Das beste Jahr aus Sicht unserer Pferde hatte wohl Ginny Gibson.

Wer hätte das gedacht, dass ausgerechnet unser Sorgenkind, die immer nur so ein bisschen als Spiel,- und Freizeitpferd neben den beiden Jungs hergelaufen ist, sich zu dem Pferd entwickelt, das uns am meisten zum Staunen bringt.

Aber um die Freude über 2018 mit euch zu teilen, muss ich ein bisschen in die Vergangenheit ausholen, sonst wird keiner hier verstehen, warum ich mich über die vielen kleinen Erfolge, die für andere völlig normal und nicht weiter erwähnenswert sind, so freue.

Es ist ja nichts Neues, das Ginny aus jeglichen ehrgeizigen Anforderungen völlig raus war.

Nach zu vielen Rückschlägen mit ihr waren wir nur noch froh um jeden Tag, den es ihr einigermaßen gut ging, immer noch mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass der gute Zustand sowieso nicht lange anhalten wird und dass man bei allem, was man tut, vorsichtig sein muss, um sie einerseits zu fordern, andererseits nicht zu überfordern.

Gesundheitlich und nervlich.

Auch leistungsmäßig war sie völlig raus.

Wir hatten uns damit abgefunden, dass sie keine zum draufsitzen und losreiten ist.

Keine, mit der man einen Plan für heute hat und das trainiert, was man sich vorgenommen hat.

Nein, Ginny war eine, zu der kam man, hat sie aus dem Stall geholt und hat geschaut, was der Tag bringt.

Manche Tage liefen ja schon ganz gut, manche eben nicht, das war normal und in Ordnung für uns.

Ich habe Nina gesagt, sie soll sich damit abfinden, dass Ginny kein Reitpferd wird, sondern eben mein Freizeitpferd.

Ich muss nicht unbedingt aufs Turnier, ich mach das, wenns reinpasst und das Pferd das anbietet und wenn nicht, dann halt auch nicht.

Aber auch das Leben als Freitzeitpferd ist nicht einfach, wenn man keinen Spaß am Geländereiten, am Freilaufen, am Longieren und sonstigen Aktivitäten hat.  Die Freizeit beschränkte sich darauf auf den ihr bekannten Plätzen Dressur zu reiten, immer auf dem Level eines 5-jährigen.

Die Einheiten bestanden daraus, sie ein bisschen in Gang zu bekommen, sie jeden Tag aufs Neue zu überzeugen, dass sie sich bewegen kann, wenn sie nur will.  Nicht bewegen oder nur auf die Koppel stellen, ging eben auch nicht, weil man da fast zuschauen konnte, wie die Muskulatur fester wurde und Ginny immer noch mehr die Freude an der Bewegung verlor.

Das Geheimnis war sie jeden Tag in Bewegung zu bringen und ihr zu zeigen, dass Bewegung Spaß macht. Das hat sie auch zum Ende hin immer genauso gesehen, aber der Weg dahin war jeden Tag wieder zäh, da es nicht von ihr selbst kam.

Aber wir waren uns sicher, dass das der einzige Weg ist, den man mit ihr gehen kann, abgesehen von der Option  einfach aufzugeben, die zwar schon immer im Raum schwebte, wir sie aber zum Glück nie umgesetzt haben.

Und so hatten wir das ja alles ganz gut im Griff. Die Nerven ( meistens), die Gesundheit ( immer öfter) und die Launen der gnädigen Dame.

Witzigerweise war sie auf dem Turnier immer anders als zuhause.

Da war Zug drin, da ging sie von selbst vorwärts und das Gefühl der Mitarbeit, das wir zuhause oft vergeblich suchten, war auf dem Turnier da. In der Dressur halt. Im Springen nicht, da spielten die Nerven nicht mit.

Aber die Dressuren, die sie schon 2017 auf dem Turnier gelaufen war, waren es, die uns bei der Stange hielten. Nicht, weil wir unbedingt Dressur auf dem Turnier reiten wollten, aber weil wir hier immer das fühlen durften, was dieses Pferd eigentlich kann, wenn es denn von ihr selbst kommt.

Wir merkten immer wieder, dass sie eigentlich schon könnte, man nur noch nicht die richtigen Knöpfe gefunden hatte, das regelmäßig so abzufragen, dass ein vernünftig aufgebautes Training draus wird.

 

Die Mischung machte es einfach bei ihr. Ein bisschen Aufregung, die ein Turnier mitbringt, steigerte ihre Motivation deutlich und das tat ihr auch gut. Sie war nach einem Turnier immer wach, freundlich und motiviert.

Der Grad war aber schmal.

Ein bisschen zuviel Aufregung und alles schlug wieder ins Gegenteil um.

Zuwenig Aufregung und sie wollte gar nichts mehr machen, außer schlafen.

Es war also ein ständiges Ausloten, wieviel Spannung sie brauchte, um zu wachsen und sich zu entwickeln und wann der Bogen nur ein kleines bisschen zuviel gespannt war.

Aber genug ausgeholt, das Jahr 2018 kam und mit ihm auch Ginny

Natürlich merkt man das nicht gleich, dass es so gut werden wird.

In der Gegenwart hat man natürlich gute und schlechte Tage, aber in der Summe, und im Verlauf des Jahres stellte sich mehr und mehr das Gefühl ein, dass hier irgendetwas richtig läuft.

Und deshalb freue ich mich drauf, euch diesen Rückblick jetzt aufzuschreiben.

Wie ihr es von uns gewöhnt seid, erzähle ich euch ehrlich, wie es läuft. Schließlich wissen wir allen, dass es Ostwind und Co. nur im Fernsehen gibt, die Realität anders aussieht, wir aber eben nunmal in der Realität leben.

Und so gibt es natürlich auch von Ginny und uns gute und schlechte Bilder, wobei man diese eben nicht isoliert sehen darf, sondern immer in der Summe dessen, was nach einem schlechten Bild passiert ist und dass man auch mal in die Konfrontation gehen muss und darf, wie das bei uns im menschlichen Leben eben auch so ist.

Deshalb gibt es auch hier Bilder auf denen Ginny “dagegen” ist, gerade weil eben auch das zum Leben dazugehört, bei uns genauso wie bei jedem anderen von euch.

Die Frage ist ja immer, was man aus dem “dagegen” macht. Kann sie nicht, oder will sie nicht, muss man mal über einen Punkt drüber und danach wird es besser oder schadet es ihr?

Wir Menschen müssen uns ja auch oft überwinden und sind dann doch froh, wenn wir etwas geschafft haben, an das wir nicht geglaubt hätten.

So ist das bei Ginny auch. Ihr könnt euch sicher sein, dass wir bei allem, was wir mit ihr machen, sensibel genug sind, um eine Situation zu beenden, wenn man das Gefühl hat, man kommt hier nicht mehr raus und es schadet dem Pferd.

 

So genug erklärt und gerechtfertigt, jetzt geht es mit dem Januar los

der noch sehr unspektakulär war. Das Leben bestand im großen und Ganzen daraus, im der Halle rumzureiten, Ginnys Motivation zu suchen und zu finden und das mit möglichst vielfältigen Möglichkeiten.

Freilaufen gehörte genauso dazu wie vorsichtiges Dressurreiten und ganz viel Stangenarbeit.

Die Mischung fand sie gut.

Vor allem die Stangenarbeit, die sie lange verabscheut hatte, begann ihr sehr viel Spaß zu machen und man merkte, wie sie mit unseren Cavalettispielereien immer aufmerksamer wurde und irgendwann von alleine begann mitzuarbeiten.

Da war es, das Gefühl, das wir suchten, die Mitarbeit ihrerseits.

Also gehörten Stangen ab sofort mindestens 3x in der Woche zum Programm.

Die ständige Wiederholung mit den Stangen zahlte sich schnell aus

und einerseits sank Ginnys Hemmschwelle, die sie gegenüber den bunten Dingern immer noch hatte und sie begann damit zu spielen. Immer weniger Überzeugungskraft war notwendig, so eine gefährliche Hürde einer am Boden liegenden Stange zu überwinden, oder gar mehrerer hintereinander und immer mehr merkte man Ginny an, dass sie an Selbstsicherheit gewann.

Das machte sich auch im Dressurreiten bemerkbar.

So ein kombiniertes Stangen,- Dressurtraining brachte uns schon fast an das Reitgefühl, das wir vom Turnier kannten.

Und dann irgendwann fing sie an zu bocken

das war so eins der ersten AHA-Erlebnisse in diesem Jahr.

Der Hintergrund dazu ist, das Ginny auch im Freilaufen nicht so richtig wild war. Immer vorsichtig, immer ein bisschen klemmig, musste man sie auch hier überreden, sich mal frei zu bewegen. Ohne Flatterbandpeitsche war daran nicht zu denken.

Und dann kam Ginny. Wach und munter.

Ihr könnt euch wahrscheinlich nicht vorstellen, wie es ist, wenn das Pferd plötzlich wieder einfach losbockt. Einfach Spaß an der Bewegung hat und gar nicht mehr aufhören will.

Wenn man es nicht selbst erlebt hat, dass es auch anders geht, ist es auch nicht diese Freude wert, ist ja eigentlich normal.

Bei Ginny war es aber durchaus ein Grund zur Freude und wieder ein Schritt voran, vor allem weil sie das seitdem oft gemacht hat. Einfach mal bocken, einfach mal leben und rennen, bis es raucht.

 

Langsam aber sicher wurden wir mutiger

und begannen wieder Sprünge aufzubauen. Klein erstmal um ihr Mut zu machen, aber durchaus auch fordernd, indem wir gleich die guckigen Sachen mit reingebaut haben.

Es nützt uns ja nichts, wenn sie nur über Stangen springt, bei einem Gatter oder einer Planke schon 10m vorher bremst.

So haben wir mit den kleinen Sachen gearbeitet und auch hier wurde sie immer sicherer.

Auf den folgenden Bilder sieht man ganz gut unseren Weg.

Angefangen beim “Nein, das glaubst du ja wohl selbst nicht, dass ich da drüber springe” über das dranbleiben und sie bestätigen, dass sie es kann, bis hin zum Hubschrauberflug, weil das Ding ja beißen könnte und dem darauffolgenden lockeren drüberhüpfen mit gespitzten Ohren und einem zufriedenen Pferd, die mal wieder über ihren Schatten gesprungen ist.

Das sind so die Trainingstage, bei denen man anfangs denkt, ” das geht gar nicht”  und am Ende mit einem Grinsen im Gesicht die Halle verlässt, weil man so unendlich stolz auf sein Pferdchen ist.

Und so wurde die Hüpferei wieder mehr ins Programm aufgenommen.

wann immer es ging, bauten wir kleine Sprünge in die Arbeit mit ein, Cavaletti gehörten zur täglichen Arbeit.

Ginny bekam immer mehr Sicherheit und wir beschlossen, dass es doch mal wieder an der Zeit wäre sie mit auf ein Auswärtstraining zu nehmen.

Das hatten wir bisher nicht gemacht.

In so Trainings mit fremden Trainern, die Ginny nicht kennen, kann es mal schwierig werden. Du kannst ja nicht jedem erstmal erklären, dass dein Pferd, das an einer Stange völlig dichtmachen kann, mit der Zeit und und mit ein bisschen Geduld noch zu ihrer Form findet und du nur richtig anfangen musst.  Meistens wird man dann schnell als unfähig abgestempelt, weil nicht gleich alles funktioniert.

Aber wir waren zuhause soweit, dass wir es wagen konnten und die Chance sahen, dass es funktionieren könnte. Die Trainer waren eingeweiht und konnten sich so auf möglicherweise auftretende Schwierigkeiten einstellen. Zur Not hätten wir ja auch aufhören können.

Und so fuhren wir im Februar los und ritten das erste Hallengeländetraining seit langer Zeit.

Wir ließen uns in eine Anfängergruppe einteilen, damit wir genug Zeit haben und die Gruppe nicht bremsen.

Erstmal durfte sich Ginny natürlich die ganzen Sachen anschauen, die da im Weg rumstanden, aber sie war ziemlich unbeeindruckt. Und so entwickelte sich das Training in eine Richtung mit der keiner gerechnet hätte.

Wir hätten mit allem gerechnet, aber ganz sicher nicht damit, dass Ginny einfach alles macht. Alles. Ausnahmslos. Ohne zu zögern.

Das sind die Momente, in den du ganz schön blöd da stehst.

Die ganzen Ankündigungen, die ganzen Gedanken, ” was machen wir wenn…”, die Zweifel vorher, ob das wirklich richtig ist loszufahren, alles umsonst.

Ginny tat, als würde sie nie etwas anderes tun, so dass ich gleich ein Kaufangebot für sie bekam.

Das sei ja ein Traumpferdchen wurde mir gesagt.

Wenn die wüssten, wie wir um solche Momente kämpfen müssen und dann kommt sie und tut so, als wäre das alles völlig normal.

 

 

Auch Nina war die Erleichterung , die Freude über dieses Training mit dessen Verlauf keiner gerechnet hatte deutlich anzumerken und Ginny wirkte leicht verwundert, warum sich die verrückten Menschen denn so sehr freuen, sie hat doch eigentlich nur gemacht, was ihr Spaß macht.

Schade halt, dass sie das zwischendurch immer wieder vergisst.

Nach diesem Versuch wurden wir mutiger

Wir fuhren regelmäßig los mit ihr.

Mal zum Springtraining in einer fremden Halle bei dem sie auch erstmal alles gruselig fand.

Aber auch dieser Trainer wusste Bescheid  und ließ sich nicht davon beirren, dass Ginny erstmal steif und fest behauptete, sie wäre noch nie in ihrem Leben über ein Cavaletti gesprungen.

Er saß die ersten 15 Minuten aus, wie wir das ja schon lange gewöhnt sind und durfte sich dann auch darüber wundern, was da noch draus werden kann.

Und dann wollten wir mal wieder raus

Beim Geländetraining in Altensteig blieb  mir ganz kurz das Herz stehen, als der Trainer sagte: ” Jetzt galoppierst du mal hier zum Platz raus, den Berg hoch und springst über die Sprünge da oben, dann kommst du wieder hier rein”

Nie im Leben wird das funktonieren, habe ich gedacht.

Ginny und auf einer Wiese galoppieren – undenkbar.

Auf sicherem Sandboden – ok. Aber auf einer Wiese – gruselig.

Nina schaute auch etwas verwirrt, ritt aber einfach los.

Und was passierte?

Mal wieder nichts.

Ginny galoppierte aus dem Platz raus, den Berg hoch, sprang über die Häuschen und kam wieder.

Und wieder war das so ein Erlebnis mit ihr, das bei uns für Gänsehaut sorgte.

Mein Gott Mädchen, du kannst es doch….

Das Turnier, das auf dieses Training gefolgt wäre ritten wir allerdings nicht, weil wir uns so über dieses Training freuten, dass wir es uns erhalten wollten.

Ob sie die Leistung in der Stresssituation nochmal bringen könnte, oder ob es sie überfordert, war  uns zu heikel, um dieses gute Gefühl, das sie mitgenommen hatte zu riskieren.

Natürlich sind wir nicht nur gesprungen, auch das Dressurreiten profitierte vom neu gefundenen Selbstbewusstsein und der manchmal vorhandenen Leistungsbereitschaft der Dame.

Nicht immer, aber immer öfter.

Könnt ihr euch vorstellen, wie das ist, wenn man durch so ein Training immer mal wieder dran schnuppern darf, was das Pferd eigentlich mit Leichtigkeit kann, es aber eben trotzdem noch nicht immer abrufbar ist?

Das ist ein wahres Wechselbad der Gefühle.

Man weiß, dass Ginny alle könnte, sonst würde man ja schon lange nichts mehr von ihr fordern, ihr frecher Blick nach einer guten Leistung  und die positive Aufgeregtheit, die sie hat, wenn sie genau weiß, dass sie gut war, das sind die Momente, die einen immer wieder bei der Stange halten und einen dazu bringen weiter mit ihr zu trainieren.

 

Immer und immer wieder ist man in der Situation, dass sie sagt: ” Das mach ich auf gar keinen Fall”, so wie hier, als keiner eigentlich erkennen konnte, warum sie hier nicht weiterlaufen konnte.

Und dann, wenn man sich drauf geeinigt hat zu laufen, dann sieht da so aus.

Versteh einer dieses Tier.

 

Diese Situationen begleiten uns mit ihr fast täglich.

Aber wir sind es gewöhnt, wir wissen sie zu nehmen und wir wissen, wenn wir sie erstmal im Gang haben, dann ist alles gut.

Deshalb wäre es einfach immer zu schade ein Training mit ihr am Anfang aufzugeben, weil man denkt, ” das wird heute gar nichts”, weil man dann nicht erfährt, was daraus hätte werden können, wenn man nur ein bisschen Geduld hat.

Aber ein Geduldsspiel ist das natürlich schon.

Ich kann euch diese “Kann nicht -Will nicht” Situationen haufenweise dokumentieren in allen Lebenssituationen, wie hier z.B. auf dem Stoppelfeld, als sie erst wieder beschloß dass das keinen Spaß macht, sich dann aber doch nochmal umentschieden hat.

 

Und trotzdem gibt es keinen Grund zu jammern.

Wir haben gelernt, sie so zu nehmen wie sie ist.

Wir haben gelernt, dass wir Geduld haben müssen und dann Momente mit ihr erleben dürfen, die eben gerade wegen der schwierigen Phasen so unendlich wertvoll sind.

Momente, über die man sich so schön freuen kann.

Wer freut sich schon mit einem “normalen” Pferd darüber, wenn er über ein Stoppelfeld galoppiert ist.

Ist ja eigentlich normal, für Ginny eben immer wieder ein Schritt in die richtige Richtung.

Auch das Turnier in Kreuth war wieder so ein Wechselbad der Gefühle mit ihr.

Wir waren gut im Training. Zuhause war es gar kein Problem mehr. Ein kompletter Parcours in L-Höhe stellte Ginny vor kein Problem mehr. im Gegenteil, da spielte sie damit.

Auch das Auswärtstraining kurz vor dem Turnier machte Hoffnung. Ginny war motiviert und wollte springen. Die Höhe war nahezu egal.

Eigentlich war sie ja nur Dressur gemeldet, aber das Warm-Up wollten wir probieren.

Und das Warm – Up war vom feinsten.

Ginny behauptete mal wieder noch nie etwas anderes getan zu haben, als über Einhornsprünge, Wassergräben und sonstiges guckiges Zeug zu springen uns so wurden wir mutig.

Nina durfte außer Konkurrenz ein A* mitreiten.

Höhenmäßig sollte das keine Anforderung für sie sein.

Das Problem sind  ja eher ihre Nerven, wenn sie die Startglocke hört.

Und so kam es dann auch.

Top am Abreiteplatz, motiviert und fröhlich.

Dann ging es in die Prüfung.

Erster Sprung – o nee, lieber nicht

Mit Überzeugungskraft ging das dann aber doch

Zweiter Sprung -dasselbe Spiel.

Überzeugt und drüber.

Dann war der Gang drin.

Ginny lief den ersten Parcours auf dem Turnier seit langer Zeit wieder ins  Ziel. Ohne ein weiteres Zögern.

Wenns läuft, dann läufts.

Wir waren so froh und dachten, das war jetzt endlich der Knoten, der geplatzt ist.

Leider kam der Dämpfer schon am nächsten Tag, als wir dachten, das weitere A* geht jetzt wie Butter.

Ginny machte nicht mit und wir waren schon ein bisschen enttäuscht.

Aber gut, kann  man nicht ändern, den Versuch war es wert.

Mittags holte sie sich dafür noch eine Dressurplatzierung ab und war sichtlich zufrieden mit sich.

Bis hierhin hört sich unser Jahr noch gar nicht so positiv an, wie es eigentlich war.

Aber wir messen unseren Erfolg ja nicht in Turnierstarts.

Das Große und Ganze macht ja den Erfolg aus.

Auch, wenn wir es, wie in Kreuth noch nicht in die Prüfung umsetzen konnten, so wurde das Leben mit Ginny schon im ersten Halbjahr immer einfacher.

Klar, wird sie immer bleiben wie sie ist. Sie trägt ja nicht umsonst die #thedevil und #herzenspferd, weil sie eben genauso ist.

Wenn sie mitarbeitet und das will, was der Reiter auch will ist sie ein Goldstück, wenn ihr ihr Dickkopf im Weg steht, eben auch mal nicht.

Das macht sie nicht weniger liebenswert.

Schon in diesem ersten halben Jahr hatten wir so viele schöne Erlebnisse mit ihr, so viele Trainingseinheiten, die toll verliefen und das ist doch schon eine gute Grundlage und die Geduld schien sich langsam auszuzahlen, weil Ginny im zweiten Halbjahr nochmal eine Schippe drauflegte.

Man konnte ihr fast zuschauen, wie sie an ihren Aufgaben wuchs uns diese immer natürlicher wurden.

Denken wir zurück, dass wir uns Anfang des Jahres noch über das Überwinden kleiner Hindernisse und einfacher Stangenreihen gefreut haben, so war das nun Normalität.

Ginny entwickelte sich zum Springgymnastikprofessor.

Mussten wir noch vor einem halben Jahr die Abstände in Kombinationen mit Ponyausgleich gestalten, da sie sonst nicht rausgesprungen wäre, so wurden nun die Aufgaben immer schwieriger, die Abstände machten wir weiter und man merkte, wie Ginny Kraft und Routine bekam.

Das Zögern wurde immer weniger, die Mitarbeit selbstverständlicher und man sah ihr auch körperlich an, wie sie sich veränderte.

Mit einem Selbstbewusstsein, dass wir so von ihr gar nicht kennen, packt sie momentan neue Aufgaben an und ist schon deutlich beleidigt, wenn sie nicht die erste ist, die aus der Box geholt wird.

Auch, wenn wir im ersten halben Jahr noch viel über Klemmigkeit, Unlust und Ängstlichkeit weg reiten mussten, es hat sich gelohnt.

Ginny entwickelt sich gerade  in großen Schritten, hat dressurmäßig nochmal eine ganz große Schippe draufgelegt, und ist gesundheitlich top drauf.

Das alles hat eben einfach seine Zeit gedauert.

 

 

 

Das Reiten im Gelände ist inzwischen kein Problem mehr.

Hat Ginny letztes Jahr noch nicht freiwillig den Hof verlassen und war sich auf unebenem Boden so unsicher, dass sie lieber gar nicht erst antraben wollten, so geht sie jetzt sogar alleine ins Gelände, trabt und galoppiert, als gäbe es kein Morgen, hat Spaß und powert sich auch mal richtig aus.

Mit Hindernissen, insbesondere mit Gymnastikreihen, spielt  sie inzwischen und mit jedem Training merkt man wieder, wie sie sicherer wird und Spaß daran hat, jetzt mal selbst zu fühlen, was sie eigentlich alles kann, das sie selbst wahrscheinlich schon vergessen hatte.

Und das ganz besonders schöne an der Sache ist, es geht jetzt regelmäßiger. Wir haben nicht einen Höhepunkt und dann wieder vier Wochen Durststrecken, nein, es wird alles in allem gleichmäßiger, abrufbarer und dadurch einfacher.

Durch die Regelmäßigkeit merkt man natürlich auch große Fortschritte im Muskulaturaufbau, der widerum dazu führt, dass es Ginny immer leichter fällt, ihre Leistung abzurufen.

Alles in allem haben wir mit ihr das erste Jahr erlebt, in dem es stetig bergauf ging.

Kleinere Problem sind wohl immer drin, aber gegenüber dem, was wir die letzten drei Jahre mit ihr erlebt haben, von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt, war das ein Jahr, in dem es eigentlich immer aufwärts ging.

Natürlich wird sie dabei auch immer alle Unterstützung von uns bekommen, die man ihr geben kann, damit wir den Gesundheitszustand auf dem Stand halten, den wir jetzt gerade haben.

 

Ich glaube, wie dürfen sehr positiv gespannt ins neue Jahr mit ihr gehen.

Wir wissen selbst nicht, wo der Weg mit ihr hinführen wird, wir lassen uns einfach überraschen.

Im nächsten Jahr ist Ginny dann 10 Jahre alt und wir haben noch alle Zeit der Welt vor uns.

Von dem her können wir hoffentlich den schweren Start, den sie gesundheitsbedingt ins Reitpferdeleben hatte, endlich hinter uns lassen und uns auf weitere Jahre mit ihr freuen.

 

 

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