Reiten ist ja kein Teamsport wie Fussball oder sonstige Mannschaftssportarten

Wenn man so in eine Siegerehrung auf dem Turnier oder auch die Bilder in der Presse anschaut, könnte man meinen, dass Reiten nur aus dem Reiter und seinem Pferd besteht. Ein Mini-Team praktisch.

Aber wenn man mal hinter die Kulissen schaut, dann sieht man, dass die Siegerehrung nur das Ergebnis einer sehr großen Teamleistung ist. Hinter dem Erfolg des Reiters und seines Pferdes stehen unheimlich viele weitere Menschen, denen dieser Blog heute mal gewidmet sein soll.

Als wichtigste Personen in einem Team rund um den Reiter sollte man wohl die Pfleger ansehen, die meistens still im Hintergrund arbeiten. Auf vielen großen Turnieren ist es ja schon üblich, dass auch die Pfleger eines platzierten Pferdes eine Anerkennung bekommen. Das finde ich eine sehr schöne Geste und sollte auch im heimischen Stall anerkannt werden. Die meisten Amateurreiter sind ja Vollzeit berufstätig um sich den Partner Pferd leisten zu können. Deshalb ist ja gar nicht möglich, dass sie ihr Pferd selbst versorgen. Profireiter haben in der Regel so viele Pferde  zu reiten, dass sie die Versorgung und alles was rund um das Pferd noch dazu gehört gar nicht selbst machen könnten, außer, ihr Tag hätte 48 Stunden. Deshalb ist wohl das Pflegeteam rund um das Pferd als elementar anzusehen. Die Pfleger kümmern sich darum, dass das Pferd gemistet und gefüttert wird,  sie haben ein Auge darauf, ob denn mit unserem Partner alles in Ordnung ist, erkennen, ob die Decke zu warm oder zu kalt, oder eventuell verrutscht ist und wenn die Pfleger uns nicht anrufen, dann wissen wir, dass wir in Ruhe arbeiten können, weil im Stall alles in bester Ordnung ist.
Da unsere Pferde ja nicht nur geritten, sondern auch rundum versorgt werden, gehören natürlich auch diejenigen dazu, die um das weitere Wohlergehen den Tag über sorgen. Klar ist es oft auch der Reiter selbst, der für genügend Bewegung und Abwechslung sorgt, oft hat man aber auch noch ein Betreuungsteam im Hintergrund, das für den Koppel,- und Führmaschinenservice, das Aufheben beim Hufschmied, die Alternativbewegung rund um das Reiten wie Longieren usw. sorgt.
Und als nächstes nicht zu vergessen, das Gesundheitsteam rund um unser Pferd. Der Tierarzt, der Tag und Nacht erreichbar ist, der Hufschmied, der dafür sorgt, dass unser Pferd auf einem stabilen Gerüst steht und natürlich auch jederzeit erreichbar ist, wenn uns mal wieder ein Eisen um die Ohren geflogen ist. Egal. ob Sonntag, Feiertag, Abendstunden, sie sind immer für uns da und im Notfall auch schnell zu erreichen. Die meisten Reiter haben auch noch ein Kontingent an weiteren Gesundheitsmitarbeitern zur Verfügung. Regelmäßige Besuche von Sattler, Zahnarzt, Physiotherapeut oder Ostesopath,  sind inzwischen fest im Jahresterminkalender eingeplant und optimalerweise arbeiten diese auch wieder Hand in Hand um gemeinsam das Beste für das Pferd zu erreichen.

In unserem Fall gehören auch noch weiter Helfer, die wir im Umgang mit unseren Vierbeinern brauchen. Dazu gehören natürlich der Futter,- und Möhrenlieferant, als auch die Telefonhotline, die für uns in Futterfragen immer erreichbar ist. Es gibt ja doch immer mal wieder neue Situationen, wie zum Beispiel Zwangspausen, oder Turniere, die über mehrere Tage gehen, schlechtes Fell oder Unwohlsein des Pferdes, bei denen eine Anpassung des Futters notwendig ist. Schön ist es, wenn man dann eine kompetente Futterberatung hat, sich austauschen kann und möglicherweise das Futter auch noch schnell geliefert bekommt. Das alles war jetzt schon ein Riesenteam, das natürlich nicht nur für unsere eigenes Pferd zuständig ist, sondern für viele andere auch, aber ohne die es schon mal schwierig bis unmöglich wird, sein Pferd so zu trainieren, dass eine Platzierung auf dem Turnier in Reichweite kommt.

Als nächstes ist dann wohl noch das Trainerteam zu nennen

Unsere Trainer sorgen dafür, dass wir unsere Pferde im optimalen Trainingszustand haben, beraten uns, welche Turnierstarts zu unserem aktuellen Leistungsstand passen und erstellen mit uns einen Turnier,- und Trainingsplan. Als Helfer im Hintergrund zuhause sind sie unverzichtbar, wer immer nur alleine rumreitet, verrennt sich schnell mal in die falsche Richtung, und oft sehen Trainingseinheiten von unten auch ganz anders aus, als sie sich von oben anfühlen. Deshalb macht es immer Sinn, sich auszutauschen, Probleme oder neue Herausforderungen gemeinsam anzugehen, sich aber auch mal bremsen zu lassen, wenn man auf dem falschen Weg ist.

Optimalerweise begleitet uns unser Trainer auch noch mit aufs Turnier und hilft uns auch in der Situation der Aufregung das zuhause gelernte umzusetzen, oder eben auch zu sehen, wo die Problematik auf dem Turnier liegt und daran dann zuhause arbeiten zu können. Oft ist es ja so, das in der Turniersituation manche Sachen, die zu Hause perfekt klappen plötzlich nicht mehr abrufbar sind. Ein Trainer, der live dabei ist, kann  hier eventuell regulierend eingreifen oder aber den Trainingsplan zu Hause so umstellen, dass man besser auf die Turniersituation eingestellt ist.
Aber nicht nur der Trainer ist mit uns auf dem Turnier. Selten sieht man einen Reiter ganz alleine. Die meisten haben noch mindestens einen Helfer dabei, der bei Verladen, beim Satteln und fertigmachen hilft, der das Pferd hält, während wir den Parcours abgehen, der nochmal schnell die Startnummern aus dem Hänger holt und uns zur Seite steht, wenn wir plötzlich unsere Aufgabe vergessen haben, weil wir aufgeregt sind. Während wir im Parcours oder im Viereck sind gibt es meistens noch Fotos oder Videos von unserem Ritt, sie halten die Decke, die Jacke und unser Handy bereit und freuen sich mit uns, wenn es gut war, trösten uns aber auch, wenn es nicht so lief, wie wir uns das erhofft hatten. Jeder, der schon mal ohne diese Heinzelmännchen unterwegs war, weiß, wie aufgeschmissen man ist, wenn man ganz alleine unterwegs ist. Außerdem macht das Ganze ja alleine nur halb so viel Spaß.

Und wenn wir jetzt gerade beim Turnierreiten sind, sollten wir auch die Menschen nicht vergessen, die uns den teuren Spaß ermöglichen.

Optimalerweise haben wir eine eigene Firma im Hintergrund, die es uns einerseits ermöglicht unheimlich viel Zeit im Stall, auf dem Turnier und auf Lehrgängen zu verbringen, und trotzdem genug Geld abwirft, dass wir uns das alles locker erlauben können.

Meistens ist das aber wohl nicht der Fall. Selbst Profis, die jedes Wochenende auf dem Turnier sind, können das Ganze nicht ohne Sponsoren stemmen.

So ist das im kleinen Bereich auch. Der ganze Helfertross rund um uns und unser Pferd muss finanziert werden, das Zubehör sollte immer auf dem neuesten Stand sein, das Gesundheitsmanagement natürlich optimal und unserem Partner Pferd soll es natürlich an nichts fehlen.

Das alles gibt es aber nunmal nicht geschenkt und deshalb danken auch wir unseren Helfern im Hintergrund, die uns mit Zubehör unterstützen, unseren Freunden im Stall, die unsere Pferde versorgen, wenn wir mal nicht da sind und all unseren sonstigen fleißigen Bienchen, ohne die das alles gar nicht machbar wäre.

Ihr seht also zwischen dem obersten Bild eines Reiters in der Siegerehrung, stehen unwahrscheinlich viele weitere Menschen, die diesen Erfolg erst möglich gemacht haben und deshalb bin ich der Meinung.

Ohne ein Top-Team im Hintergrund geht es nicht!

In diesem Sinne danke ich an dieser Stelle allen Menschen, die den Weg mit uns gehen und uns hoffentlich auch in der Zukunft unterstützen werden und ich hoffe alle anderen Pferdemenschen denken auch – und nicht nur, weil Weihnachten vor der Tür steht- an ihre Helfer, die nicht im Rampenlicht stehen, aber trotzdem tagtäglich alles geben, damit unser kleines Netzwerk rund um unser Pferd funktioniert.

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