Wann habt ihr wieder Turnier?

Wird Ginny verkauft?

Was ist, wenn Calle  nicht mehr gesund wird?

Was passiert mit Paul?

Wann reitet Nina S-Springen?

Warum reitet Silke nur L-Dressur?

Gibt es ein neues Pferd?

Das sind die wohl häufigsten Fragen, die uns unter unseren Bildern immer wieder gestellt werden.

Ein paar davon möchte ich euch gerne beantworten.

Erst mal muss ich sagen, wir hatten viele Jahre lang sehr, sehr viel Glück mit unseren Pferden.

Den Tierarzt haben wir praktisch nur zum impfen gesehen und irgendwie kommt man so in den Flow, zu glauben, man würde eben alles richtig machen.

Am Ende ist es eben einfach auch ein ganz großes Glück, gesunde Pferde zu  haben, die auch noch Spaß am Turniersport haben, das notwendige Talent und die passende Einstellung mitbringen.

 

Egal, wie gut wir unsere Pferde managen, egal, wie wir sie hegen und pflegen, dosiert einsetzen und mit allem versorgen, was notwendig und nicht notwendig ist, wir stecken trotzdem nicht drin.

Wir haben schon immer ein bisschen länger gebraucht, bis wir an unseren  Zielen waren.

Mit einem kleinen bis normalen finanziellen Budget, hatten wir immer Pferde, die dahin gearbeitet werden mussten, wo wir hin wollten.

Und diese Arbeit haben wir immer gerne gemacht.

Der kleine Knisti ist mit Nina gemeinsam in den Turniersport hineingewachsen, sowie auch Dancer Hit, Danny  Sahne und die anderen  Jungspunde, die durch unsere Hände gingen.

Nina hat das nicht geschadet. Sie hat viel gelernt in dieser Zeit, hat vor allem gelernt, sich auf verschiedenen Pferde einzustellen und hat auch gelernt, dass ein selbst erarbeiteter Erfolg zwar ein langer Weg ist, aber am Ende doch wahnsinnig wertvoll ist.

Auch, wenn wir  nie losziehen konnten und ein Pony oder Pferd für bestimmte Aufgaben einfach kaufen, bestenfalls eines, was schon zwei Klassen  höher gegangen ist, als man eigentlich reiten will, so ging der Weg doch immer weiter.

Deswegen verstehe ich schon die Frage, die immer wieder kommt, ob und wann Nina endlich S-Springen reitet.

Schließlich ist sie ja nun einige Jahre M geritten und das teilweise auch sehr ordentlich und geht es nach den Fragenden, so kommt jede Saison mindestens eine neue Klasse.

Ja, hört sich nett an, und mag auch bei dem ein oder anderen funktionieren, vorzugsweise bei den Schritten von E-M.

Mit einem passenden Pferd ausgestattet, gut gemanagt vom Reitlehrer und unterstützt von den Eltern, kommt das oft vor, dass man jede Saison eine neue Klasse erreicht oder auch mal eine nahezu überspringen kann.

Wenn man mal über den Punkt L oder M raus ist, wird das aber dann schon schwieriger.

 

Seit Nina im Großpferdelager unterwegs ist, ist uns aber auch klar, dass man hier ohne einen finanzstarken Sponsor im Hintergrund im Sport nicht mithalten können wird.

War es im Ponysport noch so, dass man mit einem ordentlichen Pony, wie eben Knisti oder auch Paul, die ordentlich sind, aber keine Überflieger, mit Fleiß und Einsatz noch mithalten konnte, so  war uns schon am Ende der Ponyzeit klar, dass das nun vorbei sein wird.

Um nahtlos den Umstieg in den Großpferdekader zu schaffen, hätte man schon im letzten Ponyjahr vorbauen müssen und parallel ein oder besser zwei Großpferde reiten.

Für eine kurze Zeit haben wir ansatzweise diesen Traum geträumt, auf jeden Fall waren wir bereit dazu.

Wenn es auch kein “fertiges” Ein-Sterne-Busch-Junioren-Umsteiger-Pferd geworden ist, so wollten wir doch nach einer gewissen Zeit mit unserer Ginny Gibson wieder mitspielen.

Dafür musste aber schon Knisti verkauft werden. Auch, wenn ich sehr froh bin, dass ich mit Merit einen tollen Käufer gefunden hatte und er auch jetzt an einen guten Platz weiterverkauft wurde, so ist es doch nicht mein Ding, meine Familienmitglieder zu verkaufen. Das liegt mir einfach nicht.

Bei Knisti damals war es keine Frage. Er war ja erst 7 Jahre alt, es war klar, dass Nina bald zu groß werden würde und dass er in diesem Alter nicht damit zufrieden gewesen wäre das 5. Rad am Wagen zu sein, das eben auch mitbewegt wird, das ist logisch.

Deshalb war es richtig, dass Knsiti durch den Verkauf eine neue Aufgabe bekam, für sein neues Mädchen die Nummer 1 war.

 

 

Mit dem Ende der Ponyzeit für Nina standen bei uns Ginny Gibson, die das Umsteigerpferd hätte werden sollen und der Ponymann Paul im Stall.

Dass wir mit Ginny gesundheitlich Pech hatten, ist ja kein Geheimnis und ein Verkauf von Paul  nach der Ponyzeit stand nicht eine Millisekunde zur Debatte.

Natürlich gab  es ernsthafte Gespräche mit Nina, die ja schon gerne weiter mitgespielt hätte. Aber als sie dann vor der Entscheidung stand sich von Paul trennen zu müssen, um ein weiteres Großpferd kaufen zu können, traf sie für sich die Entscheidung für Paul.

Auch, wenn klar war, dass Pauls M-Sieg bei der Süddeutschen Meiterschaft wohl der einzige in seiner Karriere bleiben wird, weil er an diesem einen Turnier total über sich hinausgewachsen war, entschied sich  Nina lieber weiterhin “nur” L-Springen zu reiten, als sich von Paul zu trennen.

Das Paul kein M-Pony werden würde, war schnell klar und so war das eine klare Sache. Paul blieb bei uns und Nina passte sich dem an, was man mit ihm machen kann, ohne ihn zu überfordern. Viele weitere L-Siege und viele unvergessliche Erlebnisse hat uns unser Paul seitdem noch geschenkt und wir haben keine Sekunde bereut uns nicht von ihm getrennt zu haben.

Nun, nachdem Paul nicht mehr im Sport gehen wird, hat er eine Lebensstellung bei uns.

Zwar momentan nicht bei uns im Stall, weil wir ihm bei uns einfach nicht die Möglichkeiten bieten können, die ein Pferd braucht, das nicht geritten wird, aber immer noch in unserem Besitz und damit in unseren Kosten.
Auch jetzt, gab es zu keinem Zeitpunkt den Gedanken Paul abzuschieben.

Dadurch, dass ein Pony aber eben auch auf der Koppel Geld kostet wird es keinen Ersatz für Paul geben

Und dann ist da noch Ginny Gibson.

Unsere Umsteigerhoffnung für Nina ließ sich anfangs richtig gut an.

Als dann die gesundheitlichen Probleme kamen, glaubten die Tierärzte und wir noch mindestens ein Jahr lang dran, dass mit ein bisschen Geduld alles wieder gut werden würde.

Eine Untersuchung, ein hoffnungsvolles Ergebnis nach dem anderen wurde behandelt und immer wieder dachte man, man hätte die Ursache gefunden und wenn das behandelt ist, wird alles wieder gut.

Ginny würde ihre Karriere eben etwas später starten.

Na gut, ich gebs zu, Ginny ist jetzt 9 und wird wohl keine Karriere mehr starten.

Weder im Springsport, noch im Busch, was ihre  eigentliche Berufung hätte sein sollen.

Stattdessen geht sie jetzt mit mir ein bisschen L-Dressur.  Mal besser, mal schlechter.

Und so ist das und so wird das auch bleiben.

Ein Verkauf von Ginny steht momentan nicht zur Debatte, da es keinen sinnvollen Verkauf für sie gäbe.

Ein Sportreiter würde ihr Potential, das sie durchaus hat, sofort erkennen, und sie weiterverkaufen, wenn er merkt, dass es nicht abrufbar ist.

Ein Freizeitreiter, der mit ihren Macken, die sie nicht nur auf dem Reitplatz hat leben könnte, ist mir bisher noch nicht über den Weg gelaufen.

Ich könnte es aber nicht ertragen sehen zu müssen, wie Ginny als Wanderpokal von Mensch zu Mensch geht und jeder probiert aus, was wir schon lang probiert haben.

So wird Ginny eben bei uns bleiben. Als Spiel und Spaßpferd. Ja, an guten Tagen macht sie echt richtig Spaß. Dressur,- und Springmäßig ist sie an guten Tagen und zuhause inzwischen auf knappem M-Niveau unterwegs und wenn ich, so wie gestern die 11-jährige Jule draufsetze und sie einfach mal L-Lektionen mit ihr reiten kann, dann geht mir das Herz auf.

Für diese guten Tage leben wir mit ihr und an den schlechten, die wir durchaus auch haben, können wir inzwischen auch einfach absteigen und  den Plan ändern.

 

Das heißt aber nicht, dass wir nicht ehrgeizig mit ihr sind. Ginny kann und will arbeiten. Sie ist gesund, leistungsbereit und hat genügend Talent. Nur spielen ihre Nerven eben nicht immer mit. Das muss man einfach jeden Tag abwägen und sie jeden Tag im Rahmen ihrer Möglichkeiten fordern und fördern.

Nichtstun ist nämlich auch nicht ihre Welt. Schont  man sie zuviel, tut man ihr nichts Gutes, dann kann sie schon im Stall recht zickig und unzufrieden werden. Das gute Mittelmaß zu finden aus Forderung ohne Überforderung ist bei ihr das tägliche Leben.

Aus diesem Grund geht sie auch immer mal wieder mit aufs Turnier.

Weil sie gerne mitgeht. Ginny ist immer wahnsinnig enttäuscht wenn Calle los darf und sie zuhause bleiben muss. Aber die Turniere für Ginny sind immer ausgesucht.

Die Rahmenbedingungen müssen passen, sonst braucht man nicht los. Auch der eigene Ehrgeiz muss klein bleiben, wenn man mit ihr losfährt. Man kann immer nur annehmen, was sie anbietet.

Das kann mal eine tolle Runde sein, mit der sie auch schon L-Dressur gewonnen hat, es kann aber auch mal sein, dass sie völlig dicht macht und da  macht man dann als Reiter  nichts dagegen.

Das ist dann so und man kann es nicht ändern. Wenn man das nicht akzeptieren kann, braucht man gar nicht erst los zu fahren.

Bei Ginny ist jeden Tag aufs Neue die Devise sich über das zu freuen, was sie macht, nicht, sich über das zu ärgern, was sie nicht macht.

 

Auch unser weißer Reise Calle entwickelte sich seit einiger Zeit zum Sorgenkind.

Haben wir schon lange akzeptiert dass er wohl immer ein M-Pferd bleiben wird, dem es einfach an der Motivation fehlt, sich mehr anzustrengen, als unbedingt notwendig, so kommen seit rund einem Jahr immer mal wieder so dumme Kleinigkeiten dazu, die uns ausbremsen.

Mal hier eine Mauke, die sich zieht, dann wieder ein Mäckchen hier, ein Mäckchen da, irgendwie müssen wir grad immer hier schreien, wenn es was zu verteilen gibt. Im Großen und Ganzen alles nur Kleinigkeiten, aber eben immer wieder eine neue Kleinigkeit, die einem aus dem Trainingsrhytmus bringt, und dafür sorgt, dass man das Gefühl hat, es geht rückwärts statt vorwärts.

Ok, unsere Op letzte Woche ist jetzt keine Kleinigkeit, sondern hat dazu geführt, dass die Saison, die sowieso nicht richtig in Schwung kam, vorzeitig beendet ist und wir uns damit beschäftigen werden, das alles inkl. Boxenruhe und Schritt führen so gut wie möglich über die Bühne zu bringen und dann hoffentlich in der nächsten Saison die Pechsträhne überstanden zu haben, so dass wir wenigstens noch ein Turnierpferd haben,  mit dem wir ab und zu mal losfahren können.

Aber auch hier wird es sein, wie bei den anderen Pferden. Die hochtrabenden Pläne mal mehr zu reiten als M werden wohl nicht mehr erreichbar sein. Das steht aber auch nicht im Vordergrund.

Das Wichtigste ist jetzt erstmal, dass Calle das alles unbeschadet übersteht, dass er wieder richtig antrainiert werden kann und ohne den störenden Chip wieder ganz normal belastet werden kann.

Auch bei Calle steht natürlich kein Verkauf zur Debatte.

Gerade solche Zeiten, die man mit seinen Pferden durchmacht, schweißen noch mehr zusammen als es jeder Turniererfolg je könnte.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass keins unserer Pferde jemals wegen fehlender Turniererfolge oder der zu erwartenden besseren Erfolge mit einem neuen Pferd verkauft werden würde.

Das ist uns dann der Turniersport nicht wert. Wir reiten beide gerne Turnier und sind auch ehrgeizig, aber eben in dem Rahmen, der möglich ist, sowohl mit unseren als auch der Möglichkeiten der Pferde.

Wenn eins unserer Pferde verkauft wird, dann hat das vernünftige Gründe, beispielsweise, dass wir dem Pferd, wie damals Knisti, nicht mehr gerecht werden können und denken, dass es in anderem Besitz, mit anderen Anforderungen besser bedient ist, als bei uns.

 

Und genau deshalb machen wir uns auch erfolgsmäßig keinen Druck. Ja, es kann durchaus sein, dass selbst Schüler von  mir, denen ich zuhause helfe, mehr Erfolge haben, als ich selbst.

Die haben dann aber auch einfach das (momentane) Glück mit einem passenden Pferd beritten zu sein. Wir alle, die so im normalen Freizeit-Turniersport unterwegs sind, wissen dass wir  nur so lange erfolgreich im Sport egal welcher Klasse mitspielen können, wie wir ein passendes Pferd haben.

Denn:

OHNE PFERD SIND WIR DANN DOCH ALLE NUR FUßGÄNGER

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