt, der Urlaub eingereicht und wir haben beschlossen trotzdem zu fahren. Was wir dort machen wissen wir zwar noch nicht, aber das werden wir dann vor Ort entscheiden.

Erstmal müssen wir jetzt mal zuhause schauen, wie wir uns am Besten drauf vorbereiten. Also haben wir Calle gesprungen. Und wie soll es anders sein. Alles war gut. Wir hatten auch ganz gute Bedingungen zuhause. Nebenan waren Pferde auf der Koppel, an denen klebte er aber nicht. Die haben ihn nicht die Bohne interessiert. Auch die Pferde, die am Platz vorbeilaufen waren uninteressant. Er hat sich voll und ganz auf seine Aufgabe konzentriert und diese top erledigt. Guter Calle, hilft uns aber jetzt gerade nicht weiter.

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Und so haben wir überlegt, dass wir mal woanders zum Springen hinfahren. Ein paar Telefonate mit unserem externen Trainer, der sich glücklicherweise Zeit für uns genommen hat und wir stellten die Pferde auf den Hänger. Wir fuhren auf eine Anlage, die am Wochenende selbst Turnier hat, dadurch stand ein Parcours und auch ein Abreiteplatz war abgesteckt. Optimal für uns. Um das Ganze noch schwieriger oder authentischer zu gestalten nahmen wir Ginny mit und stellten den Hänger so hin, dass Calle Ginny sehen und hören konnte. Wir wollten ja simulieren, dass er trotzdem von ihr weggehen muss, auch, wenn sie auf dem Hänger steht und er sie sieht.

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Und dann ging es los. Wir haben Calle abgeritten wie auf dem Turnier. Abreiteplatz, ein paar Sprünge zum warmreiten und dann in den Parcours und gleich eine Runde drehen. Alles war top. Volker schaute mich und Nina an, als ob er fragen wollte, was wir denn nun hier sollen, das geht doch alles.

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Wir änderten die Runde noch einmal, so dass Calle in einer anderen Wendung vom Abreiteplatz weg musste und da hatten wir es, das Problem. Calle begann die Runde wieder souverän, Volker saß gemütlich auf seinem Sprung und schaute zu. Alles sah so aus, als ob das wieder easy wird. Bis zu der Wendung. Die wollte er nicht. Als ob ich es gewusst hätte. Den Sprung nach der Wendung hatte er vorher noch gar nicht gesprungen, den hatte er auch noch nicht gesehen. Es ging nicht um den Sprung es ging einzig und alleine um den Weg. Zack, einfach aus dem Galopp die Bremse, und dann ein bisschen gezickt. “Weitertrieben”, war die Ansage ” beide Hände leicht seitwärts” um ihm den Weg zu weisen, aber das interessiert Calle nicht. Und um seinem Vorhaben Ausdruck zu verleihen geht er dann mal hoch. Wie gewohnt, ohne Wut, in einer Seelenruhe.
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Und wenn man jetzt so die Bilder im einzelnen sieht, dann denkt man, ” Boa, die zieht aber am Zügel”. Denkt bei solchen Bildern immer mal selbst drüber nach, dass man in dieser Situation nicht agiert, sondern einfach nur reagiert. Ich kenne keinen, der in der Situation eines bockenden oder steigenden Pferdes, mit der man vielleicht auch gerade gar nicht gerechnet hat, im perfekten Sitz sitzt und am besten noch mit dem Zügel nachgibt. Das sind ehrliche Bilder, die aus einer Situation entstehen, die so keiner wollte und nicht vom Reiter provoziert wurde. Aber es gibt sie halt. Und wenn wir ehrlich sind, kann es sie von jedem von uns geben, genauso wie die vermeintlichen “Rollkurbilder”, die daraus entstehen, dass das Pferd nach einer Fliege beißt oder den Kopf schüttelt oder die Bilder, auf denen der Reiter vermeintlich grob am Zügel zieht, weil sich das Pferd erschreckt hat und weggesprungen ist, und der Reiter eben gerade nicht in der Bewegung ist.

Aber zurück zum Thema. Calles Anfall war schnell gelöst. Einmal energisch weitergeritten, dann gleich die Wendung nochmal. Dasselbe wieder. Wieder energisch vorwärts raus und weiter. Ohne Sprung. Und noch einmal: Rein in die Wendung, raus aus der Wendung. Und dann war das Thema gegessen. Die vierte Wendung war dann problemlos, so dass Nina den fünften Anlauf mit Sprung starten konnte. Und ab da ging es. Das Eis war für heute gebrochen. Calle ging noch die letzten Sprünge und war fertig für heute.

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Ja, im Training kann man das recht einfach lösen, manchmal braucht es nur fünf Minuten Zeit, die man auf dem Turnier natürlich nicht hat. Und im Training geht er eben nicht vom Platz, bevor er nicht diese Wendung ging, egal wie lange es dauert. Das hat man halt auf dem Turnier nicht.

Wir sind froh, dass wir dieses Training so machen konnten, danken Volker und der Tübinger Reitgesellschaft dafür und hoffen, dass wir so nach und nach wieder über diesen Knackpunkt, der ja eigentlich nichts schlimmes ist, nur nervig, drüber weg kommen.

In diesem Sinne, das Leben ist kein Ponyhof und auch unsere Pferde machen nicht alles von alleine, sondern stellen und immer wieder vor Herausforderungen, die wir lösen müssen. Wichtig ist aber eben eine Lösung zu finden, nicht den Kopf in den Sand zu stecken und weiterzuarbeiten.
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