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Letztes Jahr bin ich zufällig auf einen Bericht einer Ergotherapeutin gestoßen, die sogenannte Balance Pads in ihrer täglichen Arbeit mit menschlichen Patienten benützt und das dann auch auf Pferde umgesetzt hat.

Erst dachte ich mir kurz, das klingt ja irgendwie komisch, der zweite Gedanke war, da stehen meine Pferde niemals drauf.

Aber neugierig war ich dann ja doch. Schließlich ist es mir noch gut in Erinnerung, dass auch ich in meiner Reha mit so etwas kämpfen musste, und das war echt nicht einfach. Ich hatte so ein Wackelbord, da musste ich abwechselnd auf einem Bein drauf stehen, und mit dem anderen Bein Kreise ziehen. Das war nicht so einfach wie es sich anhört, aber ich habe selbst gemerkt, wie ich damit meine Koordination und Körperwahrnehmung fördern kann. Nach 5 Wochen Reha und täglichen Balanceübungen, ging das ganz einfach und meine Haltung war deutlich besser geworden. Ich für mich habe jetzt keine spürbare Muskulatur damit aufgebaut, aber ich habe schon gemerkt, dass durch die Mini-Bewegungen meine Rückenmuskulatur lockerer wurde und ich dadurch wieder aufrechter stehen konnte.

Von dem her, wollte ich es auch bei meinen Pferden ausprobieren. So teuer sind die Pads ja nicht, dass man es nicht einfach mal probieren könnte. Wenns nicht klappt, ist nicht viel kaputt und man findet bestimmt noch eine andere Verwendung dafür.

Ich habe erstmal mit einem Pad begonnen, zum Probieren.

Unser eigentlich super gechillter Calle hat sich tatsächlich vor dem blauen Teil am Boden gefürchtet. Das hätte ich überhaupt nicht erwartet. Aber mit ein bisschen Geduld, gutem Zureden und vor allem drauf achten, dass er nicht runterschaut, ging das dann ganz gut. Wir haben ihr vorne abgelenkt, während eine zweite Person den Fuß auf das Pad gestellt hat und gewartet hat, bis er belastet. Es war bei ihm nicht die Berührung des Pads, wenn er nicht nach unten geschaut hat, war das gar kein Problem.

Was am Anfang noch gar nicht ging, war den zweiten Vorderhuf auf das Pad zu stellen. Stand er einmal sicher auf dem Pad wollte er das auf dem Boden stehende Bein nicht mehr anheben. Das war ihm dann wohl doch zu unsicher. Das war einiges an Übung, aber inzwischen hat er Vertrauen gefunden und traut sich auch, sich zu bewegen, wenn er drauf steht.

Im Gegensatz dazu waren die Hinterbeine nie ein Thema. Hinten stand er von Anfang an lässig drauf, auch mit beiden Beinen und hat total entspannt.

Da Calle ja momentan noch nicht im Training ist ( was man ihm leider auch deutlich ansieht) kann ich keine Aussage darüber machen, ob und wie es uns beim Reiten weiterhilft. Für Calle ist es inzwischen eine Abwechslung geworden, wenn er am Putzplatz steht und “gewellnesst” wird.

Allerdings hat Calle nicht so viel Geduld und steht meist nur eine Minute drauf und geht dann von selbst wieder runter. Das haben wir uns inzwischen so angewöhnt. Über die Erfahrung mit verschiedenen Pferden haben wir es so entwickelt, dass wir die Pferde damit alleine lassen. Jeder steht so lange drauf, wie er will. Der eine länger, der andere weniger lang.

Da Calle sich nebenbei wenig bewegt, muss er nicht so viel ausbalancieren, deshalb habe ich auch keine Angst um seinen operierten Fuß. Was ich natürlich vermeide, ist das Pad bei ihm zu benutzen, wenn er unruhig ist, da es für ihn, wenn er sich erschrecken und runterspringen würde, kontraproduktiv wäre. Alles also ein bisschen mit Verstand und Gefühl, dann ist es eine gute Sache.

Ganz anders ist dagegen Ginny. Sie ist ein wahrer Padprofessor geworden.

Ginny konnte ich von Anfang an mit einem, mit beiden Vorder,- oder Hinterbeinen oder auch diagonal auf die Pads stellen. Weil das mit ihr so easy ging, habe ich mir schnell ein zweites bestellt. ( Inzwischen sind es 4 geworden). Bei Ginny merkt man im Vergleich zu Calle ganz viel kleine Bewegungen. Ich kann hier in den Blog leider keine Videos einfügen, aber bei Riders Deal auf der Instagram-Seite ist ein kurzes, da könnt ihr ja mal reinschauen.

Natürlich habe ich mich vor Verwendung der Pads etwas eingelesen, wie und wie lange man diese verwenden soll. Eigentlich wollte ich ja auch nur kurz anfangen. Aber Ginny sah das anders. Sie stellt sich drauf und da steht sie dann. Sie kann nebenher vorbeilaufenden Pferde angiften, sie kann am Holz nagen, ohne, dass sie sich auch nur annähernd von den Pads runterbewegen würde. Da sieht man dann ganz schön viel Bewegung. Wenn sie ihren Hals bewegt, kommt ganz schön viel unten an. Aber es ist ja gut, dass sie es kann, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Das Gleichgewicht verlieren heißt in dem Fall nicht, dass das Pferd umfällt ( tatsächlich habe ich diese Frage bekommen), sondern, dass sie einfach vom Pad runtergeht.

Bei Ginny habe ich schon eine Veränderung bemerkt. Klar machen wir auch viele andere Sachen, aber ich glaube die Summe aus verschiedenen Trainingsvarianten macht am Ende den Erfolg.

Ginny z.B. hatte immer ein Problem hinten geschlossen zu stehen. Sei es beim Reiten oder auch am Putzplatz ( wo man es ja eigentlich weniger beachtet) , aber es war klar, dass sie das Gleichgewicht besser halten konnte, wenn sie hinten breit stand und am besten noch ein Bein deutlich weiter vorne als das andere.

Warum sie es so einfach akzeptiert hat, mit beiden Beinen nebeneinander und unter ihrem Schwerpunkt zu stehen und da auch stehen zu bleiben ohne mit einem Bein rückwärts zu treten, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich kann es nicht erklären, sie hat es einfach gemacht. Seitdem steht sie auch unter dem Reiter immer öfter geschlossen und man hat das Gefühl, sie kann sich schon im Übergang zum Halten besser ausbalancieren.

Ich halte die Pads für eine einfache und nicht zeitaufwändige Möglichkeit die Wahrnehmung der Pferde für ihren eigenen Körper zu schulen. Für manche mag es auch einfach nur ein gutes Gelassenheitstraining sein, auf so etwas draufzustehen. Egal wie, einen Versuch ist es wert.

Natürlich( ihr glaubt nicht, welche Fragen manchmal bei mir ankommen) ersetzt das nicht das Reiten. Ein abwechslungsreiches Training kann durch kein Hilfsmittel ersetzt werden, das sollte klar sein. Auch ist mein Pferd nicht bewegt und gearbeitet, wenn ich es 10 min auf die Pads stelle und dann wieder in die Box. Das reicht natürlich nicht, aber das sollte ja jedem klar sein. Es ist ein Hilfsmittel, kein Trainingsersatz für zu faule Reiter, sondern ein nettes Nebenbei. Ich zeige euch auf den nächsten Bildern noch ein paar Varianten, wie ihr die Pads einsetzen könnt und falls ihr es probieren wollt, wünsche ich euch viel Spaß damit und denkt dran, geht es geduldig an, lobt eure Pferde, wenn sie es gut machen, oder sich einfach nur trauen.

Jedes Pferd hat ein eigenes Lerntempo und manch einer wird sich vielleicht auch nicht wohlfühlen, das sollte man dann auch nicht verzwingen.


Variante 1: Ein Vorderhuf, Pad längs, dann ist könnte man noch ein anderes daneben legen, wenn der zweite Huf noch drauf soll.
Variante 1: Seitenansicht

Variante 2: Diagonal vorne hinten
Variante 3: Beide Hinterhufe auf zwei Pads
Variante 4: Beide Vorderhufe einzeln auf zwei Pads ( ist einfacher, als auf einem Pad)
Variante 5: Alle Füße auf zwei Pads verteilt. ( geht natürlich auch auf 4 Pads), und nebenbei noch den Zaun annagen 😉

Ich denke, ich habe euch einen kleinen Überblick gegeben, was ihr mit den Pads machen könnt. Eurer Phantasie sind natürlich keine Grenzen gesetzt, hört einfach auf euer Pferd, verzwingt nichts, dann werdet ihr Spaß damit haben. Und wenn ein Pferd damit gar nicht kann, dann ist es eben auch so.

Ich habe auch viele Fragen bekommen, welche Muskeln genau angesprochen werden, wie sie trainiert werden und warum. Dazu kann ich euch keine Antworten geben, da ich das ganze aus dem Gefühl raus mache, aber nicht als wissenschaftliche Studie betreibe, aus der raus ich solche Aussagen machen könnte. Lasst es einfach selbst auf euch wirken und probiert es aus. Falls ihr euch unsicher seid, ob es für euer Pferd das Richtige ist, sei es, dass ihr eine Krankengeschichte oder sonstiges hattet, dann fragt einfach euren Physio oder Tierarzt.

Was am Ende noch zu sagen ist, ist das Thema Haltbarkeit.

Meine Pferde stehen mit Eisen und Widiastiften drauf und man sieht zwar die Abdrücke, aber bisher noch keine Löcher. Und wenn, dann wäre das wohl auch nicht schlimm. die Abdrücke gehen nach einer Zeit wieder in die Form zurück. Was ihr vielleicht vermeiden solltet, ist dass sich ein Pferd mit Eisen, Stiften oder Stollen darauf dreht, darauf scharrt oder reinbeisst. Damit bekommt man ja am Ende alles kaputt und in diesem Fall wird das Pad auch nicht ersetzt, weil das dann kein Materialschaden ist. Bei normaler, bestimmungsgemäßer Benützung halten die Pads bei mir bisher sehr gut und sind jetzt ca. seit einem halben Jahr bei einigen Pferden im Einsatz.

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