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In der letzten Fragerunde wurde die Frage gestellt, was man denn als Pferdewirt und Pferdephysio so den ganzen Tag macht.

Ich habe mal einfach das Handy in die Hand genommen und den Tag über einfach mal Bilder gemacht, und versuche euch jetzt mal in einen Tag mitzunehmen.

Vorab gleichmal, außer den Tätigkeiten, die sich jeden Tag wiederholen, wie z.B. Paul versorgen, die Pferde auf die Koppel bringen und so, ist natürlich jeder Tag anders.

Das macht den Job ja so abwechslungsreich. Es gibt Tage, an denen macht man mehr Unterricht, oder reitet mehr oder macht mehr Physio. Das ist jeden Tag anders und immer wieder neu interessant.

Aber jetzt lassen wir den Tag mal beginnen.

Meistens nütze ich den Morgen, bevor die Sonne ums Eck kommt für ein paar Thermografieaufnahmen. Von den meisten meiner Pferde und Berittpferde gibt es schon eine komplette Thermografieauswertung, so dass ich jetzt immer mal wieder zum Vergleich ein paar Bilder von den Körperstellen mache, die in der Komplettthermo auffällig waren. So kann ich gut kontrollieren, ob es eine Verbesserung oder Veränderung gibt und ob wir auf dem richtigen Weg sind.

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Wenn die Aufnahmen im Kasten sind, was ein Aufwand von ein paar Minuten ist, müssen diese auf ihre Auswertung am Abend warten.

Denn jetzt wollen die Pferde auf die Koppel.

Für Ginny und Calli geht es jeden Morgen auf die Koppel, sofern es das Wetter zulässt.

Weil ich möchte, dass die Beiden so lang wie möglich draußen bleiben, ohne sich über lästige Viecher zu ärgern, geht es komplett eingepackt raus. Sonst kann es passieren, dass sie schon nach einer halben Stunde wieder rein wollen.

Der Weg mit den beiden großen auf die Koppel führt direkt in Pauls Renterparadies, der dort schon auf sein Futter wartet. Bei Paul sind wir ja Selbstversorger, sind also dafür zuständig, dass die beiden Ponys morgens Wasser und Futter haben und gemistet sind. Auch wird morgens Pauls Koppelzugang geöffnet, so dass er rein und raus kann wie er möchte.

Momentan ist ja bei uns Urlaubszeit und so sind auch einige Berittpferde bei mir in Betreuung, deren Besitzer gerade nicht kommen. So bin ich natürlich neben der Bewegung dieser auch dafür zuständig, dass sie je nach Vorliebe auf die Koppel, auf den Paddock oder in die Führmaschine gehen.

Eben das, was sonst der Besitzer macht, das gehört jetzt gerade mit zu meinen Aufgaben.

So, ein paar sind draußen, nun geht es an die, die schon mit dem Koppeldienst draußen waren und bereit sind für mich.

Und so beginnt der Tag mit Perina.

Bei Perina hatte ich heute morgen schon Bilder mit der Thermokamera gemacht, da wir gerade am antrainieren sind.

Für Perina beginnt der Tag mit einer Bemer-Einheit, bevor es ans Reiten geht.

Die Decke bekommen die Pferde unter den Bemer, damit nicht die ganzen Haare am Bemer kleben, die Decke lässt sich doch einfacher säubern.

Und da Perina schon auf den bevorstehenden sibirischen Winter wartet, gibt es da natürlich schon viele Haare.

Nach dem Bemern ist es soweit und es wird geritten.

Für Perina habe ich heute mal den Sensor dazugenommen. Hier kann ich ganz gut kontrollieren, ob unser Takt gut war, wieviel ich auf welcher Hand geritten bin und wie unser Training insgesamt aufgebaut war.

Ihr werdet euch wundern, aber oft hat man eine völlig falsche Einschätzung seines eigenen Trainings, vor allem, was die Zeiten betrifft, wie viel lange man welche Gangart geritten hat und wie viel man auf welcher Hand war.

Aber gerade beim Antrainieren macht das schon Sinn, das Ganze mal zu kontrollieren und zu dokumentieren.

Das ich mehr rechte als linke Hand geritten bin, war beabsichtigt, da die linke Hand ihre Schokoladenseiten ist und es ja meine Aufgabe ist, vor allem die schlechtere Seite zu gymnastizieren.

Für Perina war damit das Training beendet und wir sind sehr zufrieden mit ihrem Trainingsfortschritt.

Weiter geht es mit dem nächsten Urlaubspferd. Harmony, die einen grundsätzlich sehr hohen Muskeltonus hat, das heißt immer etwas mehr unter Anspannung steht, als es ihr gut tun würde wird auch mit dem Bemer auf das Reiten vorbereitet. Der Bemer fährt sie ein bisschen runter und so sitze ich nachher nicht auf einem gespannten Flitzebogen, sondern habe schon ein bisschen vorgearbeitet.

Harmony hat auch ihre eigenen Gymnastikübungen, mit denen sie täglich vor dem Reiten gelockert wird, das gehört inzwischen zum Tagesprogramm und man merkt deutlich, wie sie sich dadurch beim Reiten viel leichter tut.

Das Training mit Harmony war auch sehr gut und auf dem Putzplatz stehen schon Ginny und Calli bereit, die inzwischen von der Koppel geholt wurden. Gute 2 Stunden waren die beiden draußen, jetzt wird gearbeitet und nach einem Mittagsschlaf geht es wieder raus.

Ihr seht, der Bemer ist bei uns schwer im Einsatz. Während Nina Calli sattelt, bemert Ginny schon mal eine Runde, bevor sie nochmal in die Box geht und auf ihren Einsatz wartet. Jetzt ist nämlich erst mal Calli dran, den wir meistens noch gemeinsam machen. Das heißt, Nina reitet und ich gebe schlaue Kommentare von mir.

Auch Calles Training heute war wieder gut und so geht es für ihn unter die Dusche und zum Mittagessen. Nach dem Futter machen wir auch ein bisschen Pause, da hier immer schön Ruhe im Stall einkehrt und fast alle Pferde einen Mittagsschlaf machen.

Mittagsfutter mit den Zusätzen von Eggersmann

Damit waren wir am Vormittag auch perfekt im Timing. Alle Pferde waren schon einmal draußen, 3 sind geritten, das ist ein guter Schnitt. Schließlich machen wir ja keine Massenabfertigung, sondern versuchen jeden einzelnen so gut wie möglich zu versorgen und uns Zeit zu nehmen.

Der Nachmittag beginnt mit Ginny Gibson. Für Ginny steht heute Dressur auf dem Programm, auch diese werde ich heute mal mit dem Equi Sense begleiten.

Auch Ginny hatte eine Top Einheit ohne Teufelchen Allüren, die irgendwie immer noch in ihr schlummern. Aber das kennen wir ja inzwischen, keiner regt sich mehr drüber auf und keiner hat Angst vor ihren kleinen Aussetzern. Da sie gesundheitlich in top Verfassung ist, kann ich über die kleinen Überbleibsel aus schlechten Zeiten inzwischen schmunzeln, frage sie ab und an mal, ob das jetzt wirklich ihr Ernst ist, und reite darüber hinweg. Das ist eben das Problem, wenn mal was schief lief im Leben eines Pferdes. Man bekommt Sachen, die sie sich mal ( aus welchem Grund auch immer) angewöhnt haben, nie wieder ganz aus dem Pferd raus. Ein bisschen was, wird immer bleiben. Aber bei Ginny sind die Teufelchen-Attacken inzwischen überschaubar und somit stören sie uns fast nicht mehr.

Auch mit Ginnys Aufzeichnung konnte ich heute total zufrieden sein. Vor allem hatten wir heute mal die Werte für alle drei Gangarten im Gleichmaß und haben sehr viel am Trab gearbeitet. Da Ginny sich im Galopp sehr viel besser arbeiten lässt der Trab ihr oft noch schwer fällt versuchen wir uns immer wieder an den Trab ranzuarbeiten. Das geht aber eben nur, wenn sie gut über den Rücken geht und den Trab auch tragen kann. Heute war das echt gut, aber ihr seht an den Zeiten, man reitet irgendwie weniger als man denkt, geritten zu sein. 10 min Trab und 7 min. Galopp ist ja nicht viel, aber bei 30° als Trainingseinheit völlig ausreichend.

So, für mich ist es Zeit die Reithose auszuziehen und es geht mit den Physiopferden weiter. Ich versuche das immer ein bisschen einzuteilen, dass ich einen Block mit Reiten machen und danach den Physioblock oder andersrum. Immer funktioniert das natürlich nicht, aber wenn, dann ist das eine gute Wahl. Die Reithosen sind nämlich eigentlich auch zu schade, um damit auf dem Boden zu knien und so, da ist man mit einer Jeans und bequemen Schuhen doch besser bedient.

https://www.pferdephysio-kaupp.de/physiotherapie/

Zur Physio kommt heute Sabo, der vom Dressurpferd zum Voltipferd ausgebildet wird und momentan in der muskulären Umbauphase ist. Als Voltipferd werden ja doch ganz andere Muskeln beansprucht, als beim Dressurreiten und die Besitzer sind sehr bemüht, ihn auf seinem Weg bestmöglich zu unterstützen. Nicht, weil er Probleme hätte, sondern, damit er erst gar keine Probleme bekommt. So habe ich das natürlich sehr gerne, wenn ich die Physiotherapie, wie man es bei menschlichen Sportlern ja auch macht, zur Trainingsunterstützung und Vorsorge anwenden kann.

Rund eineinhalb Stunden dauert eine komplette Physiobehandlung für ein Pferd.

Inzwischen ist es auch schon 18 Uhr geworden, und die Temperaturen sind so, dass die Pferde nochmal auf die Koppel können. Während diese die Abendstunden auf der Koppel geniessen, Nina arbeiten ist und ich hier warten muss, bis ich alle wieder reinholen kann, kann ich mich an den Laptop setzen und die Thermografiebilder von heute morgen auswerten.

Um 20 Uhr ist dann auch dieser Tag beendet, der insgesamt einfach gut lief. Alle Pferde waren top drauf, das Zeitmanagement hat gepasst, das Wetter war gut. So sieht dann einer der guten Tage im Pferdewirtphysioleben aus.

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