Es ist Winter, es ist Hallenzeit und auch uns überkommt so langsam der Hallenkoller.

Und deshalb versuchen wir uns nicht zu viel aufs reine Dressurreiten zu fokussieren, sondern nützen jede freie Minute in der Halle um Stangen zu legen.

Viele fragen uns, woher wir die Ideen dafür nehmen.

Das ist ganz einfach.

Ich bin ja immer wieder am Lesen, vor allem das Buch “Moderne Springpferdeausbildung heute” aus dem FN Verlag ist ein KlassikerBuch, in denen man immer wieder nachschlägt.

Trotzdem hat man ja die Inhalte und natürlich auch die passenden Abstände im Hinterkopf und hat natürlich auch viel von Lehrgängen mitgebracht.

Bei so spontanen Sachen, lege ich einfach, was mir gerade einfällt, da denke ich vorher nicht drüber nach. Es kommt natürlich auch immer darauf an, wieviel Zeit zum Aufbauen ist, welches Material gerade verfügbar ist und dann gehts los.

Wie ihr ja wisst, muss das bei uns immer schnell gehen, wir wissen nie, wie lange die Halle frei ist und ob man doch wieder alles schnell wegräumen muss. Deshalb geht das zackig und mit einfachsten Mitteln.

Trotzdem entstehen daraus oft sehr schöne und effektive Trainingseinheiten, so wie diese heute, die ich euch genauer vorstellen möchte.

Heute entstand daraus diese Aufgabe, die sehr einfach aussieht, aber wie sich abends in der allgemeinen Springstunde herausgestellt hat, doch etwas kniffelig war.

Wie ihr an dem Bild leider sehen könnt, macht mir der Blog seit dem Update etwas zu schaffen, aber da die meisten ihn ja sowieso auf dem Handy lesen könnt ihr es ja einfach drehen, ich habe keine Ahnung, wie ich das Bild drehen kann.

Aber egal, ihr schafft das schon.

Ich erzähle euch kurz, was ich mir bei diesem Aufbau gedacht habe und welche Effekte ich gerne erzielen möchte.

Grundsätzlich lege ich Stangenarbeit so, dass sie für das jeweilige Pferd passen.

Da Ginny keinerlei Rittigkeitsprobleme hat, muss ich es ihr nicht schwer machen, sie lässt sich vorwärts reiten oder zurücknehmen nach Belieben. Manchmal legen wir extra Sachen für diese Sachen, das heute war aber rein für die Verbesserung der Beweglichkeit gedacht, praktisch nicht als Spring, sondern als Dressurübung.

Deshalb lag die Linie so, dass wir genau in der Mitte die für Ginny passenden Abstände haben, das heißt, wir wollten von der ersten bis zur letzten Stange die Linie halten inkl. Stellung und Einrichtung des Pferdes über die Längsbiegung auf die Zirkellinie. Mit so einer Linie kann man sich selbst super kontrollieren, ob man denn die Zirkellinie gut halten kann, oder ob einem das Pferd über die Schulter ausweicht.

Optimalerweise wollten wir natürlich in der Mitte noch den fliegenden Wechsel haben, aber das erfordert schon sehr viel Mitarbeit vom Pferd, das ist tatsächlich nicht einfach. Wenn ihr es also selbst probiert ( optimalerweise mit eurem Trainer zusammen), nehmt euch Zeit für die Aufgabe. Wahrscheinlich wird es nicht beim ersten Versuch funktionieren, was nicht schlimm ist, wenn ihr es in Ruhe ausarbeitet.

Im Trab hatten wir die Idee, dass wir es Ginny noch schmackhafter machen wollen, ihren Körper mehr zu benutzen. Das heißt, ich möchte mehr Aktion aus der Hinterhand, die durch den Körper geht und in der Vorhand ankommt.

Deshalb liegen die Stangen auch nur auf einer Seite halb oben. Würde ich sie auf beiden Seiten hoch legen, also auf halbes Cavaletti, müsste sie zuviel kämpfen und würde sich deshalb verspannen. Sie würde schon irgendwie drüberkommen, aber das ist ja nicht der Effekt, den ich haben möchte. Ich möchte, dass es für sie einfach geht und sie sich trotzdem anstrengt, ich möchte sie aber nicht überfordern. Vielleicht kennt ihr das vom eigenen Training. Weniger ist manchmal mehr. Man soll die Aufgabe so wählen, dass man sie noch gut bewältigen kann, sie aber über die Wiederholungen ihren Trainingseffekt hat.

Würde ich es schwerer machen, wäre es zwar spektakulärer, aber ich hätte den gegenteiligen Effekt. Ginny würde sich verspannen, irgendwie drüberstolpern und sich im Zweifel noch verletzen. Von dem her muss die Aufgabe so sein, dass euer Pferd sie gut bewältigen kann. Eventuell liegen am Anfang auch erstmal alle Stangen auf dem Boden, oder man nimmt noch jede zweite raus, und wenn es für euer Pferd nicht passt, dann passt die Abstände auf euer Pferd an.

Denkt dran, jeder so, wie er es braucht. Training soll Spaß machen, nicht überfordern. Am Ende sollen alle aus der Halle gehen und ein gutes Gefühl haben. Pferd, Reiter und Trainer. Welche Aufgabe ihr dabei geschafft habt, ist völlig egal, hauptsache, sie war für euch richtig.

Das Traben über die Linie hat Ginny wenig Probleme bereitet. Wir achten dabei immer drauf, sie in eine möglichst lange Haltung zu bringen, also in Anlehnung , aber in der längstmöglichen Halseinstellung, die die Tendenz in die Tiefe haben sollte. Sie soll ja ihren Hals als Balancierstange benützen können, sie soll schauen, was sie das eigentlich macht, sie soll aber nicht mit hochgerecktem Kopf da drüber traben, da sie dann gleichzeitig den Rücken wegdrücken würde. Sie soll sich auch möglichst über der Linie nicht in Takt, Losgelassenheit und Anlehnung verändern. Der Zügel gibt einen gewissen Rahmen lässt aber natürlich die notwendige Halsbewegung zu. Wenn es mal nicht passt, muss Ginny auch selbst reagieren können. Der Schenkel sorgt dafür, dass sie die Linie hält und der Körper des Reiters bleibt im Schwerpunkt des Pferdes und lässt die Bewegung einfach nur zu.

Ihr müsst an so Mini-Cavalettis nicht übertrieben mitgehen, damit würde man nur den Takt stören. Am Besten ist es, wenn der Reiter möglichst wenig macht, außer eben den Rahmen zu geben und dem Pferd damit zu ermöglichen sich geschmeidig und nahezu selbständig mit der Aufgabe auseinanderzusetzen.

Wichtig ist auch, das Pferd nicht zu überstellen, nur weil es ein Zirkel ist. Einfach nur auf die Linie einstellen, mehr nicht. Wenn ihr zuviel Stellung habt, wird euch das Pferd über die äußere Schulter ausweichen, das innere Hinterbein kann nicht mehr in die Spur der Vorderbeine fußen und spätestens an der mittleren Stange für den Handwechsel habt ihr ein Taktproblem wenn ihr versucht, es von der einen Seite auf die andere umzuwerfen. Das gilt für den Trab, aber ganz besonders für den Galopp und den Wechsel. Also auch hier gilt: Weniger ist mehr.

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Diese Halseinstellung über der Stange ist schon sehr schön, nicht immer kann man die über die ganze Linie hinweg halten, auch wenn das das Ziel wäre.

Wichtig ist, dass man auch Bewegung zulässt, zum Beispiel, wenn das Pferd sich mal ein bisschen mehr strecken muss. Dann lässt der Zügel es zu, dass das Pferd sich selbst hilft. Wir haben es über die Trabarbeit geschafft, Ginny schön locker zu haben und können diese Bewegungsqualität dann auch ins Dressurreiten übernehmen. Schön ist, dass man die Bewegungen nicht herbeigeritten hat, indem man viel Aufwand betrieben hat, sondern, dass diese über die Stangen vom Pferd selbst kamen.

Wenn das Pferd dann im Trab gelöst ist, und die Aufgabe gut gemeistert hat, ist es in der Regel kein großes Problem sie auch im Galopp zu machen, vorausgesetzt, man hat Kontrolle über den Galopp. Sie funktioniert nur, wenn auch hier Takt, Losgelassenheit und Anlehnung gegeben sind. Wenn ihr im Renngalopp da rein segelt, nicht bremsen oder lenken könnt, dann wird es zum gefährlichen Stangenmikado, das ihr besser nicht machen solltet.

Auch hier würde ich im Zweifel erst mit Stangen auf dem Boden und weniger Stangen anfangen, eventuell auch erstmal eine Zirkellinie, anstatt aus dem Zirkel wechseln legen. Achtet erstmal drauf, dass ihr das Tempo halten könnt. Wenn das Pferd in der Aufgabe schneller wird, dann scheitert ihr. Es ist also wichtig, dass ihr den Galoppsprung gleichmäßig reiten könnt. Aber das muss jeder nach seinem Gefühl machen und unerfahrene Reiter bitte nie ohne Trainer, da ihr sonst mehr kaputt als gut machen könnt.

Auch im Galopp, ich glaube man sieht da auf dem Bild ganz gut, bleibt der Reiter passiv. Man bleibt im Schwerpunkt sitzen, gibt mit den Hilfen ( Schenkel, Gewicht, Zügel) den Rahmen, lässt aber das Pferd die Aufgabe machen. Ginny macht das sehr schön, sie hat aber auch wahnsinnig viel Übung in solchen Sachen. Wir machen das ja praktisch ständig und so ist sie schon ein kleiner Stangenprofessor geworden. Außerdem würde Ginny sich nie freiwillig weh tun, ober kopflos über Stangen rennen, vorher würde sie es gar nicht machen. An ihrem Blick und der Halshaltung sieht man, wie aufmerksam sie ist, und total bemüht ist auch die folgenden Stangen geschmeidig zu überwinden.

Im Galopp erschwert natürlich noch der Handwechsel die Aufgabe. Voraussetzung dafür ist, dass euer Pferd schon in der Dressurarbeit einen Wechsel auf gerader Linie springen kann. Wenn ihr euer Pferd in der Zirkellinie “umwerfen” müsst, damit es umspringt oder mit viel Halsabstellung arbeitet, habt ihr spätestens an der Stange und den folgenden nach dem Wechsel ein Problem, weil der Takt sich verändert und ihr die Linie nicht mehr halten könnt. Dadurch passen die Abstände nicht mehr und ihr seid wieder im Stangenmikado, das dann gefährlich werden kann.

Ihr seht also, auf der Zeichnung sieht das noch ganz easy aus, aber die korrekte Ausführung, die nötig ist um einen positiven Trainingseffekt zu haben, ist dann doch recht kniffelig.

Wenn die Aufgabe im Trab und im Galopp gut klappt, lasse ich sie gerne im Wechsel reiten. Mal im Trab, mal im Galopp abwechselnd. Auf der einen Seite beansprucht ihr damit verschiedene Muskelgruppen, und gleichzeitig fördert ihr das Zuhören des Pferdes, das ja vorher nicht weiß, welche Gangart. Das Pferde soll so bei euch und konzentriert sein, dass ihr jederzeit die Gangart wechseln könnt und die Aufgabe in der Gangart lösen könnt, die ihr vorgebt.

Am Ende haben wir mit Ginny noch eine kleine Spielerei gemacht, weil sie tatsächlich viel Spaß an der heutigen Tagesaufgabe hatte. Nina hat euch dazu auch ein Video geschnitten, das ihr hier sehen könnt.

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Spaß mit scheinbar einfachen Aufgaben, die sich, wenn man sie korrekt ausführen möchte, als ganz schön intensiv erweisen können, was Konzentration, Koordination, Zusammenarbeit und Rittigkeit anbelangt.

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