#Kuschelcalle

Das wird Calle`s Job in den nächsten Monaten sein

eigentlich hat er immer behauptet, das wäre sein Traumjob. Kuscheln, geputzt werden, ein bisschen spazieren laufen und wieder kuscheln…..

So, jetzt kann er mal probieren, ob ihm das wirklich so gut gefällt, wie er denkt.

Ein Leben so ganz ohne Arbeit. Das wird ihm jetzt für eine ganze Weile bevorstehen, und wir sind gespannt, wie er es mitmacht.

Aber jetzt will ich euch auch erzählen, warum sich das Blatt jetzt so gewendet hat, dass unsere Saison 2018 frühzeitig beendet ist und unser Fokus darauf liegen wird, unseren großen Schimmel wieder ganz gesund zu bekommen.

Ich habe ein paar Tage gebraucht, bis ich bereit war diesen Blog zu schreiben. Wir nehmen euch ja oft und gerne mit in unsere Welt, aber manchmal gibt es Schockmomente im Leben, die man erstmal für sich selbst verdauen muss. Das mit Calle war so einer.  Aber im Endeffekt haben wir irgendwann entschieden, unser Reiterleben mit euch zu teilen und dazu gehören eben nicht nur die Höhen, sondern auch die Tiefen.

Ein Reiterleben ohne Tiefen gibt es wahrscheinlich nicht, egal, wie man sein Pferd liebt, hegt und pflegt, vorsichtig behandelt usw. man wird Verletzungen nie vermeiden können.  Zudem unsere Pferde ja auch auf die Koppel gehen, springen, über das Stoppelfeld galoppieren usw. Da ist eine Verletzung immer drin. Dessen sind wir uns bewusst und trotzdem werden wir die Pferde nicht in Watte packen, auch in Zukunft nicht.

 

Natürlich versucht man mit Gamaschen und Bandagen so viel wie möglich zu schützen, unsere Pferde würden auch nie ohne Transportgamaschen auf dem Hänger stehen  und auch im Alltag bemüht man sich, seine Pferde bestmöglich zu schützen und zu unterstützen. Aber es sind immer noch Pferde und das  müssen sie auch bleiben dürfen. Sie müssen sich bewegen dürfen, auch mal über die Koppel bocken usw. Und das wird auch so bleiben sobald Calle das wieder darf.

 

Aber jetzt erzähle ich euch erst mal, was überhaupt los ist.

Calle war schon seit einiger Zeit ein  bisschen komisch beim Reiten.

Keiner hat was gesehen, aber wenn wir drauf saßen, haben wir gemerkt, dass es irgendwie anders ist.

Ich kann euch nicht sagen, wie oft wir da standen und diskutiert haben. Einer von uns am Boden, der andere auf dem Pferd und immer versucht etwas zu sehen oder zu lokalisieren.

Da war so ein Mini-tick. Nur in der Linkswendung und nur ab und zu mal. Es ist während der Bewegung immer sehr schnell besser geworden. Man konnte auch machen mit ihm, was man wollte, es wurde nie schlechter.

Springen, wild über die Koppel bocken, zwei Wochen Schritt führen, Entzündungshemmer, Osteopath, anderer  Beschlag, man hat viel gemacht, und es änderte sich nichts.

Er wurde nicht schlechter bei oder nach Belastung, es wurde aber auch nicht 100% perfekt.

Es gibt ja durchaus Pferde, die sich einlaufen müssen und das auch dürfen, aber Calle gehörte da bisher nicht dazu und deshalb konnte ich das so nicht akzeptieren.

 

Und dann war der Tag gekommen, an dem der Tierarzt ihn anschauen sollte.

Wir hatten Glück und an dem Tag hat man das Ticken auch von unten gesehen. Es gibt ja nichts schlimmeres, als dass man weiß, dass sein Pferd nicht in Ordnung ist, man aber nichts sieht und dann völlig im dunkeln tappt.

Deshalb war ich an diesem Tag auch echt froh darüber.

Wir versuchten Calle abzuspritzen, das heißt, der Tierarzt weiß zwar, welcher Fuß es ist, muss aber noch genau herausfinden, wo das Problem sitzt.

 

Das macht man, indem man schrittweise von unten nach oben Teile des Beines betäubt und dann schaut, wo denn die Lahmheit sitzt.

Aber das fand Calle überhaupt nicht lustig.

Das Ende vom Lied war, Calle verwandelte sich vom süßen Kuschelpony zur Dampfwalze.

Er lief einfach über uns, den Tierarzt, über Mülleimer drüber. Egal was im Weg stand und ihn bremsen wollte, es wurde einfach niedergewalzt. Und das alles nur, wegen einer Mini-Kleinen Spritze, die in das zarte Calle-Beinchen sollte, mit so einer Mini-Nadel, die er wahrscheinlich nicht mal gespürt hätte.

Aber, wie das halt so ist: Wenn Calle nicht will, dann will er nicht.

Wir haben es zu dritt nicht geschafft ihn zu bändigen und den Tierarzt in Gefahr zu bringen, das war es mir nicht wert. Calle kann nämlich nicht  nur Sachen umrennen, nein, er kann sich auch auf Kommando fallen lassen, wenn man ihm einen Fuß aufheben will, dabei ist ihm egal, ob der Mensch vielleicht drunterliegt oder nicht, er kann auch gezielt treten, wenn er einen Menschen, der ihm anscheinend nach dem Leben trachtet, loswerden will.

Langer Rede, kurzer Sinn.

Calle ist halt doch kein Kuscheltier, sondern 650kg geballte Kraft und so war klar, dass wir für eine vernünftige Untersuchung in die Klinik müssen.

In der Klinik war es zwar immer noch nicht einfach, Calle hat sich ganz genau gemerkt, dass da einer an  sein Beinchen wollte, aber mit einer kleinen Dosis Beruhigungsmittel konnten wir dann einigermaßen ran.

Nach der Lokalilsierung der vermeintlichen Problemstelle konnten wir dann auch gleich röntgen.

Ui, Röntgen, das fand er auch sehr gruselig.

Mein Gott kann sich dieses Pferd anstellen.

Aber wir haben es dann doch irgendwie und irgendwann geschafft, dass wir ein paar gute Bilder bekommen haben. Als hätte Calle noch nie Bilder gemacht. 🙁

An an seine heiligen Beine, wollte er niemand mehr ranlassen.

Und schon das erste Bild brachte Klarheit.  Ein Chip hatte sich da  niedergelassen, wo man ihn gar nicht brauchen kann.

Wie lange der schon drin ist, woher er kommt, keiner weiß es. Aber klar war, dass er da nicht bleiben kann, weil er auf Dauer das Gelenk zerstören würde.

Uns so machten wir uns ohne Calle im Hänger auf den Weg nach Hause. Wir konnten ihn gleich dort lassen, das war mir auch ganz recht, da er nach seiner Pony-Sedierung doch etwas dusselig war und ich ihn so ungern  im Hänger gehabt hätte.

Wir fuhren mit einem flauen Gefühl im Magen mit einem leeren Hänger nach Hause, während Calle seine Box in der Klinik bezog und am Donnerstag nach weiteren Voruntersuchungen dann operiert wurde.

Am Donnerstag mittag kam dann der erlösende Anruf, dass die OP gut verlaufen ist, Calle wieder in der Box steht und alles gut überstanden ist.

Der Chip konnte problemlos entfernt werden und wird keinen weiteren Schaden mehr anrichten.

Für Calle heißt es jetzt ein bisschen Geduld haben.

Zwei Wochen absolute Boxenruhe, bis die Fäden gezogen sind muss er überstehen.

Er wird noch einige Behandlungen bekommen, die das Gelenk unterstützen sollen, und dann darf er wahrscheinlich nach zwei Monaten Schritt wieder langsam aufgebaut werden.

Die Prognose ist gut, Calle wird wieder alles  machen dürfen, auch Springen.

Ob und wie weit er wieder in den Sport geht wird die Zeit zeigen, das kann ihm Vorhinein keiner sagen.

Aber wir werden sehen. Von unserer und der Tierarztseite wird nun alles getan, um ihm zu helfen. Wa s dann kommt wird man sehen.  Am Montag dürfen wir den Bub nach Hause holen und dann schauen wir mal wie es weitergeht.

Ihr dürft uns ganz feste die Daumen drücken, dass die bestmögliche Prognose eintritt und Calle wieder vollkommen gesund wird.

Wir werden euch auch weiterhin mitnehmen, da das eben auch zum Pferdebesitzerleben dazu gehört.

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