Diese Frage hat Nina in Instagram zum Hashtag gemacht, unter dem ihr dann immer alle Beiträge zu diesem Thema finden werdet. Da uns dieses Thema nun schon ein Jahr lang begleitet, ist es so einfacher die Geschichte mitzuverfolgen.

Aber nun zum Thema, ja, was hat er eigentlich?

Das ist eine gute Frage, die keiner beantworten kann.

Angefangen hat es ja vor gut einem Jahr, als Calle manchmal nicht so richtig gut angetrabt ist. Das war nicht so richtig lahm, aber auch nicht so richtig gut. Nach ein paar Runden war immer alles gut, aber das hat uns natürlich gestört. Calle war immer im Takt, normalerweise, und wenn das eben nicht so ist, dann stimmt was nicht. Das kann man ignorieren, oder nach der Ursache suchen.

Zudem kam ja auch noch, dass er in Rechtswendungen gerne man sehr ungemütlich wurde. Das kann wiederum reine Widersetzlichkeit sein, ein kleines Vögelchen, das jeder mal hat, oder eben ein gesundheitliches Problem. Aber da unsere Pferde nicht reden können, bleibt einem auch hier nichts anders übrig, als zu schauen, was die Ursache ist, vor allem, wenn man merkt, dass man dem Problem reiterlich nicht mehr begegnen kann.

Also ging es letztes Jahr im August los.

Der Tierarzt kam und Calle zeigte sich von seiner sehr ungemütlichen Seite, die wir bis dahin so von ihm gar nicht kannten. Eins war schnell klar. Eine Lahmheitsuntersuchung, vor allem auch, weil die Lahmheit super gering und schwer zu erkennen war, würde bei uns im Stall nicht möglich sein, wenn nachher noch alle Helfer, Geräte und auch der Tierarzt noch gesund sein wollten.

Also ging es in die Klinik.

Hier gab es das übliche Prozedere. Untersuchung, vortraben, abspritzen, wieder vortraben, nochmal abspritzen, wieder vortraben und schlussendlich röntgen.

Alles nicht so einfach mit einem sehr unkooprativen 670kg Pferd, der selbst vor dem Röntgengerät eine tierische Angst hatte und alles um sich herum zerstören wollte, nur um dem für ihn sicheren Tod zu entgehen.

Also mussten wir selbst zum Röntgen schon sedieren.

Aber da hatten wir wenigstens gleich einen Befund. Ein Chip am Fesselgelenk vorne rechts könnte für die Probleme verantwortlich sein.

Die Entscheidung war schnell gefallen und Calle blieb gleich in der Klinik. Die Op war gleich am nächsten Tag und alles ging gut.

Auf den Bilder sah man, wo der Chip gelegen war und dass er sich bewegt hatte. Da sieht man dann auf dem Knorpel Schleifspuren. Die sind natürlich nicht gut für den Knorpel, eigentlich soll der glatt sein.

Und so war schnell klar, dass wir alles dafür tun mussten, dass sich der angegriffene Knorpel regeneriert, was nicht so einfach ist, da Knorpelgewebe seinen eigenen Plan hat.

Versuchen mussten wir es aber natürlich und so gab es gleich noch zwei Eigenbluttherapien im Abstand von 8 Wochen und nach der Op 4 Wochen Boxenruhe.

Ja, das mit der Boxenruhe war nicht so ganz einfach. Unsere Pferde sind es ja doch gewöhnt viel rauszukommen und so hatte Calle dafür natürlich gar kein Verständnis. Zudem ist er ja ein ganz süßer Schnuckel und schaut immer zum Fenster raus, was jeden, wirklich jeden, der bei uns über den Hof läuft, dazu veranlasst bei ihm stehen zu bleiben und ihn zu streicheln. Das wäre ja noch ok. aber irgendwann laufen die Leute weiter oder unterhalten sich noch in der Nähe seiner Box. Und dann geht es los. Er klopft an die Tür. Mit seinem operierten Bein. Immer und immer wieder. Leider verstehen die Leute nicht, dass sie das Problem sind und bleiben stehen. Und ich kann ja nicht den ganzen Tag wie ein Wachhund vor der Box stehen und alle Menschen verjagen. Ja, deshalb war das nicht so einfach. Andere Boxen gibt es eben auch bei uns nicht, in denen das besser gewesen wäre.

Auch das Schritt gehen am Anfang war schwierig. Calle war ungemütlich. Er hat gebockt, getreten und wollte einfach nicht chillen. Das war echt eine harte Zeit. Du als Besitzer, weißt genau, was zu tun ist, damit dein Pferd gesund wird, dein Pferd interessiert es leider mal gar nicht.

Aber auch diese Zeit ging irgendwie vorbei und im Oktober durften wir ihn wieder traben. 4 Wochen lang jeden Tag 10 min Ganze Bahn. Sonst nichts.

Gesagt, getan. Das hat auch gut funktioniert. Calle war immer noch ungemütlich und explosiv aber wir haben es geschafft. Unfallfrei und ohne weiter Blessuren für Pferd und Reiter, nachdem er Nina ja beim Schritt reiten schon den Finger gebrochen hatte.

Und zu dieser Zeit dachten wir, wir hätten es geschafft. Aber das Glück war nicht auf unserer Seite.

An dem Tag, an der der Tierarzt zur Kontrolle kam und um zu entscheiden, ob wir mehr machen können, war er lahm. Deutlicher als je zuvor.

Was passiert ist, wissen wir nicht. Davor lief er ja einwandfrei.

Aber das war nicht zu übersehen. Also gab es anstatt eines neuen Trainingsplans wieder Pause, eine Behandlung mit Hyaluron und Cortison und lange Gesichter.

Aber gut, was solls, es wurde kalt und wir gingen wieder Schritt, oder Hüpf oder wie auch immer man das nennen wollte. Das war kein Spaß.

In dieser Zeit zog der Bemer bei uns ein. Wir machten ihn halt mal drauf, kann ja nicht schaden. Wir waren erstaunt, welche Wirkung der auf unseren Calle hatte. Er entspannte ihn total. Plötzlich konnten wir wieder Schritt führen, er konnte wieder in die Führmaschine und sogar aufs Paddock ohne sich umzubringen. Das war natürlich eine riesige Erleichterung und selbst wenn der Bemer ( was wir auch nicht erwartet hatten) eine Lahmheit nicht heilen kann, so hat er uns doch sehr dabei geholfen, Calle wieder handeln zu können und somit zur Genesung beizutragen, weil er einfach durch seine Unentspanntheit nicht gleich wieder alles kaputt gemacht hat.

Wir sind inzwischen im Januar angekommen. 5 Monate nach der OP. Calle ging immer noch oder besser gesagt wieder Schritt. Wir wollten ihm Zeit geben und so war der Plan, dass wir Januar und Februar noch Schritt gehen und dann mal wieder draufschauen. Jetzt war er ja brav und so konnte man recht entspannt spazieren reiten.

Im März war es dann soweit. Nina war nicht da und ich trabte ihn an.

Das war nicht so schlecht. Erst mal wollte ich ihn an der Longe sehen, da ich ja ohne Nina niemand hatte, der ihn gut genug kennt und von unten draufschauen konnte. Versteht mich nicht falsch, natürlich gibt es genug Leute im Stall, die schauen können, aber Nina und ich schauen eben anders. Genauer, auf die Stelle fokussiert, wir wissen, wie er normalerweise läuft und wie eben nicht. Und da wo andere vielleicht gar nichts sehen, sehen und fühlen wir eben doch was und wenn sich das miteinander deckt, was der eine fühlt und der andere sieht, dann ist es eben noch nicht gut.

Aber er sah gut aus an der Longe und so saß ich drauf.

Natürlich plante ich so, dass ich immer mittags reiten konnte, wenn der Platz frisch gefahren war und ich möglichst alleine auf dem Platz war, damit ich nicht ausweichen und keine Wendungen reiten musste.

Wir waren ganz gut im Rennen. Innerhalb drei Monate trainierte ich Calle bis auf gute 20 min Arbeit an. Trab, Galopp eben, Schritt kam ohne Limit dazu. Das war ok. Aber eben nur ok. Nicht super gut. Das Problem war nicht mal, wenn ich regelmäßig reiten konnte, da lief er ordentlich bis gut.

Das Problem lag an den Tagen, an denen ich kein vollumfängliches Rehaprogramm leisten konnte.

Es gab einfach immer noch Tage, an denen er super gut ging und Tage, an denen es nicht überzeugend war und so fiel dann die Entscheidung.

Jetzt ist es Sommer, die Koppel lädt zum regenerieren ein. Es war uns ja von Anfang an klar, dass ein Knorpelschaden mindestens ein Jahr zum regenerieren braucht. Das Jahr ist noch nicht rum und mindestens heißt eben eigentlich auch länger als ein Jahr. Und so fiel die Entscheidung für Calle, dass er für eine Weile komplett auf die Weide geht. Nicht wie bei uns zuhause stundenweise, sondern rund um die Uhr. Hier kann und muss er sich den ganzen Tag gleichmäßig bewegen, muss laufen um zum Wasser zu kommen, um in den Schatten zu gehen und so weiter. Diese gleichmäßige Bewegung in einer Rentnerherde wird hoffentlich zur vollständigen Genesung beitragen, an der wir immer ganz nah dran waren, aber eben nie 100 %.

Also packten wir Calle Anfang Juli ein und brachten ihn dahin, wo Ginny geboren wurde und damals auch Quentina schon ihren Sehnenschaden auskuriert hat. Das Gestüt Altefeld mit seinen scheinbar endlosen und ebenen Weiden wir wohl bis zum nächsten Frühjahr sein Zuhause sein. Dort darf er Pferd sein, laufen wie er mag. Wenn es ihm nach Galopp ist, kann er das dort ausgiebig machen, wenn nicht, dann nicht. Wir vertrauen im seine Gesundheit jetzt erstmal selbst an, in der Hoffnung, dass er schon merken wird, was ihm gut tut und was nicht.

Da er nun aber fast 400km von uns weg ist, können wir natürlich nicht mehr ständig drauf schauen, und das brauchen wir auch nicht. Bei Familie Graf ist er in besten Händen und wir bekommen regelmäßig Nachrichten und Bilder von ihm. Auch, wenn er schlechter laufen würde, würden wir die Info bekommen, aber davon wollen wir mal nicht ausgehen.

Gestern war es soweit und es ergab sich die Gelegenheit ihn zu besuchen. Er kam gleich angelaufen, als er uns sah und schien schon gut angekommen und in die Herde integriert zu sein. Seinen neuen Freund hat er uns schon vorgestellt und so können wir ihn mit gutem Gewissen sich selbst überlassen.

Wir wissen aktuell noch nicht, wie es weitergehen wird und wie lange Calle auf der Koppel bleiben wird, es gibt kein zeitliches Limit. Er bleibt so lange wie er braucht.

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