Der frühe Vogel fängt den Wurm, oder wie war das? Das passt in diesem Jahr nicht zu uns.

Wir haben dieses Jahr die Würmer den anderen überlassen, und haben tatsächlich erst jetzt unsere Turniersaison 2019, die im gesamten sehr überschaubar bleiben wird, gestartet.

Aber das Turnier in Gechingen hatte ich mir als Start für die Minis ausgesucht. Das letzte Turnier, als ich mit Toni wieder nach Hause gefahren bin, wollen wir mal vergessen, das gab es nicht.

Wenn ihr meine Instagramstorys verfolgt, habt ihr ja schon immer mal wieder ein paar Trainingseindrücke bekommen. Vor allem am Feiertag hatte ich euch ja einen ganzen Tag mitgenommen.

Meine Arbeit im Team Kaupp besteht daraus, unsere Nachwuchsreiter fit für ihre ersten Prüfungen zu machen, denn wenn das keiner macht, dann werden unsere Top-Trainier eben leider auch keinen Nachwuchs fürs große Viereck oder den Parcours bekommen.

Ich selbst liebe diese Arbeit.

Meine Mädels sind allesamt motiviert, ohne übermotiviert zu sein, man merkt Woche für Woche Fortschritte und alles macht irgendwie noch Spaß. Der erste beendete Parcours, die erste Schleife, egal welche Farbe, das Zusammensein mit den anderen, das gemeinsame Sattelzeug putzen und die Aufregung vor dem Turnier. Das sich gegenseitige Trösten und die ehrliche Freude für den anderen, wenn es gut war. Das alles macht Spaß.

Bei uns darf auch jeder mitspielen, jeder so wie er kann. Unsere Pferde sind alle wie sie im Stall stehen nicht perfekt. Sie sind auch meist nicht speziell für eine Prüfungsform gekauft, sondern sie sind uns alle irgendwie zugelaufen, gehören zur Familie und leisten das, was sie leisten können, die meisten davon im kleinen sportlichen Bereich, dafür aber in verschiedenen Sparten. Wir haben keine Dressurspezialisten, aber wir haben tolle Allrounder, mit denen man Dressur reiten kann, Springen kann und auch mal ins Gelände bummelt.

Die Pferde bekommen natürlich alle mit ihren Spezialitäten und Problemchen, mit ihren Talenten und vielleicht, sagen wir mal, Schwierigkeiten, die bestmögliche Betreuung, bei der ich über Physio, Beritt, Doppellonge oder einfach mal ein freundliches Wort, meinen Anteil haben darf.

Jetzt aber zum Turnier.

Auch heute hatten wir zwei Premieren dabei. Dazu komme ich aber gleich.

Den ersten Start des Tages hatten Toni und Chica, die im letzten Jahr den Sprung von der E in die A-Dressur gewagt haben.

Toni und Chica ritten eine gute Prüfung, auch wenn Toni ordentlich arbeiten musste, um Chica davon zu überzeugen, dass in Viereckecken keine pferdeerschreckenden Gespenster sitzen. Das hat sie aber gut hinbekommen und so stand eine 6,5 auf der Notentafel. Die hat bis zum letzten Starter noch in die Platzierung gereicht, aber wie das manchmal so ist, war der letzte noch besser und so wurden sie Reserve 1, also denkbar knapp an ihrer ersten A-Platzierung vorbei.

Schade irgendwie, aber tolle Leistung, für die Beiden.

Nachdem damit für Toni das eigene Reiten schon beendet war und ihre Mama mit Chica zum Grasen wanderte, galt es für Toni den anderen, kleineren zu helfen. Satteln, abreiten, gut zusprechen, und vieles mehr war angesagt.

Denn nun stand der Springreiterwettbewerb an.

Für Amelie und Chealsy und auch für Jule und Lynn sollte das beides der erste Auswärtsturnierstart sein, für die 7-jährige Lynn der erste Turnierstart überhaupt. Und dann gleich im Parcours. Das war sportlich aber machbar.

Amelie und Chealsy waren als erstes dran. Den kleinen Sportmops Chealsy darf man nicht unterschätzen. Viele Jahre war sie Schulpony im Reitverein und ihr könnt mir glauben, die kennt alle Tricks.

Chealsy war durchaus bekannt dafür, ihre Reiter sehr schnell loszuwerden, wenn ihr etwas nicht gefallen hat, aber andersrum auch, ein tolles Lehrpony zu sein, wenn sie ihren Reiter mochte. Nicht umsonst haben auch schon Merit und Antonia auf Chealsy im Schulbetrieb das Reiten gelernt.

Nun also sitzt Amelie in ihrem Sattel.

Seit ca. einem Jahr entwickeln sich die beiden kontinuierlich weiter, wir bekommen so langsam, das durch viele Krankheiten und Unwohlsein entstandene Übergewicht in den Griff, weswegen Chealsy bei uns auch liebevoll Sportmops genannt wird.

Auf diesem Turnier war übrigens der Springreiterwettbewerb so aufgebaut, wie ich mir das wünsche und wie ich das auch gewöhnt bin.

Der große Platz mit Sandboden bietet ja grundsätzlich schon mal beste Bedingungen, aber trotzdem muss der Parcourschef die eben auch noch nützen. Und das hat er getan. 5 Hindernisse auf gut zu reitenden, logischen Linien, die Abfrage von Handwechsel und eine für den Springreiterwettbewerb angebrachte Höhe. Dazu noch eine freundliche Richterin, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt und die aufgeregten Kinder sicher durch ihre Prüfung leitet.

Danke an dieser Stelle dafür. So hätte ich das gerne immer.

Amelie ritt eine gute Gruppenaufgabe. Trab, Galopp auf beiden Händen und Chealsy war brav. Gruppengalopp kennt sie ja auch aus dem Schulbetrieb, das ist das, wo oft alle Ponys gleichzeitig durchstarten und man danach die Reiterlein wieder aufsammeln muss. Aber nichts dergleichen. Konzentriert und ehrgeizig waren die beiden. Das sah gut aus.

Dann gings es mit dem Parcours los.

Trabstangen kein Problem. Große Linie ein Kreuz mit Vorlegestange aus dem Trab, auch kein Problem.

Dann ging es im Galopp weiter auf einen kleinen grünen Steil. Den fand Chealsy komisch. Amelie war überrascht, weil Chealsy zuhause nichts komisch findet. Egal, was da steht. Normalerweise muss man vor dem Sprung eher bremsen. Heute war das anders und so schnell umzuschalten, auch das muss man erst lernen. Turniersituation ist halt doch manchmal anders als zuhause.

Und so stoppte Chealsy dreimal am grünen Steil und der Springreiter war beendet. Kurze Enttäuschung und Verwunderung bei Amelie, aber beim Ausritt aus dem Parcours standen schon Schwester Pia und Toni bereit, nahmen sie in Empfang, trösten kurz und schon war die Welt wieder in Ordnung. Auch das passiert, das gehört dazu und für die Zukunft wissen wir, dass Amelie auf dem Turnier noch nicht vertrauen darf, sondern Chealsy mehr unterstützen muss.

Während die Mädels Chealsy versorgten, saß schon Jule zum abreiten bereit auf Lynn. Wie würde das wohl werden?

Gute Frage, wir wussten es nicht. Es hatte sich einfach nie ergeben dass Lynn mal mit mir oder Mama Catherine aufs Turnier fährt. Und so war es der erste Turnierstart überhaupt für die große braune Stute, und was soll ich sagen. Sie war entspannt. Tiefenentspannt.

Der riesige Grasabreiteplatz. So etwas hatte sie noch nie gesehen. Ihr wisst ja, ausreiten und so ist in Leonberg schwierig. Die meisten Pferde kennen nur unsere Reitplätze und immer dieselben Feldwege.

Das war Lynn egal. Sie zog brav ihre Runden auf dem Abreiteplatz. Wie am Schnürchen. Eine wie die andere. Immer im selben Tempo. Sie hätte das ausnützen können. Einfach mal durchstarten, ihre langen Beine benützen und Vollgas. Jule hätte keine Chance gehabt, bei dem 170-Brecher. Aber das war gar nicht ihr Plan. Sie war da, bei Jule, konzentriert und so brav.

Wir waren schon ein kleines bisschen stolz auf sie. Sie, mit der wir so viel Aufbauarbeit machen müssen, weil ihr die Natur nicht die allerbesten Voraussetzungen mitgegeben hat. Sie, die aber anscheinend nun auch dankbar ist, für alles, was man die letzten drei Jahre mit ihr gemacht hat.

Das ist Emotion pur. Da stehen viele Bereiter-Besitzer Gespräche davor, viele Strategien, wie man ihr helfen kann, viele Therapien und Hilfen und nun läuft sie da Runde um Runde mit dem Kind im Kreis, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Danke dafür- Lynn, du und dein Charakter sind all unsere Mühen wert.

Und dann ging es für die Beiden in den Parcours. Wir konnten nicht mehr helfen. Nur noch schauen.

Jule war glaub von uns allen am wenigsten aufgeregt. Abgeklärt und routiniert, woher auch immer sie das hat, zeigte sie Lynn erstmal alle Sprünge und sortierte sich dann in die Abteilung an zweiter Stelle ein.

Nun sollte es losgehen. Antraben, auf dem Zirkel geritten. Aber das erste Pferd wollte nicht. Das war ihm zu gefährlich da. Anfangs blieb Jule noch dahinter und wartete ab, als aber klar war, dass so die Abteilung nicht in Schwung kommt, übernahmen sie mal kurz den Anfang. Ja, mit Lynn, die ist ja auch erfahren, 😉 die kann gut voraus gehen.

Hat sie gemacht, als hätte sie noch nie war anderes gemacht. Catherine und ich tauschten am Rand nur Blicke aus. Coole Socke.

Die Gruppenaufgabe war gut. Dann gings an den Parcours. Lynn wollte. Jule war durch Amelies ausscheiden vorher gewappnet, dass es auf dem Turnier vielleicht doch nicht geht und war am In-Out aus dem Trab ein bisschen zu lang im Sattel. Aber besser als ein Stop, über den Lynn nicht im Traum nachdachte. So war das eine schöne Runde, die mit 6,8 zum dritten Platz reichte.

Damit standen wir gleich vor der nächsten Premiere. Siegerehrung. Und das auf dem riesigen Platz. Mit Musik, mit Klatschen. Und Jule? Cool. Und Lynn? Abgeklärt. Wahrscheinlich war die in ihrem vorherigen Leben schon Turnierpferd. So muss es sein. Anders kann ich es mir nicht erklären, wie lässig sie das alles nimmt. Und ganz ehrlich. Lynn gehört eigentlich nicht zu den tiefenentspannten Schlafmützen, das sollten wir nachher beim Verladen noch erleben dürfen. Die Dame kann nämlich auch anders.

Und da wir das wissen, war das alles umso mehr Wert.

So, die erste Schleife des Tages war gesichert, und Lynn bekam ihre obligatorische Bemer-Behandlung, die wir natürlich auch auf dem Turnier mit ihr machen. Lynn bemert tatsächlich jeden Tag. Und das tut ihr gut. Das fährt sie runter. Den Bemer drauf und Lynn schläft. Das ist gut für sie und gibt einerseits Ruhe, anderseits Kraft für neue Aufgaben. Und so ein Turniertag ist schon eine Aufgabe für so ein unerfahrenes Pferd, auch, wenn die Prüfungen an sich noch nicht schwer sind, aber das Ganze drumrum muss auch erstmal verarbeitet werden. Das macht sie unter ihrem Bemer.

Die Manschette dazu, die sie normalerweise am Hals trägt musste sie aber mir ausleihen, da ich mir am Morgen den Ellbogen verdreht hatte und bewegungsunfähig war. Der musste natürlich auch gebemert haben und siehe da, heute geht es schon wieder einwandfrei. Gut, wenn man ausgestattet ist.

Die Hälfte des Tages war geschafft.

Nun ging es wieder ins Dressurviereck. Erst für Jule und Lynn. Wir waren vorsichtig und hatten erstmal einen Reiterwettbewerb genannt. Wir wussten ja nicht, ob sie im Viereck außenrum läuft oder Gespenster sieht und wollten, dass sie ihr Turnierdebüt mit einer guten Erfahrung beginnt. Zur Not hätte sie im Reiterwettbewerb hinter den anderen Pferden herlaufen können und gemerkt, dass nichts passiert.

Aber da war nichts. Keine Gespenster, die waren nach Chica wohl nochmal schlafen gegangen. Und so war auch das eine runde Sache für die Beiden, die sie mit einem zweiten Platz beenden konnten.

Zwei Starts, zwei Schleifen, was will man mehr.

Für uns blieb keine Zeit zum Atmen. Während Lynn Richtung Hänger ging, kamen schon Amelie und Chealsy in Begleitung von Pia und Antonia am Viereck an. So sieht Teamwork aus. Alles läuft.

In dieser Prüfung hatten wir leider ein bisschen Chaos. Erst ging es mit Verspätung los, und Chealys musste rumstehen. Das ging ja noch. Aber dann standen einige Reiter auf der Tafel und kamen dann doch nicht. Das ist blöd für die, die sich zeitgenau auf eine Prüfung vorbereiten wollen. Praktisch minütlich änderte sich die Startzeit. Es ging, von ohoh, wir müssen uns beeilen, über ach ne, doch nicht, macht langsam, dann wieder beeilen und so waren wir nicht on point, als wir dann ins Viereck mussten.

Trotzdem haben es die beiden gut gemacht, wenn wir es auch mit besserer Vorbereitung besser können hätten. Aber wir wollen nicht meckern. Die beste Note des Tages, eine 7,0, war für Amelie und Chealsy der Abschluss des Team Kaupp Turniertages und mit einem 4. Platz ging es für alle nach Hause, wo sie noch ihre wohlverdiente Koppel genießen durften.

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