Nicht gesucht und doch gefunden, so könnte man den Einzug von Calli bei uns nennen.

Nachdem der Entschluss gefallen war, dass Calle den Rest des Sommers und wahrscheinlich auch den gesamten Winter auf der Koppel verbringen wird und wir das alles so planten, fiel uns ein, dass das alles zuhause ohne Calle nicht ganz einfach werden wird.

Für Calle war der Schritt wichtig, ihr habt ja mitbekommen, dass wir viel Herzblut und Einsatz investiert haben um den großen Schimmel wieder fit zu bekommen. Das hat immer so scheibchenweise geklappt, aber so ganz richtig zufrieden waren wir nicht.

Deshalb entschieden wir uns für das, was den Pferden wohl besser tut, als in der Box zu stehen, nämlich ein Leben auf der Koppel. Mit Koppel meine ich nicht das was wir haben, wo sie mal 2-3 Stunden raus können und bei Regen gar nicht, mit Koppel meine ich Platz, ebene Böden und 24 Stunden bewegen können. So wie er will. Auch mit Galopp. Das tut ihm gut.

So, die Entscheidung pro Calle war gefallen.

Aber dann kam die Überlegung was mit Ginny wird.

Ginny und Calle haben immer alles gemeinsam gemacht.

Wenn Calle nicht mehr da wäre, hätte Ginny keinen Koppelpartner mehr. Alleine rausstellen geht aber auch nicht, das wollen die Pferde nicht. Immer nach jemandem suchen, dessen Pferd mit raus kann und das in dieser Zeit nicht gerade eine andere Aufgabe hat, war mir zu kompliziert.

Ja, und reiten würden wir ja auch irgendwie gerne.

Wir hatten nun 3 Pferde. Ein Rentner ( Paul), der bei uns bestens versorgt ist, aber nicht mehr geritten wird. Einen Calle, der bald weit weg wäre und wir ihn nur ab und zu besuchen können.

Und eine Ginny, die nicht zu den Höchstleistungsarbeitstieren gehört und die lieber nur 4 x in der Woche geritten wird, als jeden Tag und die eigentlich meine ist, die ich sehr gerne im Li-La-Launebärmodus als Ausgleich zu meinem manchmal recht anstrengenden Job reite und betüddele.

Aber Nina will ja auch, und die will sportlicher reiten, als man das mit Ginny kann. Und so fiel die Entscheidung, dass wir mal langsam nach einem Pferd schauen.

Wir hatten schon klare Vorstellungen.

Es sollte ein Turnierpferd sein. Möglichst schon mit Erfahrung, da wir ja verschiedene schlechte Erfahrungen mit Pferden gemacht haben, die zuhause alles top machen, aber auf dem Turnier nicht mehr.

Es sollte nicht zu groß sein, weil wir ja keine Riesenboxen haben und weil Calle eigentlich größenmäßig schon am Limit war.

Ein Preislimit gab es natürlich auch, schließlich sind wir keine Milionäre.

Das Pferd sollte zwar sportlich orientiert sein, muss aber auch brav sein, weil ich ja das Pferd auch mal reiten muss, wenn Nina nicht da ist und ich kann ja nicht mehr jeden reiten.

Das das alles nicht leicht zu finden sein wird, war uns klar und so richteten wir uns auf eine längere Zeit mit nur einem Pferd ein.

Das kleine Problem war, wir müssen im Verein unsere Boxen behalten, das heißt weiterbezahlen, auch wenn kein Pferd drin steht, sonst kann es sein, dass man ein Pferd findet, aber keine Box hat. Also hatten wir jetzt eine Box aber kein Pferd stand drin, das wäre ein komisches Gefühl geworden.

Aber soweit kam es ja gar nicht.

Wir machten uns mit Calle morgens um 6 auf den Weg. 350 km lagen vor uns. Für die Koppel auf Gestüt Altefeld haben wir uns entschieden, da diese dort wirklich endlos groß sind, topfeben, das Personal sich rührend um die Pferde kümmert und wir dort schon mit Quentina gute Erfahrungen gemacht hatten. Das Gesamtpaket war uns den weiten Weg wert.

Wir hatten natürlich schon ein bisschen unsere Fühler nach einen neuen Pferd ausgefahren und wollten, wenn wir schon mal in der Richtung sind, einem Tip unseres Kooperationspartners Eggersmann folgen. Da gab es eine Züchterfamilie gut 100km von Calle, aber eben 450 km von uns zuhause entfernt, die hätten tolle Pferde und würden sich auch von einem trennen, wenn es denn passt.

Alles kann, nichts muss, war das Motto mit dem wir dann dorthin gefahren sind. Nie im Leben hätten wir gedacht, dass wir mit einem gefüllten Hänger wieder nach Hause fahren, aber das Anhängsel hatten wir jetzt eben sowieso schon dran.

Als wir dort ankamen waren alle Pferde auf der Koppel und wir machten uns auf den Weg sie hereinzuholen.

Schon da war es wohl um uns geschehen. Lauter Füchse ( und eine Braune ) kamen auf uns zu. Viele große Pauls. Schon immer wollten wir unseren Paul in groß haben, und da gab es sie, ganz viele davon. Natürlich wird es nie einen zweiten Paul geben, aber man hat ja so seine Spinnereien. Wer kennt das nicht, wer mal eine Pferd mit bestimmten Attributen hatte, das nicht funktioniert hat, der möchte so einen nicht wieder, auch, wenn das neue Pferd nichts für seine Farbe kann und wahrscheinlich charakterlich völlig anders ist, aber man hat da halt so ein Bild im Kopf.

Und so hat man halt auch ein positives Bild, wenn man sein Traumpferd wie wir unseren Paul hatte. Das Pferd, das ihm ähnlich sieht hat gleich mal 100 Pluspunkte.

Ja, und so hatten die Füchse schon einen großen Vertrauensvorschuß und wir eine große Erwartungshaltung. Schließlich sind Pauls Fußstapfen groß.

Aber sie waren nicht zu groß für Calisto und seinen kleinen Bruder.

Die beiden mittleren auf dem Bild sind die Pferde, die zu verkaufen waren, die anderen beiden gehören den Züchtern und standen nicht zum Verkauf.

Nina ritt erst Calisto und dann Calimero, das etwas kleinere Modell davon und dann noch eine braune Stute, die schon mehr Erfahrung hatte und auch letzte Woche erst wieder zwei L-Springen gewonnen hat, aber irgendwie nicht auf Nina`s Wellenlänge war.

Was uns an Calli schon beim Satteln gut gefallen hat, was seine Ruhe. Unagebunden stand er da und ließ uns um ihn rum wurschteln und war ganz zufrieden mit sich selbst.

Die Rasensprenger rund um den Reitplatz interessierten ihn nicht, er war einfach entspannt. So wurde er Nina kurz vorgeritten und dann saß sie selbst drauf.

Nina fühlte sich vom ersten Moment an wohl, auch wenn Callis Bewegungen riesig waren, im Vergleich dazu läuft Ginny wie ein Pony. Das war ungewohnt. Der erste riesige Galopp auch, und dann kamen die ersten Sprünge. Wie süß war das denn?

Calli hat seine eigene Springmanier, wie ihr auf den Fotos sehen könnt. Aber schon an den kleinen Sprüngen hat man gemerkt, dass da viel Potential drin steckt. So wie der mit den Stangen gespielt hat, so ehrgeizig wie er war, ohne verrückt zu sein, die Ruhe, die er trotz seiner riesigen Bewegungen ausstrahlte, das alles hat uns überzeugt.

So, eigentlich wäre das ja jetzt ganz einfach gewesen.

Wäre Calli nicht das erste Pferd gewesen, das wir überhaupt angeschaut haben.

Wäre das alles nicht so furchtbar schnell gegangen.

Wäre dann nicht noch das kleinere Modell davon gekommen.

Der war nämlich genauso toll, nur in klein.

Vielleicht ein ganz kleines bisschen grüner noch als Calli, aber auch hier mit Nerven, Potential und Rittigkeit ausgestattet, die ihresgleichen erstmal suchen müssen.

Soweit so gut, wir waren ein bisschen platt von der langen Fahrt, von den Eindrücken, von der Tatsache, dass wir damit nicht gerechnet hatten und verabschiedeten uns erst mal.

Wir wollten nach Hause fahren und in Ruhe überlegen und so machten wir uns auf den Heimweg.

Wir fuhren 10km -20 km, es war absolut ruhig im Auto. Keiner sprach etwas. Bis wir beide gleichzeitig zu sprechen begannen.

Wir waren uns einig. Eigentlich wäre es total doof gewesen jetzt 450 km nach Hause zu fahren, wo uns doch eigentlich klar war, dass wir wieder losfahren werden und Calli holen.

Nach 50km in Richtung Heimat, zwei Telefongesprächen und dreimal tief durchatmen, drehten wir um und fuhren zurück.

Die Entscheidung war gefallen. Calli sollte mit uns nach Hause fahren.

Ja, wir sind verrückt, das wissen wir, das ist aber auch ok, so sind wir halt

Wir buchten kurzerhand für eine Nacht ein Zimmer, weil wir ja schon ewig unterwegs waren. Frau Gropengieser kontaktierte ihre Tierärztin, die wenigstens noch eine Blick auf Calli werfen sollte. Abhören und Beugeproben, mehr wollte ich gar nicht. Noch die Impfungen kontrollieren, das reicht uns.

Das alles planten wir für den nächsten Morgen. An dieser Stelle vielen Dank an die nette Tierärztin, die Sonntags morgens für uns angefahren kam und uns den Calli als gesund bescheigte.

Ja, das wars dann. Calli stand in unserem Hänger, am liebsten hätten wir beide mitgenommen, aber selbst wir müssen ja ab und zu mal vernünftig sein.

Und so kam es, dass Calles Box nur einen Tag leer war und dann gleich wieder mit Leben gefüllt wurde.

Für Calle heißt das, er hat noch mehr Zeit gesund zu werden. Er kommt wieder, wenn er gut läuft. Aber er bekommt alle Zeit die er braucht.

Für Ginny heißt es nicht alleine zu sein. Sie hat Calli schon ins Herz geschlossen.

Für Paul heißt es plötzlich seinem Ebenbild gegenüberzustehen, aber auch die beiden Jungs haben ihr Auskommen schon gefunden. Paul ist der Chef, Calli etwas verdutzt, über das kleine freche Etwas, dass ihn gleich mal in die Nase gebissen hat.

Für uns heißt es wieder eine aufregende Aufgabe zu haben, der wir uns gemeinsam stellen werden, so wie wir das schon mit allen vorherigen Pferden gemeinsam gemacht haben.

Wir freuen uns auf die neue Aufgabe mit unserem Riesenbaby.

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