Inzwischen sind 8 Wochen nach der Chip-OP vergangen

Zeit mal wieder zu berichten, wie es bei uns  läuft

Wer die Vorgeschichte von unserem weißen Riesen nicht mitbekommen hat, kann es hier nochmal nachlesen.

Ebenso den Stand nach den ersten 4 Wochen.

Inzwischen sind 8 Wochen vergangen, der Tierarzt war zur Kontrolle da und es gibt etwas Neues zu berichten.

 

Das waren echt harte 4 Wochen für uns

Es ist nicht das Problem, dass man sein Pferd nicht reiten kann, also nicht des Reitens wegen, darauf kann man gut mal verzichten, wenn sein Pferd krank ist, aber man muss das Pferd ja trotzdem irgendwie bei Laune halten und beschäftigen.

Calle der Clown steht eben nunmal in einer Außenbox, die mitten im Geschehen liegt.  Man sollte meinen, so hat er den ganzen Tag etwas zu gucken, ist beschäftigt und langweilt sich nicht, aber das hat nicht funktioniert.

Sobald nur ein Mensch über den Hof läuft ist Calle “on”.  Er packt alles aus, was ihm einfällt, um Aufmerksamkeit zu erregen.

Da er ja nur einen Boxenvorhang hat, die Türe also offen ist, kann er selbständig seine Türe öffnen und schließen, mit seiner Schublade vor der Box klappern,  mit Halftern nach vorbeigehenden Menschen werfen, einfach alles abzuräumen und quer über den Hof zu  werfen, was in erreichbarer  Nähe ist.

Damit hat er natürlich immer die Aufmerksamkeit bei sich und schafft es jedesmal, dass niemand an seiner Box vorbeilaufen kann, ohne ihn zu streicheln. Das findet er toll.

Aber irgendwann laufen die Menschen weiter. Das findet er doof und die Randale geht von vorne los.

Klar hätte ich ihn irgendwo in die hinterste Ecke des Stalles stellen können, damit er das alles nicht mehr sieht, aber das habe ich dann auch nicht übers Herz gebracht.

 

Natürlich hat er auch mitbekommen, wenn unser Hänger vorfuhr und die anderen Pferde einsteigen durften, er aber nicht.

Der Blick, den er uns zuwirft ist herzzerreißend.  Er würde auch so gerne mit und weiß ganz genau, dass er nicht darf.

Wir wurden nicht müde ihm zu erzählen, dass er jetzt ganz tapfer sein muss, sich noch ein bisschen gedulden, dann dürfte auch er bald wieder mitfahren.

Ob er es verstanden hat? Wohl eher nicht 🙁

Aber dann war es soweit.

Der Tierarzt meldete sich spontan zu einem Besuch an.

Eigentlich waren wir drauf eingestellt 4 Wochen nach der ersten Eigenblutbehandlung, ( also in zwei Wochen) nochmal eine zu machen, bis dahin Schritt zu reiten oder führen und danach nochmal mindestens zwei Wochen.

Aber der Tierarzt hatte einen anderen Plan. Er wollte ihn unter dem Sattel sehen.

Ok, schnell Nina herzitiert, geputzt, und …… versucht zu satteln.

…. versucht…..

Ja, wir hatten ja die ganze Zeit nur geführt.

Und Calle neigt, vorsischtig ausgedrückt, zu  ganz kleinen Minifettpölsterchen. 😉

Und da hatten wir das Problem.

Der Sattelgurt war sehr, sehr knapp.

Mit Müh und Not ging er noch ins erste Loch, das wird wohl wirklich Zeit, dass Calle wieder ins Training geht, sonst können wir ihn irgendwann rollen.

 

Wir waren gespannt, wie er traben würde

Das ist schon ein spannender Moment.

Wie würde er lostraben? Ist er lahm? Bockt er los? Oder ist alles wieder gut?

Wir wissen ja auch, dass, wenn man so ein großes Pferd lange nicht richtig gymnastiziert, dann kann es auch Probleme an anderen Stellen geben, die durch die Entlastung widerum zu viel oder falsch belastet werden.

Außerdem ist Calle ein Pferd, dem man schon einen ‘Tag ohne vernünftiges Reiten negativ anmerkt, wie sollte das nur  nach 8 Wochen sein?

So stand ich gespannt am Paltzrand, Nina saß genauso gespannt drauf.

Der einzige, der wohl entspannt war, war unser Tierarzt. Klar, der macht das ja auch jeden Tag.

 

Und das ist er nun also, der erste Trab nach 8 Wochen Pause

 

Calle war echt vernünftig. Er ist einfach nur losgetrabt. Ohne irgendwelche Albernheiten. Das war ja schonmal gut.

Wir standen am Platzrand und schauten und schauten.

Rechte Hand , Handwechsel, linke Hand.

Ja, sieht nicht so schlecht aus.

Kennt ihr das, wenn man schon betriebsblind wird?

Man sieht alles, auch Sachen, die vielleicht gar nicht da sind.

Am Ende weiß man gar nicht mehr, was man eigentlich sieht.

Eigentlich lief er echt gut.

Aber da er so eilig im Ablauf ist, wie so eine Rennameise, war es für mich schwer zu beurteilen.

Die langen Seiten waren noch etwas schwankend, im Maul war er nölig, seinen Hals mag er noch nicht so gerne selbst tragen.

Das macht es für mich natürlich nicht einfacher etwas zu sehen.

War da ein krummer Tritt? In der Ecke?

Oder ist das alles gut?

Tickt er jetzt hinten oder kann er einfach seine Beine noch nicht sortieren?

Das ist echt hardcore. Klar möchte man gerne, dass alles gut ist, aber so richtig dran glauben kann man noch nicht.

Der Tierarzt hat mich beruhigt. Das ist alles gut so wie es ist.

Nach einer so langen Pause muss Calle erstmal wieder in Schwung kommen.

Alles klar, ich bin beruhigt.

 

Und so haben wir jetzt eine neue Aufgabe

Jeden Tag 10 Minuten traben, nur ganze Bahn und wenn möglich nur auf dem großen Platz.

Keine schnellen Stopps, keine engen Wendungen.

Na Glückwunsch da wird Calle doch gleich mal zum Schwertransport.

Aber wir sind tapfer und ziehen es durch.

Immer zu zweit. Einer reitet, einer schaut.

Bisher läuft Calle mit jedem Tag ein bisschen besser oder wenigstens gleich.

Es sollte nicht schlechter werden, das ist die Ansage.

 

Vier Wochen wird das jetzt so gehen.

Schritt ohne Limit und 10 min Ganze Bahn  traben.

Calle findet es gut.

Das wäre so sein bevorzugtes Arbeitspensum.

Nichtstun ist nichts, zuviel aber auch nicht. 10 min. findet er super.

Wir schauen jeden Tag ganz genau hin. Wenn das jetzt vier Wochen lang gleichbleibend gut bleibt, dann bekommt er nochmal seine zweite Eigenblutbehandlung und dann sollte alles wieder normal sein.

Hoffentlich.

Sicher ist noch  nichts. Es ist also immer noch ganz viel Daumen drücken angesagt.

 

Natürlich machen wir auch neben dem Tierarzt her alles, was Calle helfen kann.

Der Physiotherapeut wird ihn sich anschauen, damit er im Wiederaufbau optimal unterstützt wird und er bekommt Magnokollagen zugefüttert.

Das soll dabei helfen, den angegriffenen Knorpel zu regenerieren und Geschmeidigkeit zu unterstützen, die er ja braucht, damit die im Vergleich doch zarten Beine, das Körpergewicht tragen können und die Gelenke die Belastung abfangen können.

Auch die Magnetstallgamaschen wird er weiterhin tragen, schon allein, dass er bei seiner Klopferei an die Türe geschützt ist.

Diese haben sich übrigens gelohnt.

Nach 8 Wochen verlieren die meisten der anderen Stallgamaschen langsam ihre Stabilität und Form, während die Veredus immer noch aussehen wie am ersten Tag, perfekt sitzen und somit ihren Zweck erfüllen.

 

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