Wir sind angekommen. Im Jahr 2018.

EndlichGiiny

Am Ende zog es sich dann doch ganz schön lange hin, mein persönliches Katastrophenjahr 2017. Und eigentlich habe ich nur darauf gewartet, dass es endlich vorbei ist. Was ja jetzt nicht heißt, dass nur durch den Jahreswechsel nun alles besser wird, aber man kann ja mal ganz feste dran glauben.

Und das mit dem Glauben, ja, das hat mich das ganze Jahr hindurch begleitet. Man könnte es auch so beschreiben.

Glauben** Hoffen**Glauben**Kämpfen**und dann doch wieder eins auf die Mütze bekommen **

Schon im Januar begann das Jahr nicht so, wie es sollte. Nach meiner Metallentfernung im November 2016 sollte es jetzt eigentlich so richtig bergauf gehen. Wieder richtig reiten, mich um meine Kundschaft kümmern, alles wieder aufbauen, was in 2016 ruhen musste, sich vermehrt um die Pferde kümmern, damit Nina Zeit für ihr Abitur hat.

Aber das hat ja schon mal nicht geklappt. Das Metall war zwar draußen, die Schonfrist zur Regeneration der Muskulatur abgelaufen, die Klammern gezogen, aber es wollte nicht so richtig heilen. Immer wieder nässende Wunden, die sich entzündeten verlangsamten den Heilungsprozess und führten dazu, dass ich mich immer weniger bewegen konnte. Also verbrachte ich die Monate Januar, Februar und auch den Beginn des Märzes mal wieder mehr in Arztpraxen und Wartezimmern, als im Stall.  Egal, was wir taten, nichts half. Die Wunde schloss sich nicht.  Als irgendwann drei blanke Wirbel aus der Wunde schauten, bekam ich endlich wieder die Überweisung in das Krankenhaus in dem ich damals operiert wurde.

Klar kann man sagen, das hätte man schon früher machen müssen, aber da ich selbst immer nur erzählen kann, was ich fühle, aber weder selbst hinschauen, noch selbst entscheiden kann, was denn nun richtig und was falsch ist, muss ich mich absolut auf das Verlassen, was mir gesagt wird. Und das war eben.

 

GEDULD,GEDULD, GEDULD, das wird schon, das dauert eben seine Zeit.

Aber plötzlich ging alles ganz schnell. Nach der Überweisung ins Krankenhaus, nach einem Termin beim Professor, den ich Dank lieber Miteinsteller bekommen habe, und gleich auch den sofortigen OP-Termin. Ich durfte wieder einrücken. Und das mitten in Nina`s Abiphase. Das hatte ich mir auch anders vorgestellt.  Aber da ich schon einen Keim im offenen Rücken hatte und die Gefahr einer Rückenmarksentzündung bestand, gab es keine Frage wann operiert werden musste. Eine Mutter im Rollstuhl hätte ihr ja auch nicht weitergeholfen.

Also los, das Köfferchen gepackt, diesmal aber nicht nur für zwei bis drei Tage, sondern auf ungewisse Zeit. In der ersten OP musste die Naht komplett nochmal geöffnet werden, damit man überhaupt mal schauen kann, was da denn passiert war. Als ich aufwachte war alles klar. Die Rückenmuskulatur hatte nicht gehalten. Die nässenden Wunden kamen aufgrund von vielen kleinen Muskelfaserrissen, die praktisch die komplette Rückenmuskulatur wieder zerrissen haben, deshalb auch die herausstehende Wirbelsäule. Da sollte eigentlich Muskulatur drüber sein, war aber eben nicht. Jetzt wusste ich es wenigstens. Aber da da ja jetzt noch ein Keim drin war, konnte man das nicht einfach wieder zusammenflicken. Da wurde erstmal ein Schwamm eingelegt, und man wird so lange mit Antibiotika behandelt, bis das alles wieder sauber ist. Da hatte ich dann echt Glück. Schon nach 4 Tagen ging es wieder in den OP. Schwamm raus, Muskulatur zusammennähen, Rücken zu und jetzt wieder Geduld. So schnell wollten sie mich diesmal aber nicht rauslassen. Ganze 10 Tage durfte ich diesmal bleiben, eine unglaublich lange Zeit für mich, aber mit Blog schreiben, vielen Besuchen und telefonieren ging auch die rum.

Dieses Mal musste ich aber wieder mit Halskrause nach Hause gehen. Nochmal lange 6 Wochen mit Halskrause lagen vor mir in denen ich den Hals auf gar keinen Fall bewegen durfte, da die Muskeln ziemlich gedehnt werden mussten, um sie überhaupt noch zusammennähen zu können, hätte jede kleinste falsche Bewegung wieder dazu führen können, dass sie die Spannung nicht aushalten.  Ok.ok. ich habs eingesehen. War ja auch ok im kalten April mit einem warmen Hals. Gut nur, dass Nina inzwischen alleine Autofahren durfte, und selbst zu den Pferden kam. Für mich war natürlich nicht an Autofahren zu denken.

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So war dann praktisch das erste Halbjahr 2017 auch schon gelaufen. Nina hat alles gemeistert. Drei Pferde, Abitur, eine Mutter, die zu nichts zu gebrauchen ist alles lief weiter rund.

Auch Dank meiner vielen Helferlein im Hintergrund, die uns unter die Arme griffen, wo sie nur konnten, an erster Stelle mein geduldiger Ehemann, der es ganz sicher nicht einfach hatte mit mir in der Zeit als man mich zuhause eingesperrt hatte.
Auch ein riesengroßes Danke schön gehen an Lutz, der Nina beim Misten unterstützt hat und sich noch bis heute um Hufschmied und alle anderen schweren Sachen bei uns kümmert.  Und an Catherine und Jule, die sich mit um unsere Pferde gekümmert haben, egal ob bei -10 Grad. Schnee, Regen oder den vielen Problemchen, die 3 Pferde + das eigene so mit sich bringen.
Danke auch an alle anderen Helferlein, die zu nennen den Rahmen hier sprengen würde, was aber nicht heißt, dass euer Einsatz weniger wert war. Jede helfende Hand hat gezählt und zählt immer  noch.

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Ein großes Danke geht auch an meine Kunden, die immer noch auf mich warten, das angenommen haben, was ich anbieten konnte, und mir nie böse waren, wenn ich mal wieder ausgefallen bin. Ihr könnt mir glauben, ich weiß das zu schätzen und weiß, was ich an euch habe. Danke auch denen, die Verständnis dafür hatten und haben, dass ich vielleicht gerade für sie oder ihr Pferd nicht da sein kein, weil das nicht mehr geht, und sich anderweitig orientieren mussten. Sorry an euch alle.

In der zweiten Jahreshälfte schien es dann aber doch wieder aufwärts zu gehen. Die Muskeln waren gut verheilt, die Krankengymnasten waren zufrieden und ich durfte auch wieder reiten. Also, was ich halt so reiten nenne.  Natürlich sind bockende oder sonstige komische Sachen machenden Pferde von meiner Liste verschwunden. Das werden sie auch bleiben, das sollen die Jungen machen.

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Ich kann momentan ein bisschen vorsichtig im Kreis rumreiten. Pferde wie meine eigenen, die ich in und auswendig kenne, der kleine No Doubt, der glaube ich sofort merkt, wenn ein schwächerer Reiter draufsitzt, zu denen ich im Moment durchaus zähle, natürlich Belmondo mein allerbestes Riesenbaby, der nie auch nur einen falschen Schritt machen würde, wenn ich draufsitze und meine Leichttrabrunden am langen Zügel mit ihm drehe oder mein “Sohnemann” Mr.Knister, der auf seine Mutti aufpasst.

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Aber ich war guter Dinge. Das was ich reiten konnte reichte mir ja. Ich habe ja nicht die ganz großen sportlichen Ziele. 20 min lässig draufsitzen, das war genau das, was mit guttat. Ein oder zwei Pferde am Tag jedes 20 min. sind das perfekte Pensum. Das hat soweit meine Muskulatur gelockert, dass es mir im Großen und Ganzen echt gut ging.
Mit meinen beiden, die man zum Glück beide nur 10min. für eine Prüfung abreiten darf, konnte ich sogar wieder aufs Turnier. Jeder geglückte Turnierstart, jedes ( wenn auch grüne) Schleifchen brachte meinen Kopf wieder ein Stück weiter. Man hat das Gefühl, bald geht alles wieder und das tut gut. Und wenn es dann mal nicht ging, oder Ginny ihren bockigen Tag hatte, bin ich halt auch einfach abgestiegen. Kein Risiko eingehen, das war das wichtigste.

Meine ehrgeizigen Pläne Ginny in Kreuth selbst im A-Springen zu reiten, musste ich schnell begraben, das wäre Harakiri gewesen.
Im Rückblick auch lustig waren die vielen fragenden Blicke, wenn ich einfach den Platz verlassen habe. Zum Beispiel, wenn zu viele Reiter drauf waren. Ich sehe ja immer noch nicht, was rechts und links von mir passiert, schon  gar nicht, wer hinter mir  kommt. Ihr könnt euch das vorstellen, als hättet ihr eine Mütze auf, die an einer Jacke befestigt ist. Man kann nur nach vorne schauen, sonst nichts. Dann wird einem das relativ schnell zuviel, wenn es sich um einen herum schnell und viel bewegt. Oder, wenn es bockende Pferde auf dem Platz gab. Was ich vor zwei Jahren noch lustig fand, ist für mich heute ein Grund zu gehen, damit sich mein Pferd nicht anstecken lässt und mitbockt. Inzwischen hat sich da aber bei mir jeder dran gewöhnt und keiner wundert sich mehr.

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Wenn das jetzt einfach so weitergegangen wäre könnte ich ja echt zufrieden sein und hätte sicherlich auch meinen Frieden mit dem verkorkst begonnenem Jahr geschlossen. Man ist ja nicht nachtragend. Aber es sollte eben nicht so bleiben.

Pünktlich mit Verabschiedung des Sommers ging das Theater wieder los. Ob es am Wetter liegt, das ich nicht vertrage, oder woran es aktuell liegt, dass meine Muskulatur sich wieder verselbständigt, das weiß im Moment noch keiner. Auf jeden Fall begleitet mich nun schon seit drei Monaten wieder die ständige  Ungewissheit. Wird es halten? Geht alles wieder kaputt? Was kann man tun? Viel Bewegen, was mir durchaus guttut?    ( Aber ich kann ja nicht die ganze Nacht armekreisend durch die Wohnung laufen, nur damit es nicht wehtut). Sich gar nicht mehr bewegen, vorsichtshalber ( Habe ich auch probiert, das geht gar nicht, dann werde ich völlig unbeweglich und alles wird noch schlimmer).

Medikamente nehmen und damit mit deren Nebenwirkungen bis hin zur Abhängigkeit leben oder lieber nicht?

Und als Krönung um das verkorkste Jahr noch zu vervollständigen kann man ja auch gut nochmal kurz vor Weihnachten Nina zur Mandeloperation ins Krankenhaus einweisen. Aber wäre ja auch zu schön gewesen, wenn ich nicht meinen Parkplatz im Krankenhausparkhaus mal wieder gesehen hätte.

Ein gutes hat es. Die Labyrinthartigen Gänge in diesem riesigen Klinikkomplex stellen mich  nicht mehr vor eine Herausforderung, ich kenne bald jede Ecke dort, bin live dabei, wie der Neubau wächst und weiß schon immer gleich wo ich hin muss, wenn sich mal jemand anders als wir dahin verirrt.

In diesem Sinne, ich bin zwar am 1.1.2018 noch nicht gesünder, als ich es am 31.12.2017 war, aber der Jahreswechsel ist trotzdem so ein Zeitpunkt, an dem man doch hofft, dass im nächsten Jahr alles besser werden wird. Das muss ja auch nicht gleich sein, das verlange ich ja gar nicht. Ich bin ja schließlich ein geduldiger Mensch 😉 aber so im Laufe des Jahres wäre es jetzt doch schön, wenn eine dauerhafte Besserung eintreten würde, damit mein nächster Jahresrückblick etwas freundlicher ausfällt.

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