Winterpause, ja das ist ein Wort das jeder kennt und wahrscheinlich auch die meisten von euch  machen. Nach einer langen Turniersaison ist es meist üblich die Vierbeiner eine Weile herunterzufahren, mal alle fünfe gerade sein zu lassen und das Training auf das Nötigste zu  beschränken. Gerade so halt, dass die Pferde ausreichend bewegt und beschäftig sind, aber  mal den Kopf frei bekommen und nicht ernsthaft arbeiten müssen.

Aber wie sieht das eigentlich im Sommer aus? Wie gestaltet ihr eure Turnierplanung, nach welchen Kriterien wählt ihr eure Turniere aus, wie oft hintereinander fahrt ihr los und was machen eure Pferde zwischen den Turnieren? Ich erzähle euch mal, wie wir das halten.

 

Natürlich richtet sich die Saisonplanung immer nach dem Ziel, das  man sich gesteckt hat. Anfang des Jahres sollte man sich ungefähr überlegen, wo man denn in dieser Saison hin will, danach hat sich ja auch schon die Winterarbeit gerichtet. Weil eigentlich trainiert man ja im Winter für die neue Saison.

Ich finde es während der Saison fast nicht möglich auf ein neues Ziel zu trainieren, das einzige was über die Saison hin wächst ist natürlich die Prüfungsroutine. Meist fängt man ja klein an und steigert sich dann während der Saison, weil man mehr Sicherheit und Routine bekommt, aber das Grundsätzliche an Lektionen usw. sollte schon im Winter erarbeitet worden sein.

Auf dem Turnier ist es oft sowieso  nochmal schwerer umzusetzen als zu Hause, so dass es meist auch einige Turniere dauert, bis man das Gelernte auch sicher auf dem Turnier abrufen kann.

 

Wir waren ja sechs Jahre im Ponykader unterwegs. Da ist die Saisonplanung vorgegeben. Man  hat seine Lehrgangstermine, seine Stützpunkttrainings, seine Sichtungen und arbeitet meistens auf ein oder mehrere ganz bestimmte Ziele hin. Da ist das Turnierjahr ziemlich verplant.

Dazwischen organisiert man noch die anderen wichtigen Termine wie Impfungen, Hufschmiedtermine, Routinechecks, Wellnessbehandlungen und was so alles ansteht.

Bei Lotte z.b. die sich dieses Jahr den Landesjugendcup vorgenommen hat, wird die Turnierplanung rund um die Stationen des Cups gesbastelt. So, dass Vinnie immer gleichmäßig am Laufen bleibt, aber wenn es, wie jetzt gerade so ist, dass mal drei Turniere hintereinander mit langen Fahrtstrecken waren, dann werden eben davor und danach Pausen eingeplant. Auch werden bei uns ab der Klasse L die Starts reduziert. Sind die Pferde im E und A-Springen noch viele Prüfungen gelaufen, damit Reiter und Pferd Routine sammeln können, so werden wir ab L oder M doch sparsamer, weil wir die Pferde nicht überbeanspruchen wollen.

 

 

 

Wobei es auch hier von Pferd zu Pferd unterschiedlich ist und man das individuell entscheiden muss. Es gibt keine festgelegten Regeln, außer der Startplatzbegrenzung, die man ja sowieso hat und die auch richtig ist. Das eine Pferd braucht immer eine Einlaufprüfung um in Schwung zu kommen, das andere geht lieber weniger. Das entscheiden wir von Pferd zu Pferd und oft auch von Turnier zu Turnier.

 

Bei den Minis ist es so, dass diese ja noch relativ viel Betreuung von mir brauchen und wir deshalb immer gesammelt losfahren. Das heißt, wir suchen uns ca. einmal im Monat ein schönes Turnier aus, das nicht zu weit weg ist von uns und fahren dann miteinander los. Mini-Turniere sind bei uns immer kleine Großereignisse und machen sehr viel Spaß, weil sie eben immer im Team erfolgen. Keiner fährt alleine los, die anderen sind immer dabei, helfen, fiebern mit und trösten, wenn mal was nicht klappt. Da die Pferde mit einem Turnier im Monat nicht überfordert sind, brauchen sie auch keine großen Turnierpausen, das passt so alles prima in den Alltag.

 

 

 

Bei uns selbst stehen dieses Jahr andere Sachen, als das Turnierreiten im Vordergrund. Nina arbeitet, auch am Wochenende und so ist die Planung teilweise etwas kompliziert, weil man sie um die Dienstpläne herumbauen muss. Aber es gibt eben auch noch ein Leben neben den Pferden. Manche Prüfungen hatten wir schon genannt, aber wenn Nina dann arbeiten muss, oder eine Prüfung verlegt wird, dann geht das halt nicht.

Das ist aber auch kein Drama, weil Nina momentan ja auch nur Calle zum Turnierreiten hat, und wenn man nur ein  Pferd hat, dann muss man das auch gezielt einsetzen. Das heißt für Calle, er geht höchstens zwei Prüfungen an einem Wochenende und wir suchen uns schon im Vorfeld die Turnierplätze nach den Bodenbedingungen aus. Wir würden z.B. gar nicht erst losfahren, wenn eine Prüfung auf einem Rasenpatz wäre, auf den es tagelang draufgeregnet hat oder der hart wie Beton ist. Das Risiko wäre uns schonmal viel zu groß, in dem Fall können wir eine Prüfung auch mal gut sausen lassen. Das ist der Vorteil, wenn man frei ist und keine Serien mehr reitet, in denen man Punkte sammeln muss.

 

Für Ginny suche ich mir ab und zu ein nettes Turnier aus, sie ist nicht jedes Wochenende unterwegs. Oft sind auch mal Turniere genannt, die ich dann kurzfristig nicht reite.  Wenn man nicht für über 100€ Startgeld bezahlt hat, so wie das früher war, als wir noch mit vielen Pferden unterwegs waren, sondern nur eine Prüfung genannt hat, dann tut es nicht so weh, auch mal eine sausen zu lassen, weil einem das Wetter, die Startzeit oder der Gesundheitszustand  nicht passt.  Das ist relaxed.

 

 

 

Nach einem Turnier ist bei uns am nächsten Tag immer frei. Das heißt, die Pferde werden je nach Wetterlage bewegt, gehen auf die Koppel, dürfen chillen und den Kopf frei bekommen.  Während der Turniersaison rückt das ernsthafte trainieren sowieso in den Hintergrund. Man reitet das was man braucht und es kann auch mal sein, dass man daheim wieder etwas erarbeiten muss, was gerade nicht so gut läuft, aber im Großen und Ganzen halten wir die Pferde im Sommer nur bei Laune. So ein Turnierwochenende ist anstrengend genug, es ist ja nicht nur die Prüfung, sondern auch das ganze drumrum mit Hängerfahren, nervig sein, lange auf dem Hänger stehen müssen, einen veränderten Tagesablauf zu haben usw.

Gerade bei meiner magengeschwürempfindlichen Tante muss ich diese ganzen Dinge mit berücksichtigen und regelmäßig in sie hineinhorchen, damit sie auch weiterhin ihre Leistung bringen kann und gesund bleibt. Aber es geht tatsächlich mit einem Magengeschwürgeschädigten, nervösen Blüter aufs Turnier zu fahren, man muss es nur richtig händeln.

Und dann gibt es natürlich auch die Phasen, gerade im Sommer, wenn es heiß ist, in denen gar nicht geritten wird oder mal nur Schritt ins Gelände. Unsere Pferde finden es in turnierfreien Wochen auch mal völlig ok nur auf die Koppel zu gehen, betüddelt zu werden, ein bisschen Wellness hier, ein bisschen Kuscheln da.

Auch das kommt bei uns regelmäßig vor, aktuell ist Calle schon seit fast einer Woche in der Koppel-Kopf-Frei-Auszeit und Ginny wird sich dem nach ihrem gestrigen Turnier anschliessen. Einfach mal ein paar Tage abschalten, keinen Sattel sehen, keinen Sprung und keine Kurz-Kehrt-Wendung. Das muss gerade im Sommer auch mal sein.

Natürlich passen wir bei all dem Chill-Programm auf, dass unsere Pferde gut bemuskelt bleiben, erhalten das, was wir haben an Muskulatur und Rittigkeit, weil wir ja kein untrainiertes Pferd in eine Prüfung reiten können.

 

In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine tolle Turniersaison mit euren Vierbeinern, und ich gehe davon aus, dass die meisten oder fast alle, die hier mitlesen ihren Lebensunterhalt nicht mit dem Turnierreiten verdienen müssen. Von dem her, vergesst nicht das Ganze als schönes Hobby anzusehen, seid ehrgeizig aber nicht verbissen und macht für euch und eure Vierbeiner das Beste. Am Ende soll es doch einfach allen Spaß machen.

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  1. Josi

    Normalerweise machen wir eigentlich keine Sommerpause, da unser Turnierkalender eigentlich nicht voll ist. Jedoch machen wir dieses Jahr eine Zwangspause, weil meine Stute Drüse hat und schon seit 2/3 Wochen in Quarantäne steht 🤷🏽‍♀️ Vermutlich darf sie nächste Woche wieder antrainiert werden, aber bis sie wieder voll im Training ist dauert es noch und somit ist unsere Saison natürlich unterbrochen.☺️

    1. teamkaupp

      Hallo Josi, das tut mir sehr leid für deine Stute und die anderen im Stall. Ich drücke euch die Daumen, dass bald alle Pferde ohne Nachwirkungen wieder gesund sind

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