Ihr wolltet einen Doppellongenbeitrag haben.

Da ich momentan viele Pferde an der Doppellonge arbeite, weil ich sie für einen sehr geschickten Gegenspieler zum Reiten halte, sollte das eigentlich kein Problem sein. Das Problem ist nur, dass wir ja momentan in der Halle longieren müssen und die Bilder daher nicht so schön werden, wie draußen auf dem Platz.

Trotzdem hat sich Nina bemüht, aus den Möglichkeiten das Beste zu machen und ich versuche euch heute in meine heutige Einheit mitzunehmen, die einfach nur aus locker machen bestand.

Die Verschnallungsmöglichkeiten sind ja nahezu unendlich, aber ich wende bei jeder Einheit etwas anderes an. Immer das, was ich eben gerade erreichen möchte.

Ihr seht, es gibt da also kein festes Schema, sondern entscheidet sich nach dem Ausbildungsstand des Pferdes, meiner Idee, die ich zum heutigen Training habe, dem Zustand und der Mitarbeitsbereitschaft des Pferdes und den äußeren Bedingungen.

Ginny z.B. geht ja gerade recht viel Dressur und in der Dressur arbeiten wir dran, dass sie mehr ins Bergauf kommt. Ginny ist von Natur aus eher bergab angelegt und wenn sie freiläuft sieht man das deutlich. Eine vorwärts-aufwärts Bewegung, die von alleine da wäre, die gibt es nicht, und alles, was damit zu tun hat, ist echtes Training für Ginny.

Deshalb versuchen wir an den Tagen, an denen sie Longe geht, für den Gegenpart dazu zu sorgen. Sie wird also nicht in Aufrichtung longiert, sondern eher so, dass sie entspannt ist ohne völlig auseinanderzufallen.

Aber erstmal genug erzählt, wir fangen einfach mal an.

Am Anfang steht natürlich das Warm laufen. Unser Longierzirkel ist recht umweltorientiert und so laufen die Pferde, auch, wenn sie vorher schon warm sind, immer erst mal Schritt. Um unseren Longierzirkel rum ist immer irgendetwas los, und so kommen die Pferde erstmal in Ruhe an und finden sich mit den heutigen Gegebenheiten ab. Trotzdem versuche ich nach Möglichkeit vorher schon um die Anlage gelaufen zu sein, damit sie einfach geradeaus warmlaufen können. Zudem sind die Nutzungszeiten im Longierzirkel im 30min. Rhythmus getaktet und so ist es sinnvoll davor und danach woanders Schritt zu laufen, die 30 min. sind dann eine schöne Einheit.

Ich beginne immer auf der linken Hand, das hat keinen besonderen Grund, ist einfach nur eine Angewohnheit, die ich beim Reiten genauso mache. Zu Beginn sind die Pferde auch noch nicht verschnallt.

Anfangs möchte ich, dass sie sich frei bewegen, auch um zu sehen, wie der Bewegungsablauf ist, wenn das Pferd einfach selbst läuft. Mit Ginnys antraben kann ich inzwischen sehr zufrieden sein. Das war nicht immer so. In den schlechten Zeiten, die wir hinter uns haben, trabte sie eigentlich gar nicht los, und wenn , dann sah das aus, als ob sie Streichhölzer anstatt Beine hätte. Der Schweif war eingeklemmt, der Rücken wie ein Brett und den Hals hat sie krampfig nach oben gestreckt.

Inzwischen trabt sie aber total locker an, der Schweif pendelt, das Hinterbein ist fleißig und die Halshaltung normal. Ich finde, das sieht hier schon aus wie ein ganz normales Pferd und nicht mehr wie eine Bergziege.

Auch meine Peitsche, die eine Zeitlang mein wichtigtes Utensil war, ist inzwischen nur noch Beiwerk, da Ginny von selbst läuft. Später, wenn es an die Arbeit geht, werde ich sie mehr einsetzen und seit ich die lange Teleskoppeitsche habe, mit der ich das Pferd auch berühren könnte, wenn ich wöllte und die super in der Hand liegt, ist das Treiben sehr viel einfacher geworden, als das was man so mit den zu kurzen 10€ Peitschen kennt.

So darf sie eine Weile laufen, Trab und Galopp, einfach zum Warm laufen. Wie lange diese Phase ist, ist unterschiedlich. In der Regel so 5-10 min.

Wenn sie sich in der Phase ausbocken möchte, darf sie das gerne tun, ich freue mich über jede Bewegungsfreude, die sie an den Tag legt und davon hat sie momentan sehr viel.

Wenn der erste Power raus ist, ist es Zeit für den ersten Handwechsel. Da ich die Longe über dem Rücken führe, kann ich nicht einfach zwischen durch den Handwechsel machen, sondern muss das Pferd anhalten, die Longe umlegen auf die andere Seite und kann dabei auch gleichzeitig die Verschnallung ändern.

Anfangs verschnalle ich eigentlich immer relativ tief, und lasse die Longe nur vom Ring zum Gebiss laufen, ohne sie als Dreieck zu verschnallen. Wenn das Pferd das gut annimmt, ist das für mich die angenehmste Art zu longieren. Manche Pferde reagieren darauf aber leider nicht ganz so gut, vor allem die mit einer hohen Spannung im Unterhals. Bei diesen würde ich dann, wenn sie mein Angebot nicht annehmen, nochmal neu verschnallen und zusätzlich noch über ein tiefes Dreieck in den Ring unten am Sattelgurt gehen.

Das ist aber bei Ginny nicht nötig, im Gegenteil, bei ihr würde es nur dazu führen, dass sie sich eng macht und nicht mehr vorwärts geht. Die Verschnallung seht ihr aber sicher mal bei einem anderen Pferd.

Da ja heute der Plan ist, sie nur locker zu bewegen, geht sie jetzt erst mal lang und tief. Ich achte darauf, dass das Tempo gleichmäßig ist, der Bewegungsablauf durch den Körper fließt, sich praktisch das ganze Pferd bewegt. Auf diesem Bild sieht man ganz gut, dass sie damit sehr zufrieden ist und ich auch.

Das haben wir ungefähr 10 min. so gemacht, bevor der nächste Handwechsel anstand. Im Handwechsel habe ich mal die Verschnallung geändert, da ich manchmal ganz gerne auch in den oberen Ringen verschnalle. Die Longenführung ist hier der Zügelführung relativ ähnlich, und wenn ich z.b. ein Berittpferd für seinen Reiter longiere, insbesondere die kleinen Ponys, die ich nicht reiten kann, dann versuche ich immer das dem Reiten anzunähern.

In der Praxis zeigt sich, dass die Pferde sich manchmal nicht so sicher fühlen, wenn die Longe weiter oben verschnallt ist, man hat hier natürlich auch weniger Hebel, den Kopf tief einzustellen. Aber das will ich ja auch gar nicht. Ich will ja abfragen, dass die Pferde, auch wenn sie leicht oben raus könnten, zufrieden in der Anlehnung gehen. Beim Reiten haben wir die Hände ja auch nicht seitlich am Pferd.

Ich finde Ginny macht das sehr schön, sie stellt sich weder oben ran, noch drückt sie irgendwo hin, sie lässt sich einfach locker in die Anlehnung fallen und damit wird die Arbeit mir total einfach.

Was ich an der Doppellongenarbeit im Vergleich zum ausgebunden longieren sehr schätze ist, dass ich flexibler bin. Wenn Ginny mal kurz losbockt, was ab und an mal passiert, wenn wieder die Eichhörnchen die Bäume hochrennen, dann kann ich einfach nachgeben und das zulassen.

Ich finde das bei ihr gar nicht schlimm, wenn sie dann mal eine Runde braucht, sich dann aber wieder auf die Arbeit konzentriert. Ich finde, wenn man das kurz zulässt, ist das auch gleich wieder vorbei und danach kann ich wieder entspannt weiterarbeiten. Ein bisschen will ich das Pferd ja auch zur Selbständigkeit erziehen. Sie darf also bocken, sie darf auch schauen, was da los war und dann muss auch wieder gut sein und wir arbeiten weiter.

Auch diese Phase auf der linken Hand hat ca. 10 min. gedauert und das reicht mir für heute auch schon. Beim nächsten Handwechsel schnalle ich die Longe wieder tief und lasse sie austraben.

Auch , wenn wir heute gar nicht so richtig Spannung hatten, was ja auch nicht der Plan war, so achte ich am Ende immer drauf, nochmal ins vorwärts-abwärts zu longieren und nochmal Dehnungshaltung zu fordern.

Schließlich soll die Longenarbeit ja vorbereitend für das Reiten am nächsten Tag sein und so kann ich das Pferd locker in den Stall stellen und hoffentlich am nächsten Tag gut vorbereitet ohne künstlich antrainierte Verspannungen wieder rausholen.

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