Ein Plan nimmt Formen an.

Es ist jetzt eine Woche her, da saß ich hier und habe aufgeschrieben, dass ich mich von meinem ursprünglichen Lebensplan verabschieden werde.

Aufgeben ist (k)eine Option

Natürlich habe ich das nicht aus einer Laune heraus geschrieben.

Schon seit einiger Zeit muss ich mich ja damit beschäftigen, dass Plan A  nicht mehr oder nur  noch bedingt funktioniert.

Ein sehr langer Weg, auf dem ich eigentlich immer auf der Suche nach der Optimallösung war liegt hinter mir.

Ganz kurz, mein ganz ursprünglicher Plan, also der, den ich  mit mit 20 Jahren zurecht gelegt hatte, war, erst meine beiden Kinder bekommen, währenddessen soweit wie es mit der Familie zu verbinden ist, Berufserfahrung sammeln und dann, wenn die beiden groß sind, die Meisterprüfung machen.

Der Plan schien gut. Inzwischen sind die beiden groß, stehen auf eigenen Beinen und ich wäre bereit gewesen für den weiteren Schritt.

Das hätte jetzt alles perfekt gepasst. Die Kinder stehen auf eigenen Beinen, ich bin Anfang 40, und hätte nun durcharbeiten können bis zur Rente. Ich wollte damals nicht etwas anfangen, dann wegen den Kindern wieder aufhören und wieder neu anfangen. Ich wollte eins nach dem anderen.

Soweit so gut, oder so schlecht, das wird halt nichts mehr.

So kurz vor dem Ziel ausgebremst werden ist schon hart.

2017, nach Nina`s Abitur sollte es losgehen.

Ja, 2017 ging halt nichts mehr los. Inzwischen waren sich auch die Ärzte einig, dass sie eigentliche Prognose, dass das alles komplett verheilt und  ich wieder ganz normal arbeiten werde, so nicht mehr zu halten ist.

 

Die Gedanken begannen zu kreisen.

Was kann ich machen?

Aus dem Alter einfach eine neue Ausbildung anzufangen bin ich ja nun raus.

Zudem ist es ja auch eine finanzielle Frage.

Noch bin ich mit der Versicherung nicht so weit gekommen, dass sie mich dabei unterstützen würden, muss das Ganze also auch irgendwie finanzieren können.

Eigentlich arbeite ich ja nicht, um von der Straße weg zu sein, sondern um mich am Lebensunterhalt der Familie zu beteiligen und die Pferde zu verhalten.  Also nicht nur zum Spaß.

Ein Bürojob kommt nicht in Frage, da ich nicht mehr längere Zeit sitzen kann. Ich muss praktisch rund um die Uhr in Bewegung bleiben, dann kann ich die Schmerzen im erträglichen Maß halten. Sitzen, Stillstehen oder Liegen gehören nicht mehr zu meinen Reportaire.

Ich muss es also mit meiner Krankengymnastik, die ich dauerhaft brauchen werde, meinem jetzigen Beruf, den ich nur teilweise aufgeben kann und will, meiner Gesundheit und meiner Familie vereinbaren können.

Klingt danach, dass es unmöglich ist.

 

So kreisten die Gedanken, neue wurden entwickelt und wieder verworfen, weil es einfach nicht umsetzbar war.

Und ich marschierte in dieser Zeit fleißig in meine Krankengymnastik und in meine Reha und durfte und darf immer noch am eigenen Leib erfahren, was die Therapeuten hier mit mir anstellen, was sie hinbekommen.

Klar, werde ich nie wieder voll beweglich, zaubern können die ja auch nicht, aber sie schaffen es immerhin das Bestmögliche für mich rauszuholen, sie wissen genau, welches Training für mich am Besten ist, und die Kombination aus Muskellockerung durch manuelle Therapie, Wärme, Gerätetraining und Entspannung ist durchdacht und zielführend.

Und so reifte nach und nach ein verrückter Gedanke.

Ich wollte das auch können.

Natürlich ist das völlig absurd. Die Menschen, die da arbeiten haben das viele Jahre lang gelernt, da sind studierte Mediziner dabei, gelernte Physiotherapeuten, Bewegungstrainer, Fitnessökonomen, Masseure usw. das kann ich ja nicht lernen.

Das bilde ich mir auch gar nicht ein, aber bei meinen Recherchen über Muskelfunktionen, das Zusammenspiel des Körpers und der Muskulatur war ich natürlich auch viel im Internet unterwegs.

Es geht ja hier auch  nicht nur um mich.

Ich habe ja schließlich auch noch ein kompliziertes Pferd im Stall stehen.

Ein Pferd, das  mich immer noch jeden Tag vor neue Aufgaben stellt und sich vor 4 Jahren nicht mal  mehr anfassen lassen wollte, vor lauter Schmerzen. Ich glaube, jeder Muskel, den dieses Pferd besitzt war hart wie Stein, so dass nichtmal die Akkupunkteurin eine Nadel setzen konnte.

In dieser Zeit, hat mir eine Stallkameradin, die ganz fit in Physio  und Massage war sehr viel  mit ihr geholfen.

Nach und  nach habe ich von ihr auch Massagetechniken gelernt und damit angefangen Ginny zu helfen.

Und es hat ja funktioniert bei ihr.

Wir haben ja, auch über eine lange Zeit hinweg, wieder ein einigermaßen ordentliches Reitpferd aus ihr gemacht.

Das zu beobachten, zu sehen, wie sie sich alleine durch ein paar geschickte Handgriffe und Dehnübungen entspannt, das macht mir schon lange Spaß. Die Pferde zeigen einfach gleich, wenn ihnen etwas gut tut.

 

 

Neben meinen eigenen Pferden, gibt es aber ja auch noch die Berittpferde.

Und auch bei denen stand ich oft an einem blöden Punkt.

Man sitzt als Reitlehrer da, oder als Bereiter drauf und merkt, dass da irgendwas nicht stimmt.

Man fühlt es und man sieht es, man kann es aber nicht ändern.

Ich rede hier nicht von Lahmheiten, für die man ganz klar den Tierarzt holt, ich rede von Kleinigkeiten, die sich summieren.

Oft sitzt man drauf und das Pferd lässt sich nicht mehr richtig stellen. Oder es findet den Takt nicht, ist aber eigentlich nicht lahm, aber eben auch nicht in Ordnung.

Bei meinen Berittpferden, die ich schon lange kenne, weiss ich ja, wie die sich anfühlen. Und dann ist es irgendwie anders.

Klar versucht man es reiterlich zu lösen, oft auch an der Doppellonge, aber immer wieder kommt man an den Punkt, an dem man nicht mehr weiter kommt und Hilfe braucht.

Und die suchen wir dann im Physiotherapeut, im Osteopath oder im Chiropraktiker.

Aber diese Leute werden gerade immer gefragter. Bis man wirklich sagt, wir kommen hier nicht weiter, das mit dem Pferdebesitzer abklärt und dieser dann einen Physio anruft, geht schon mal eine ganze Zeit ins Land. Dann kann man nochmal mit einer Wartezeit von 2-6 Wochen warten, bis man einen Termin bekommt. Und bis dahin longiert man sich dumm und dubbelig, weil man nicht mehr reiten möchte, es nicht   noch schlimmer machen möchte und seinem Pferd auch nicht schaden will.

Und genau da möchte ich  nun gerne ansetzen.

Ich habe mich natürlich immer wieder schlau gemacht, wie ich den Pferden in der Zwischenzeit, bis der Therapeut kommt helfen kann und wollte natürlich auch wissen, was ich nach der Therapie für die Pferde tun kann.

Und so stieß ich auf die DIPO

Die hatten das perfekte Angebot für mich.

Lange Zeit reifte der Gedanke nun schon und wenn ich im normalen Bereiteralltag geblieben wäre, hätte ich gar nicht die Zeit gehabt das umzusetzen.

Dadurch, dass ich ja aber sowieso kürzer treten muss, kann und werde ich mir nun die Zeit freischaufeln, und habe mich zur Ausbildung zur Pferdephysiotherapeutin angemeldet.

 

 

Meine Idee hinter dem Ganzen ist, meine reiterliche Erfahrung, den Unterricht und die Physiotherapie miteinander zu verbinden. Das heißt, ich möchte nicht nur zu einem Physiotermin bei einem Pferd gehen, sondern ich möchte das im Gesamten sehen.

Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass mir die Physio wenig bringt, wenn sie nur einmal gemacht wird. Sonst würde ich ja nicht zwei bis viermal in der Woche dahin gehen.

Ich möchte lernen, wie ich den Pferden und den Reitern dabei helfen kann mit manueller Unterstützung, mit noch mehr Wissen über Zusammenhänge im Pferdekörper, Sattelzeug, Hufbeschlag und allem was dazu gehört ihre Partner fit zu machen und zu halten.

Praktisch die Verbindung aus Physiotherapie, aber danach auch weiterarbeiten.

Mit Unterricht, mit Beritt, mit Doppellonge, was eben notwendig ist, um alles zu festigen.

Und diesen Weg werde ich jetzt gehen.

Ein bisschen muss ich mich noch gedulden. Aber im Januar geht es endlich los.

Bis dahin werde ich weiterhin alle Infos aufsaugen, die ich bekommen kann, die ersten Bücher sind schon da, damit ich nicht völlig unwissend dort ankomme und die Kunden sind vorgewarnt, dass ich ihre Pferde als Übungspferde brauchen werde.

Für mich ist das eine Entscheidung, die hoffentlich in die richtige Richtung geht, die wohl auch die einzige Möglichkeit für mich ist irgendwie nicht komplett aus meinem Beruf auszusteigen, aber eben mich nicht mehr dem Risiko des Berittpferdereitens auszusetzen. Ob ich es körperlich schaffen werde, steht auf einem anderen Blatt, aber wenigstens versuchen muss ich es.

In diesem Sinne, auf geht`s zu neuen Plänen, Herausforderungen sind schließlich dazu da, sie zu meistern.

Ich freue mich auf die Zeit und bin schon gespannt, was da dann alles auf mich zu kommt.

 

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