Paul`s Jahresrückblick auf 2018

Das Jahr 2018 begann für Paul eigentlich gut.

Er war nun 18, topfit und nach seiner auskurierten Koppelverletzung vom letzten Sommer lief er nochmal zu Hochform auf.

Sogar dressurmäßig war er vernünftig und motiviert wie schon lange nicht mehr.

Fast schon hatte man das Gefühl, dass er auf seine “alten” Tage noch normal werden könnte.

Und so waren wir in den Wintermonaten Januar und Februar tatsächlich ernsthaft dabei Dressur zu arbeiten.

Wer aber Paul kennt, der weiß, dass man ihn nur mit Dressur nicht bei Laune halten kann und ein schlecht gelaunter, unausgelasteter Paul ist unausstehlich.

Deshalb durfte er auch wieder springen und vor allem galoppieren.

Galopp macht bei ihm nur Sinn, wenn man das möglichst schnell machen darf.

Da unser Gelände das im Winter nicht hergibt, wir aber zum Glück einen großen Sandplatz haben, konnten wir ihm regelmäßig seine Galopptouren gönnen und so hatten wir ein zufriedenes, ausgeglichenes Pony im Stall stehen.

Einen Zweitjob hatte unser Pauli auch noch.

Er begleitete Ginny, die sich super entwickelte zu ihren Auswärtstrainings.

Aber man merkte schnell, dass ihm der Job als Begleitpony nicht wirklich gefiel.

Er, der fast im Galopp in den Hänger springt, weil er sich auf alles freut, was dann kommt, durfte nur mitfahren und zuschauen, wie Ginny trainieren durfte.

Das fand er total unnötig und nahm uns nicht nur einmal den Hänger auseinander.

Und so gaben wir ihm halt nach und er durfte auch wieder mit trainieren.

Das Geländetraining in Altensteig war genau sein Ding.

Ganz viele kleine Hindernisse, viel Platz zum galoppieren und ganz doll mit Matsch spritzen.

Genau das Richtige für kleine Jungs.

Und das war genau das, was Paul braucht.

Für Nina war das Training, draufsitzen, zuhause sein und ein Pony unter dem Hintern haben, das genau das will.

So macht das einfach Spaß, wenn sich beide einig sind, beide ein bisschen verrückt sind und hinterher schnaufend aber glücklich den Platz verlassen.

Da wir für Ginny vorsichtshalber einen Startplatz für den Stilgeländeritt reserviert hatten, sie auch ein tolles Training lief, wir ihr den Turnierstart aber doch nicht zumuten wollten, entschlossen wir, dass Paul die Prüfung laufen darf.

Für Paul sollte das eine schöne Abwechslung sein.

Einen A-Geländeritt macht er mit links, Kondition hatte er sowieso genug und so waren wir bei schönstem Winterwetter mit ihm unterwegs nach Altensteig.

Das hätte im letzten Jahr auch keiner gedacht, dass Paul nochmal ins Gelände darf.

Und Paul war toll. Wie an der Schnur gezogen schnuckelte er durch das Gelände.

Zu seiner eigentlichen aktiven Zeit gab es ja immer mal wieder die Situation, dass er sich doch mal kurz vor irgendetwas gefürchtet hat und einen Stop kassieren musste, jetzt schien er endlich erwachsen geworden zu sein.

Kein Blick nach rechts oder links, nur der Fokus auf die Sprünge, die er unbedingt wollte und zwar alle.

Am liebsten wäre er wohl zwei Runden gelaufen. Aber eine schöne Runde, ich weiß nicht mehr genau, ich glaube mit 7,9 war seine letzte Turnierplatzierung und die genoss er.

Also nicht die Platzierung, die war ja ohne Pferd, aber die Prüfung, die dahin führte.

Das ist einfach der Unterschied im Busch.

Man reitet nicht eine Prüfung, damit sie geritten ist, ist danach zufrieden oder nicht, sondern man lebt diese Prüfung, der Reiter genauso wie das Pferd und das Adrenalin nach einem gut absolvierten Geländeritt ist einfach nicht zu vergleichen mit einer Dressuraufgabe.

Aber dann kam es, wie es bei unserer Pechsträhne kommen musste.

Beim zweiten Start in Altensteig, landete Paul nach dem zweiten Sprung unglücklich und vertrat sich das Bein.

Ein Schockmoment für uns und die Zuschauer, weil er erstmal gar nicht mehr draufstand.

Aber die Tierärztin, die vor Ort war beruhigte uns, und war sich sicher, dass nichts gebrochen ist.

So durften wir den traurigen Paul mit nach Hause nehmen, wo schon unser Haustierarzt mit dem Röntgengerät bereit stand.

Natürlich wollten wir auf Nummer sicher gehen. 12 Röntgenbilder später hatten wir die Gewissheit.

Es war nichts gebrochen.

Das war kein Stein, der uns vom Herzen fiel, das war ein Gebirge.

Trotzdem mussten wir wegen der Schwellung noch eine Woche abwarten bis wir schallen konnten, und dann hatten wir die Gewissheit.

Paul hatte sich eine nicht zu kleine Sehnenverletzung zugezogen und würde mindestens 6 Monate Schritt gehen müssen, bis das wieder ausgeheilt sein würde.

Die Zeit würde es richten, aber die braucht man halt.

Jetzt ist es aber mit Paul nahezu unmöglich ihn bei uns am Stall bei Laune zu halten.

Wenn er nicht genug ausgelastet ist, dann kann er nicht mal mehr auf die Koppel, weil er sein Galopptraining dann eben dahin verlegt, was an unseren Hangkoppeln undenkbar gewesen wäre.

So fiel ganz klar die Entscheidung, dass Paul irgendwohin gehen wird, wo er nicht nur stundenweise draußen sein kann, sondern den ganzen Tag.

Gleichmäßig Bewegung ohne Ausraster seinerseits sollten den gewünschten Heilungserfolg für ihn bringen und so zog er im Mai auf eine Erholungskoppel um.

Natürlich fiel es uns nicht leicht, unseren Kasper abzugeben, zu wissen, dass man ihn nicht mehr jeden Tag um sich hat, sich nicht mehr über seine Albernheiten totlachen konnte.

Es war schon klar, dass im Stall ohne Paul etwas fehlen wird.

Aber in dem Fall muss man eben seinen eigenen Egoismus zugunsten des Ponys zurückstellen.

Paul würde es dort besser gehen, als bei uns, das war klar. Paul machte uns den Abschied auch nicht allzu schwer, ist er ja nicht so der Emotionsbolzen.

Er wurde dort gleich auf die Koppel gebracht, schnappte sich noch unseren Apfel und war dann gleich mal damit beschäftigt seinen neuen Koppelpartner zu ärgern.

So konnten wir beruhigt, mit dem guten Gefühl das Richtige gemacht zu haben, nach Hause fahren.

So, nun war Paul über eine Stunde von uns entfernt.

Das Gefühl im Stall war schon komisch.

Keiner, der in der Box rumalbert wenn man kommt, wobei Calle gerade dabei war die Kasperrolle von Paul zu übernehmen.

Aber wir wussten, dass es das Beste für ihn war und so fanden wir uns damit ab.

Schon bei unserem ersten Besuch bei ihm, waren wir bestätigt, das Richtige getan zu haben.

Ein fröhlicher Paul empfing uns und als wir ihn zu einem Spaziergang mitnahmen, merkten wir, dass es ihm schon wieder sehr viel besser ging und er sich topfit fühlte.

Da aber das Bein noch dick war, machten wir nur eine kleine Runde und bemühten uns den verrückten Hüpfer zu kontrollieren.

Spätestens jetzt war uns wieder klar, warum wir ihn nicht zuhause behalten hatten und für den nächsten Besuch war auch klar, dass man mit Paul nicht  mit dem Halfter spazieren gehen kann und wir in Zukunft eine Trense im Gepäck haben werden.

Das Gute an dem Stall, in dem Paul gerade steht ist ja, dass da noch mehr Leonberger Pferde sind.

Das heißt, er fährt immer wieder jemand anderes hin und besucht sein Pferd, so dass wir regelmäßig, auch, wenn wir es selbst nicht geschafft haben, Informationen und Bilder bekommen haben.

Die Tage an denen wir selbst da sein konnten, gaben ein gutes Gefühl. Das Bein wurde immer dünner, Paul war lahmfrei, sah bis auf seine Koppelfrisur top aus und wirkte rundum zufrieden.

Nur bei unseren Spaziergängen packte er regelmäßig ordentlich auf, aber das kennen wir ja schon. So ein ganz normaler wird Paul eben nie werden.

Zum Jahresende stand auch unser letzter Besuch für 2018 an und wir wollten eine größere Runde spazieren gehen.

Die Koppeln waren nass, die Pferde nicht mehr den ganzen Tag draußen und wir wollten Paul einen Gefallen tun.

Man könnte ja meinen, man holt seinen 18-jährigen Rentner aus der Box, der nicht im Training ist, macht die Trense drauf und läuft los. Stundenlang durch den Wald. Gemütlich. Gesittet.

Pustekuchen.

Nicht mit Paul. Wir kamen ungefähr 200m weit vom Hof weg, dann war er nur noch in der Luft.

An Schritt oder wenigstens so was ähnliches war nicht zu denken und so mussten wir einsehen, dass Paul kein Spazierengehpony ist. Eher so eine Hüpf-Explodier-Känguruh oder so was ähnliches.

Trotz Trense hatten wir ordentlich zu tun, den kleinen verrückten wieder heil im Stall anzubringen.

Aber das ist ja irgendwie auch gut. Paul geht es super, er ist fit wie ein Turnschuh, der Fuß sieht ordentlich aus und er lahmt nicht mehr.

Noch im Mai hätten wir nicht gedacht, dass wir zum Jahresende auf diesem Stand sein würden und so bekommt Paul für seinen Gesundheitszustand einen Daumen hoch und wir konnten immer noch lachend über die Aktionen unseres kleinen Hüpfeponys nach Hause fahren.

Wir sind uns sicher, dass wir auch 2019 mit dem dann 19-jährigen Paul noch viel zu lachen haben werden und verabschieden ihn hiermit aus dem Jahr 2018, das für ihn einen tollen Anfang, einen bösen Crash aber dann doch wieder ein versöhnliches Ende hatte.

Und weil ich immer Ärger bekomme, wenn meine Blogs aus zuviel Bildern bestehen, ich aber so viele schöne Bilder von Paul aus 2018 habe, die zu schade sind um auf dem Laptop zu liegen, habe ich euch heute mal eine Bildergalerie mit unseren Lieblingsbildern aus diesem Jahr angehängt.

 

 

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