Und wieder ist eine lehrreiche, anstrengende aber auch erfolgreiche Woche in Kreuth vorbei. Erfolgreich gar nicht wegen der Anzahl der Schleifen, mit der wir zwar durchaus zufrieden sein können, um die es aber in Kreuth gar nicht geht.

Das Starterfeld war diese Woche sowieso so stark , dass man in den M-Springen nicht nur fehlerfrei reiten musste, sondern auch noch sehr schnell. mit einer normalen, guten Nullrunde ist man hier nicht mal platziert und mit einer 8,3 als Stilnote muss man auch noch um eine Schleife zittern. Das liegt eben daran, dass das Turnier so ausgeschrieben ist, dass auch die Reiter mit höheren Leistungsklassen die Pferde in kleineren Prüfungen reiten dürfen, was man zuhause nicht darf .

So durfte ich mit LK 4 in der Dressur Ginny nur reiten, weil sie L platziert ist, ansonsten hätte ich nicht mal reiten dürfen. Das heißt aber eben auch, man reitet hier gegen LK 2 und 3 und die paar 4er, die reiten haben alle mindestens L-platzierte Pferde.  Und schon weiß man, warum das keine einfache Aufgabe ist.

Und so ist es auch im Springen. Die Profis haben viele Pferde dabei, die sie mit für sie  kleineren Springen Warmreiten für die Saison, und dementsprechend reiten können und die Pferde sicher nicht nur für M gedacht sind. Zum Zuschauen war das Klasse. Es gab eigentlich nur gute Bilder von gut reitenden Profis, tollen Pferden. Man muss sich ja nur mal die Ergebnisse der Springpferde-M Prüfungen anschauen, das sagt schon alles.

Toller Sport also an einem wettertechnisch perfektem Wochenende mit super Bedingungen.

Aber jetzt erstmal zu uns. Wir hatten so viel Glück. Wir fuhren mittags im Stall los und passierten gerade noch auf der Autobahn einen Unfall, der kurz danach zu einer Vollsperrung der Autobahn führte und unsere Mitreiter, die etwas später losgefahren sind standen stundenlang im Stau.

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Wir waren unterdessen ganz alleine in unsere Boxen eingezogen. Das hatte ich noch nie. Ganz alleine in den Aussenboxen. Fast hatte man das Gefühl, man wäre am falschen Wochenende da. Wir packten in aller Ruhe aus mussten aber aufgrund der Umstände gleich beide Pferde zum Warm-Up  mitnehmen. Wir hätten ja nicht einen ganz alleine in den Boxen stehen lassen können. Also, beide Pferde gesattelt und ab ins Stadion, in dem wir dann auch nicht mehr alleine waren.

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Nina begann mit Calle, und ich versuchte durch immer wieder wegreiten mit Ginny die Situation zu simulieren, die ihn auf dem Turnier so durcheinander bringt. Wenn nämlich alle Pferde auf dem Platz sind, ist es ja kein Problem. Aber das war ihm heute schnuppe. Er schaute zwar nach Ginny und wieherte jedem anderen braunen Pferd zu, aber er sprang trotzdem zuverlässig und wir waren sehr zufrieden mit ihm. Das ist eben der große Vorteil von Kreuth. Man kann im Warm-Up genau die Sachen mal probieren, die eben nicht funktionieren und die Pferde haben Zeit anzukommen.

Kurz umgesattelt und schon ging es für Ginny los. Sie ist ja unser Überraschungspaket. Man weiß nie, was passiert, aber er war natürlich top für sie, dass sie schon eine halbe Stunde auf dem Platz Schritt ging, andere Pferde mit auf dem Platz waren und sie sich alles anschauen konnte. Das bestätigt uns wieder darin, dass es bei ihr eine reine Nervensache ist, was uns zwar auch nichts nützt, aber jeglicher Verdacht, dass ihr was weh tut, sie nicht springen kann oder will ist damit mal wieder unbegründet. weil sie tut es ja durchaus und auch freiwillig und mit Spaß, wenn eben für sie die Rahmenbedingungen passen.

Heute gibt es mal ein ganz kurzes Video, dass ich von Calle aus gefilmt habe, die Qualität ist dementsprechend, aber man sieht trotzdem, was ich meine. Ginny kann es, wir müssen es nur schaffen, dass wir ihre Nerven noch mehr stabilisieren.

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Und so ging es für uns nach einem tollen Warm-Up noch eine gemütliche Runde im Gelände spazieren.  Das ist genau das, was Ginny braucht, das Springen in fremder Umgebung, aber eben in Ruhe. So wird sie es vielleicht irgendwann noch lernen, dass man ihr im Parcours nichts Böses will und sie sich einfach auf ihren Reiter konzentrieren und verlassen kann. Noch sind wir nicht da, wo wir hinwollen, aber den Punkt werden wir auch nur erreichen, wenn wir nicht aufgeben, immer wieder versuchen, was geht, wie es geht und auch Rückschläge wegstecken, ohne aufzugeben.
Dieses Warm-Up war wieder ein kleiner und guter Schritt in die richtige Richtung.

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Damit war der erste Tag auch schon beendet. Als wir aus dem Gelände zurück kamen, waren auch unsere anderen Reiter schon angekommen und in unserer Stallgasse war Leben.  So war das dann auch gut für die Pferde, weil sie ihr Abendessen in Gesellschaft genießen konnten und sich nicht alleine fühlten.

Die Pferde waren schnell zufrieden und wir konnten den Tag beenden.

Am nächsten Tag gab es für Ginny noch keine Prüfung. Man konnte zwar leider nicht mehr ins Stadion, aber sie ging eine halbe Stunde auf dem Abreiteplatz und machte dort auch ein paar Sprünge.

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Auch heute waren wir total zufrieden mit ihr, weil sie so gelassen war. Sie war kein bisschen über die Uhr, wie noch auf den letzten Kreuth-Turnieren, wo wir am Abreiteplatz durchaus mal Explosionsgefahr hatten. Heute nicht, sie absolvierte das Training wie ein alter Hase und in uns keimt immer mehr Hoffnung, dass sie es irgendwann wieder sortiert bekommt.

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Für Calle ging es aber heute schon los. Da er ja über den Winter komplett Pause hatte und auch zuhause erst seit März ernsthaft trainiert wird, begannen wir mit einem L-Springen.  Wir wollten ihm erstmal ein gutes Gefühl in einer leichten Prüfung geben, vor allem, weil wir ja nicht wussten, wie der Pubertätsstand diese Woche sein wird.

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Leichte Prüfung war jetzt übertrieben. Der Parcourschef wollte es schon wissen. Sehr lange Parcours mit schon in den L-Springen immer zwei Kombinationen und einfallsreiche Wege machten die Parcours nicht zu leicht. Ganz reelle, ordentliche L-Springen eben, die den Leistungsklassen, die starten durften angepasst waren.

Aber Calle machte seine Sache gut. Wir waren recht erleichtert, als wir den Parcours anschauten, es gab nämlich keinen Sprung, der direkt vom Abreiteplatz weg ging. Ja, auf was man alles schaut, wenn man mal ein Problem hatte.

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Und so sammelte er heute sein erstes Schleifchen in diesem L-Springen ein. 6. wurden die beiden mit einer sicheren, aber nicht auf Zeit gerittenen Runde. Damit waren wir total zufrieden und meldeten für den nächsten Tag gleich nochmal ein L-Springen um diese  Sicherheit zu bestätigen.

Auch das hat dann nach Plan funktioniert.  Ist ja schon irgendwie neu, dass bei uns mal was nach Plan funktioniert, das sind wir ja gar nicht gewöhnt, fühlt sich aber echt gut an, das muss ich schon zugeben.

Im Stil-L, dass man auch mit LK 3 reiten durfte, und die Konkurrenz dementsprechend stark war, konnten sich die Beiden mit wieder einer sicheren Runde eine 8,3 sichern. Lange mussten wir warten, ob diese Note überhaupt für eine Platzierung reicht, aber am Ende waren die beiden dann 5.

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Ginny durfte heute mit der Dressur beginnen. Das ist ein bisschen schade in Kreuth, dass irgendwie immer die schwerere Dressur zuerst ist. Also für uns halt. Für andere, die ihre Pferde auf die M-Tour vorbereiten ist die L8 natürlich schön zum einlaufen, aber bei mir ist es halt andersrum. Bei mir beginnt es mit der schwersten und dann wird es mit den L Trense leichter.
Die L8 ist schon auf dem großen Viereck. Ich muss schon sagen, 60m sind mit Ginny ganz schön lang, vor allem auf der Diagonalen im Mitteltrab. Aber das ist ja in dieser Prüfung für uns sowieso egal, wir nehmen sie als Dressur-Warm-Up. Es geht hier nur darum, dass sie das Viereck gesehen hat und nicht in der Galopptour eskaliert. Da ich hier nicht für eine Schleife reite, kann ich diese Prüfung praktisch als Beifahrer reiten und damit dafür sorgen, dass Ginny einfach nur entspannt bleibt. Das Ergebnis mit 5,6 passt genau zu unserer Leistung, für eine brave, entspannte Dressur gibt es logischerweise nicht mehr, aber das ist auch in Ordnung, mein Plan ist ja ein anderer.

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Witzig, wenn ich die Bilder so anschaue, sieht man genau, wie ich Ginny in der Galopptour beruhige und deutlich in Hab-Acht-Stellung bin. 😉 und ja, die Ellbogen sind bei Ginny immer ein Problem. Sie ist einfach zu schmal. Bei Calle habe ich das Problem nicht. Aber bei Ginny müsste ich, damit meine Ellbogen anliegen, die so an den Körper quetschen, dass ich gar kein Gefühl mehr hätte, das ist halt jetzt so, da habe ich  in einer schwierigen Prüfung noch keine Zeit darauf zu achten.

Calle war zwar in der Dressurtour auch gemeldet, aber es war klar, wenn er gute Springen geht, dann konzentrieren wir uns darauf und er muss keine Dressur gehen.

Aber weil Calle im L so sicher ging, entschieden wir, ihn nachmittags noch das M* zu reiten.  wir halten uns das ja immer offen, und reiten dann das, was sich gut anfühlt. Wäre das L schlecht gewesen, hätten wir am nächsten Tag nochmal ein L geritten, aber so fühlte es sich an, als sei es richtig das M zu reiten. Und so war es dann auch. Calle ging auch im M eine sichere Nullrunde. Leider war die Runde ein bisschen zu langsam, weil die Beiden sich vor dem Joker kurz über die Distanz uneinig waren und Calle mal kurz zeigte, was er tut, wenn ihm was nicht passt, aber Nina schaffte es, ihn nochmal in Schwung zu bringen und so reichte es  zur 2. Reserve . Wieder ein Schritt geschafft und wie wir so gerne sagen: ” Alles gut”

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Damit waren die ersten beiden Turniertage in Kreuth vorbei und ich muss jetzt auch los. Die Pferde wollen auf die Koppel, die Turniersachen wollen gewaschen werden usw. In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Tag und den zweiten Kreuth-Teil schreibe ich auf, sobald ich wieder zuhause bin.

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