Eigentlich sollte so ein Beitrag ja gar nicht notwendig sein. Jeder von uns hat gelernt, wie man ein Pferd korrekt sattelt, also theoretisch weiß das jeder.

Aber wie ihr wisst, bin ich ja auch als Reitlehrer in einem großen Reitverein tätig und sehe jeden Tag viele gesattelte Pferde an mir vorbeilaufen und kann es nicht lassen, meinen Blick über das Zubehör schweifen zu lassen.

Oft sind es Kleinigkeiten, die man eigentlich weiß, aber im Alltag nicht mehr so ganz genau beachtet, die aber fürs Pferd sehr unangenehm sein können.

Um es in Bildern zu erklären: ” Jeder kennt das Gefühl, irgendetwas anzuhaben, was zwickt”. In dem Momemt könnt ihr euch nicht mehr auf das konzentrieren, was ihr eigentlich tun wollt, sondern fokussiert euch nur noch auf diese unangenehm zwickende Stelle. So richtig arbeiten und euch konzentrieren könnt ihr euch erst, wenn das Problem behoben ist.

Genauso geht es den Pferden auch, nur, dass man zwar oft merkt, dass “der heute irgendwie komisch ist”, aber nicht nach der Ursache sucht. Oder aber das ist immer so, dann gewöhnt sich das Pferd zwar dran, aber wird Kompensatitionen und Verspannungen entwickeln, die sich weitreichend weiterziehen können.

Am Ende kann es sein, dass ihr irgendwo ein Problem habt, dass sich einmal quer durchs Pferde geearbeitet hat, ihr aber gar nicht versteht, dass es aus einer Kleinigkeit entstanden ist und damit vermeidbar gewesen wäre.

Fürs Erste habe ich nur mal ein paar schnelle Detailbilder gemacht. Die sollen einfach zeigen, wie es aussehen sollte. Wenn euch dieser Beitrag gefällt, kann ich das ganze auch noch ausführlicher machen, da das Zubehör sich ja ganz schön vielseitig gestaltet.

Also gebt mir ein Feedback, wenn ihr das hier gut findet, dann werde ich einzelne, präzise Beiträge zu den Themen, Beinschutz, Sattel, Trense, Longiergurte, Decken und so weiter machen.

Bis dahin erstmal viel Spaß mit den Detailbildern und der Suche zuhause, ob es bei euch vielleicht Optimierungsbedarf gibt.

Viele Trensen haben ein Kinnpolster. Das hängt aber gerne irgendwo.

Wichtig wäre darauf zu achten, dass dieses auch wirklich beide Knochen, die am Unterkiefer liegen bedeckt und vor allem das Fell zwischen Kinnpolster und Nasenriemen nicht einklemmt.

Wenn ihr ein anatomisch geformtes Genickstück habt, was inzwischen sehr viele Trensen haben, dann achtet bitte drauf, dass das auch tatsächlich mittig liegt, da es sonst die Bewegung der Ohren behindert und drückt.

Die Ohren des Pferdes ( auch wichtig, wenn ihr ein Ohrenkäppi drauf macht) sollen immer frei beweglich sein.

Auch das Stirnband muss so gewählt sein, dass es nicht klemmt. Zu kleine Stirnbänder ziehen das Genickstück nach vorne und das Pferd bekommt unangenehmen Druck. Achtet auch drauf, dass es unterhalb vom Ohr aber oberhalb der Kiefergelenkes ( Knochenvorsprung) liegt. Zu kleine Stirnbänder können auch die Backenstücke und das Reithalfter zu weit nach vorne in Richtung Auge ziehen, was genauso unangenehm ist.

Die Schnalle der Backenstücke sollte nicht auf dem Kiefergelenk liegen ( also praktisch nicht dirket unter dem Stirnband) und weit genug entfernt vom Auge sein. Noch wichtiger wird dieser Punkt, wenn man eine Kombinierte Trense drauf hat, die an dieser Stelle zwei Schnallen hat oder gar eine Kandare.

Der Riemen des Reithalfters liegt unterhalb des Jochbeins (hier ist der lange Weg des Jochbeins gemeint). Je nachdem wie euer Pferdekopf geformt ist, kann es sein, dass der Riemen auf dem Jochbein liegt und dort drückt. Dann ist der obere Teil des Nasenriemens zu kurz, bzw. müsst ihr ein Reithalfter suchen, bei dem die Backenstücke tiefer angesetzt sind.

Der Nasenriemen liegt optimalerweise 2 Fingerbreit unter dem Jochbein (am unteren Ende), muss aber auch genügend Platz zum Gebiss lassen, damit man beim Annehmen des Zügels hier keine Hautfalte einklemmt. Bei Pferden mit langer Maulspalte kann das mal eng werden. In dem Fall würde ich das Reithalfter minimal höher verschnallen und dort Platz zu schaffen.

Beim Schliessen des Reithalfters und des Kinnriemens müsst ihr aufpassen, dass ihr nicht die teilweise sehr langen Tasthaare am Auge und des Mauls des Pferdes in die Trense einklemmt.

Das der Nasenriemen mit 2 Finger Luft auf dem Nasenrücken verschnallt und nicht festgezurrt wird, brauche ich hier wahrscheinlich nicht erwähnen, das weiß jeder. Der Grund aber, warum das so ist, ist simpel. Da wo der Nasenriemen liegt, treten die Gesichtsnerven aus und wenn ihr den festschnallt, werden diese gequetscht und das kann extreme Schmerzen bereiten. Ebenso soll das Pferd ja beim Reiten abkauen können und fein auf die Zügelhilfen reagieren. Wenn der Kiefer aber zugequetscht ist, kann und will das Pferd nicht mehr kauen und wird sich “tot ” stellen. Eine feine Reaktion auf Zügelhilfen ist dann nicht mehr zu erwarten.

Ich bin im übrigen ein Freund des Kinnriemens ( auch wenn hier jetzt gerade keiner dran ist), vorausgesetzt, er ist korrekt verschnallt.

Das Gebiss liegt nicht zu hoch oder tief im Maul. Die Grundregel ist, dass man 1-2 Falten am Maulwinkel sieht. Viele verschnallen, weil sie es gut meinen und keine Falten haben wollen, das Gebiss zu tief, dann liegt es aber nicht mehr optimal im Maul.

Das Gebiss sollte auch nicht zu dick sein, da durch die Zunge gar nicht so viel Platz im Maul ist und ein zu dicker Lutscher eher unangenehm für das Pferd ist.

Und last but not least zur Trense.

Das Gebiss schaut bei einem Durchlaufenden Ring rechts und links etwas aus dem Maul, so dass der Ring nicht das Maul einklemmt und in die Laufbahn des Ringes keine Hautfalten eingezogen werden können. Das Gebiss muss sich im Ring frei bewegen können.

Bei seitlich begrenzten Gebissen ( Olivenkopf / D-Trense / Schenkeltrense ) sollte das Gebiss etwas enger am Maul sitzen.

Ihr seht, das war jetzt nur eine Trense. Und es gibt so viel zu beachten.

Weiter geht es mit dem Sattel.

Und hier beginne ich mit der Schabracke ( Satteldecken sieht man ja kaum noch)

Schabracken gibt es in allen Preiskategorien.

Aber was rechtfertigt den höheren Preis, wenn es doch anscheinend auch billig geht?

Das ist ganz einfach. Die meisten hochwertigen Schabracken sind im Widerristbereich anatomisch geformt. Jeder weiss, dass man eine Schabracke auskammern soll, wenn man das Pferd sattelt. Viele Billigschabracken haben aber diese Form nicht und ziehen sich, sobald das Pferd sich in Bewegung setzt auf den Widerrist. Dieser Rand drückt dann die ganze Zeit auf den Widerrist und lässt keine Bewegung der Dornfortsätze mehr zu. Wenn ein Pferd aber z.B. in eine Wendung geht rotieren die Dornfortsätze mit und deshalb ist es nicht nur wichtig, dass natürlich der Sattel hier optimal passt, sondern eben auch die Schabracke diese Bewegung zu lässt. Und zwar nicht nur im Stand auf der Stallgasse, sondern eben auch in Bewegung.


Ebenso wichtig ist, dass die Schabracke groß genug ist und vorne, hinten und unten über den Sattel schaut da sonst der Sattel auf die Kanten drückt.

Ganz wichtig ist das auch bei Lammfell mit Fellrand oben drauf. Der Sattel soll innerhalb des Fellrandes liegen und nicht auf der Kante.

Der nächste Punkt, der für eine hochwertige Schabracke spricht, ist die Stabilität. Viele günstige sind wabbelig und weich. Die Gefahr, das die sich unter dem Sattel verzieht und Falten wirft ist sehr wahrscheinlich. Besser ist eine stabile Schabracke, die auch in Bewegung ihre Form hält und nicht verrutscht.

Die Gurtschlaufen sollten ohne ziehen und zuppeln durch die Schlaufe an der Schabracke laufen können. Nochmal zur Wiederholung. Die Schabracke ist ausgekammert, was diese schon von alleine vorgibt. Sie schaut vorne, hinten und unten etwas über den Sattel, damit der Sattel nicht auf den Kanten liegt. Sie liegt flach und ohne Falten am Pferd. Am hinteren Rand sieht man hier auch schön, dass der Wirbelkanal ( der unter dem Sattel entlang läuft ) frei ist, denn auch hier sind natürlich Dornfortsätze, die sich bewegen wollen.

Schabracke anatomisch geformt. Der Wirbelkanal ist frei.

Und als letztes Detail für heute kommt noch der Gurt.

Ich muss immer schmunzeln, wenn ich die Sättel sehe ( teilweise Maßsättel für sehr viel Geld und dann kommt ein zu kurzer Billiggurt dran) Ganz ehrlich, da kommt es dann auch nicht mehr drauf an und der Gurt ist einfach wichtig.

Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie unangenehm es sich anfühlen muss, wenn ein sehr schmaler Gurt den Sattel hält, der praktisch dauerhaft einschneidet.

Das Problem an zu kurzen Gurten ist, ,das sie gerne mit ihren Schnallen am Ellbogen anstoßen. Jeder von uns hat sich schon mal das kleine Knöchelchen am Ellbogen angehauen und weiss, wie schmerzhaft das ist. Genauso geht es dem Pferd, wenn bei jeder Bewegung des Ellbogens dieser an die Schnalle des Gurtes stößt. Ihr könnt mir folgen? Probiert es bei euch selbst mal aus.

In diesem Sinne, auch hier macht ein hochwertiger, bequemer Gurt absolut Sinn, denn euer Pferd wird damit einfach zufriedener laufen. Welche Form man wählt, hängt auch mit der Körperform des Pferdes zusammen. Hier gibt es keine Pauschalisierung. Es muss zum Pferd passen.

In diesem Falle hier bei Ginny fiel die Wahl auf den Equi-Soft- Gurt von Stübben, der für Ginny perfekt ist, aber auch hier müsst ihr schauen, ob euer Pferd die schmalen Strippen verträgt oder lieber einen bis nach oben geschlossen gepolsterten Gurt braucht. Für uns ist dieser optimal, aber ihr müsst das für euer Pferd probieren.

Und was noch wichtig ist: Achtet drauf, dass die Polsterung der Schnallen auch tatsächlich unter den Schnallen liegt und nicht verrutscht, da sonst die Kanten der Schnallen ans Pferd drücken.

Ich weiss, das alles hört sich hier nach Kleinkramklauberei an, aber wenn ihr mal beobachtet habt, wie empfindlich ein Pferd ist, wenn zum Beispiel nur eine Fliege auf dem Fell sitzt, dann könnt ihr nachvollziehen, wie unangenehm solche fiesen Druckspitzen sein können.

So, für heute war das wieder genug geschrieben. Wenn euch das Thema interessiert können wir das noch endlos weiterverfolgen, es gibt ja noch sehr viel mehr Zubehör, das man ans Pferd schnallt und alles, was man benützt, kann man natürlich auch falsch benützen.

Für heute sollte das aber erst mal reichen.

In diesem Sinne, viel Spaß bei eurer nächsten Reitstunde und achtet mal auf die Kleinigkeiten.

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