Ja, jetzt wo die Halbzeit in der Physioausbildung für mich vorbei ist, ist es Zeit mal kurz nachzudenken, was denn in den letzten Monaten eigentlich passiert ist.

Mitte letzten Jahres, nach meiner zweiten Reha stand ich ja vor der Aussage der Ärzte, dass sich mein Zustand nun nicht mehr verbessern würde. Man hätte mit mehreren Rehas, unendlich vielen Krankengymnastikeinheiten, noch mehr zusätzlichem Einsatz im medizinischen Fitnessstudio von mir selbst usw. alles getan, was möglich war und ist und jetzt wäre es an der Zeit, der Wahrheit ins Auge zu sehen und sich nach einem neuen Berufsplan umzuschauen.

Die Ansage war, dass die Muskulatur einfach so beleidigt und festgezurrt ist, und man das wohl nicht mehr ändern können wird. Es werden sich in den Wirbeln Artrosen bilden, die irgendwann dazu führen können, dass sich der Rückenmarkskanal doch noch verengt und ich mich doch noch irgendwann mit Lähmungserscheinungen werde abfinden müssen.

Ja, das war schon eine Ansage und ehrlich gesagt hat mich die erstmal umgehauen. Der ganze Kampf, für nichts? Die Therapueten haben alles gegeben, ich sowieso, aber irgendwann bist du eben austherapiert.

So wie Ginny damals. AUSTHERAPIERT! Was ist denn das für ein Wort? Für die Pferde heißt das in der Regel Koppel, Beistellpferd, unreitbar, also praktisch nutzlos oder einschläfern, wenn gar nichts mehr zu machen ist.

Aber was hieß das für mich? Mich wollte ja schließlich keiner auf eine Rentnerkoppel schicken. Ich stand da mit 44 Jahren, habe wahrscheinlich noch ein paar Jährchen vor mir, egal ob beweglich oder nicht, und muss irgendwie in dieser Zeit auch noch Geld verdienen.

Und so war es für mich soweit, mich zu schütteln, die Vergangenheit hinter mir zu lassen, und einen Plan B zu entwickeln. Aber wo sollte der hingehen? Du sitzt dann so vor der Seite der Arbeitsagentur und überlegst, was du denn in Zukunft machen könntest und ein Beruf nach dem anderen fällt raus, da sie meistens entweder mit körperlichem Einsatz verbunden sind, oder man sitzt eben auf seinem Hintern und schaut in den Bildschirm. Beides war keine Option. Nicht, dass ich nicht sitzen wollte, aber ich konnte ja nichtmal das. Stillsitzen,Stillstehen oder gar Liegen war ja das größte Gift für meinen Körper. Stillstand ging gar nicht.

Ja, aber was sonst? Die Idee dazu hat mir gefehlt. Also begann ich mich zu erkundigen, wie ich denn das,was ich jetzt noch in meinem Beruf machen kann ausbauen kann um mich für die Zukunft aufzustellen. Es war ja nicht so, dass ich gar nichts mehr machen konnte, aber eben eingeschränkt. Bestimmte Pferde waren und sind für mich tabu, mehrere Stunden am Stück in der Halle stehen geht auch nicht mehr, bei Kälte brauche ich meine Pausen, da mir die Hände einschlafen usw. Also praktisch alles geht so ein bisschen, aber nichts ganz. Das reicht nicht, um seinen Lebensunterhalt damit zu verdienen.

Und so stieß ich auf die Seite des DIPO. Ja, DIPO, das hatte ich schon oft gehört. die bilden Therapeuten für Pferde aus, und haben in der Reiterszene einen sehr guten Ruf.

Und so wuchs der Gedanke. Die Internetseite des Deutschen Institutes für Pferdeosteophatie war schnell gefunden und ich erkannte, dass es da auch für mich, als Nicht-Mediziner einen Ausbildungsweg gibt. Und zwar den des Pferde-Physiotherapeuten.

Und so reifte der Plan. Natürlich weiß ich, dass der Beruf des Pferdephysio körperlich auch sehr anspruchsvoll ist. Aber ich musste die Alternativen gegeneinander abwägen. Ich hatte nichts zu verlieren. Der Zukunftsblick in die Arbeitslosigkeit war ja auch nicht besser. Also beschloss ich, es wenigstens zu probieren.

Einer der Pluspunkte des DIPO war für mich, dass man sich nicht gleich für die gesamte Ausbildung entscheiden musste, das heißt, man muss auch nicht alles zahlen. Man kann die Kurse einzeln buchen, aber um am Ende die Prüfung zu machen, braucht man eben alle die dafür vorgeschrieben sind. Ich hätte also auch mittendrin aussteigen können, wenn ich gemerkt hätte, dass es gar nicht geht. Dann hätte ich zwar die Kurse bezahlt, die ich schon gemacht habe, aber ja auch einiges an Wissen mitgenommen.

Und so begann ich vorsichtig mit Physio 1 und Physio 2 und dann war klar. Das war es, was ich machen wollte und auch machen konnte. Kurs für Kurs ging es immer weiter und inzwischen laufen die Griffe, die Mobilisierungen, die Testungen schon in meinen Alltag mit den Pferden rein und ich ärgere mich schon, das nicht schon viel früher gemacht zu haben.

Wahrscheinlich werde ich nie ganztags als Physio arbeiten, ich werde keine 10 Pferde am Tag behandeln können, und ich werde mich, soweit wie möglich mit Physikalischer Therapie unterstützen müssen, aber das war mir zu dem Zeitpunkt egal. Ich brauchte eine neue Perspektive, eine neue Aufgabe.

Die Idee war und ist, dass ich mich in meinem jetzigen Beruf mit der Physioausbildung unterstütze. Das heißt, ich will weiterhin Reitunterricht machen, aber mit der Zusatzausbildung eben zielführender und besser. Ich will weiterhin meine Pferde reiten und die, die ich nicht mehr reiten kann, an der Doppellonge arbeiten und nebenbei möchte ich die Physio dazu einsetzen, dass sich meine Pferde wohler fühlen und sich besser und effektiver arbeiten lassen.

Ich möchte einfach beides miteinander verbinden und praktisch eine bessere Rundumbetreuung für die mir anvertrauten Pferde und Reiter anbieten. So kann ich ständig meine eigenen Bewegungsabläufe ändern, und kann abwechslungsreich arbeiten, und mir die Arbeitszeit so einteilen, wie es für mich zu leisten ist.

Zwischen meiner Anmeldung beim DIPO und dem tatsächlichen Beginn der Ausbildung lag aber noch ein für mich ganz wichtiger Termin.

Durch eine Miteinstellerin bekam ich den Kontakt zu Dr.Randoll und seinem Marhythe Institut verschafft.

Zu der Zeit, als ich mich angemeldet und den Entschluß gefasst habe, kannte ich Dr.Randoll noch nicht. Ich wusste noch nicht, dass es tatsächlich jemanden gibt, der noch eine Idee für mich hat. Ich habe danach auch eigentlich gar nicht gesucht. Nach der klaren Ansage, hatte ich mich mit meinem Zustand abgefunden, mir meinen Plan B zurechtgelegt und war mit mir im Reinen.

Vielleicht war dieser Schnitt die Grundvoraussetzung für alles, was danach kam. Einfach zu sagen, ich kämpfe nicht mehr gegen mich, sondern mache das Beste aus dem, was noch da ist.

Aber Dr.Randoll sah das anders. Er lud mich nach München in seine Praxis ein und wollte mir beweisen, dass man niemals aufgeben darf, bevor man nicht alles probiert hat, was möglich ist.

Und so fand ich mich auf seiner Liege wieder und lernte das Matrixmobil kennen.

3 Stunden lang wurde ich mit zwei Geräten gleichzeitig behandelt und Dr.Randoll erklärte mir nebenbei die Wirkungsweise des Gerätes. Das hörte sich alles ganz schlüssig an, mir war schon klar, dass man die Eigenbewegung der Muskulatur wieder herstellen muss, damit sich meine Haltungsveränderungen wieder verbessern, aber wie bitte wollte er hinbekommen, was wir in all den Therapien vorher nicht geschafft hatten? Ist ja nicht so, als hätte man das Problem nicht schon längst erkannt, aber gelöst bekamen wir es eben nicht.

Naja, langer Rede, kurzer Sinn. Er hat geschafft, was keiner geglaubt hätte.

Nach drei Stunden stand ich von meiner Liege auf, und lief los. Das fühlte sich gut an. Sehr gut sogar. Ich fühlte mich irgendwie leicht. Nicht mehr so schwerfällig wie bisher, nicht so steif, so unbeweglich und trampelig.

Anfangs nahm ich das noch gar nicht Ernst. Ich glaubte ja nicht mehr an mich. Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Innerhalb der nächsten Tage und Wochen merkte ich, wie in meinem Körper sehr viel passierte.

Ich konnte wieder laufen, ohne mich z.B. an einem Einkaufswagen abzustützen, oder frei stehen, ohne mir gleich irgendwo etwas zum anlehnen zu suchen. Ich merkte, wie ich selbst wieder aufrechter wurde und durch das Lösen der Brustmuskulatur wieder besser Luft bekam.

Und das wichtigste, was meine Lebensqualität unendlich beeinflusst hat, war, dass ich wieder schlafen konnte. Diese wahnsinnigen Druckschmerzen, die ich immer dann bekam, wenn ich mich nicht mehr bewegt habe, und die dazu geführt haben, dass ich nie länger als 2 Stunden am Stück schlafen konnte, waren weg. Einfach weg. Ihr werdet das nicht nachfühlen können, aber die ersten Nächte, die man wieder durchschläft, das ist eine tolle Erfahrung. Da merkt man dann erstmal, wie wichtig ein guter Schlaf ist.

Ja, trotzdem fasse ich mich kurz. Dr.Randoll hat geschafft, an was keiner mehr geglaubt hat. Er hat mir den Weg wieder geebnet und mir die Anleitung dazu gegeben, wie ich mich selbst mit dem Matrixmobil behandeln und damit Schritt für Schritt meinen Körper wieder in Schwung bringen kann.

Ja, und an diesem Punkt stehe ich heute.

Ich darf eine Ausbildung machen, die mir wahnsinnig Spaß macht.

Ich habe eine neue Perspektive, hoffentlich für die nächsten Jahre.

Ich denke momentan nicht mehr darüber nach, was passiert, falls das, was die Ärzte prophezeien, eintritt, nämlich, dass es später doch noch Lähmungserscheinungen geben kann.

Ich lebe einfach das Leben jetzt so wie es kommt und mache mit meinen Möglichkeiten das Beste draus.

Und genau dasselbe möchte ich für meine Pferde erreichen. Nicht jedes Pferd ist mit perfekten körperlichen Voraussetzungen geboren, manch einer wird durch Verletzungen, Krankheiten oder sonstigen Sachen aus der Bahn geworfen. Und trotzdem haben sie alle irgendwo ihre Daseinsberechtigung und haben es verdient, dass wir sie so gut wie nur möglich unterstützen.

Für mich geht es nun in die Endspurtphase an Seminaren. 3 Seminare stehen insgesamt noch an, bis Mitte Mai habe ich alles Input, das ich brauche, um meine Tiere optimal unterstützen zu können. Über Stresspunktmassage, Physiotherapie, Anatomie, Neurologie, Akkupressur, Trainingslehre und vielen weiteren Themen werde ich dann bis Mitte Juli brüten, um dann hoffentlich erfolgreich meine Abschlussprüfung zur DIPO Physiotherapeutin abzulegen.

Nebenbei durfte ich mich noch bei Marhythe und Bemer zu Partnern ausbilden lassen und bin berechtigt, die jeweiligen Geräte anzuwenden. Genau diese physikalischen Hilfsmittel werden ein großer Baustein in meiner Arbeit werden, da ich damit eigene körperliche Defizite gut ausgleichen und das Beste für mich und meine Vierbeiner rausholen kann. Gleichzeitig weiß ich natürlich aus eigener Erfahrung was diese Geräte bewirken können und deshalb kann ich sie auch gezielt einsetzen und meinen Pferden nachfühlen, wie es ihnen damit geht.


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