Auf Instagram kommt diese Frage quasi täglich. Auch wenn wir schon viel darüber berichtet haben ist es doch noch vielen unklar.

Also hier nochmal zum nachlesen

Paul hatte sich im letzten Sommer verletzt und sollte deshalb zwei Monate Schritt gehen.

Zwei Monate sind eigentlich ja gar nicht so lange und wenn man überlegt, dass Calle seine zwei Monate mit Bravour und ohne größere Ausfälle im Bezug auf sein Benehmen gemeistert hat, dann sollte man denken, dass der kleine Paul das wohl auch schafft.

Aber das war Fehlanzeige

Bereits nach einer Woche konnte Paul nicht mal mehr auf seine 5x5m Koppel, die wir ihn extra abgesperrt haben.

Paul hat auf der Koppel nur gebockt und dadurch war die Heilung gefährdet.

Also konnte man ihn nur noch Führen und versuchen irgendwie zu kontrollieren.

Nach zwei Wochen hat man dann auch gemerkt, dass Paul die Kontrolle übernommen hat.

Wer ihn führte hatte danach mindestens  blaue Flecken, Blasen an den Händen, wenn er zum Führen keine Handschuhe trug und meistens auch den ein oder anderen Zahnabdruck von Paul, vor allem an der Schulter .

Paul war einfach unendlich langweilig also hat er immer nach dem Führer geschnappt.

Nach einem Monat haben wir dann entschieden ihn wieder anzutrainieren.

Er lief klar wir konnten starten.

Mit dem Hintergedanken, dass ein Rückschlag kommen könnte, aber es keinen Sinn macht ihn weiter Schritt zu führen.

So haben wir es ganz langsam angehen lassen. Sind so wenig wie möglich geritten, aber haben auch geschaut, dass er zumindest ein bisschen ausgelastet ist.

Die ersten paar Male war er kaum zu bändigen und hat mich eindeutig an meine Grenzen gebracht.

Das alles hat sich aber auch wieder gelegt.

Paul wurde wieder normaler und das Training wurde intensiver.

Eigentlich hatten wir ihn bereits im letzten Jahr altersbedingt aus dem Sport genommen, aber Paul ist wieder voll und ganz aufgeblüht und war in Topform.

Also zogen wir doch nochmal los. Da wir ihn zwar zu Hause auch ordentlich Dressur geritten haben, aber seine Liebe doch eher dem schnellen galoppieren galt, wurde es ein Stilgeländeritt.

Paul brachte eine tolle Leistung und ging eine Bilderbuch-Runde mit der er dann auch seine letzte Platzierung holte

Er hat mich unglaublich stolz gemacht.

Aber es sollte nicht so weitergehen.

In der Landung nach einem Sprung hat Paul sich  vertreten und lief nur noch auf drei Beinen. Alle rund um uns waren geschockt. Die Tierärztin auf dem Turnier meinte, es wäre nichts gebrochen und so nahmen wir ihn mit einer großen Dosis Schmerzmittel mit nach Hause, wo gleich unser Tierarzt bereit stand.

 

Die Angst, dass doch etwas gebrochen sein könnt, ließ uns nicht los.

Mein geliebtes Pony zu verliehen hätte mir den Boden unter den Füßen weggezogen, aber noch wichtiger war, dass wir ihn nicht so leiden sehen konnten und ihm so schnell wie möglich helfen wollten.

Der Tierarzt meinte, dass ein Bruch wahrscheinlich wäre, weil er sehr stark gelahmt hat.

Das Nrvenflatteren, das uns bei jedem Bild, das auf dem Bildschirm erschien begleitete könnt ihr euch vielleicht vorstellen.

Wir haben das komplette Bein doppelt röntgen lassen und haben die glückliche Nachricht bekommen, dass die Knochen heil sind.

Was für ein Stein uns von Herzen gefallen ist kann man sich nur schwer vorstellen.

Wir konnten das Bein zwar noch nicht schallen, weil es noch zu dick war, aber für das erste bedeutete das, dass unser Pony bei uns bleibt und Heilungschancen vorhanden sind.

Der Ultraschall hat dann  ein großes Loch in der Sehne gezeigt und damit war die Ansage 6 Monate Schritt.

Ok das war dann doch wieder schockierend.

Beim letzten Mal haben wir es mit Mühe und Not einen Monat geschafft und dieses Mal sollen es 6 sein.

Schnell war uns klar, dass das völlig unmöglich ist also musste eine Lösung her.

Nach vielem Hin und Her überlegen haben wir uns dafür entschieden Paul auf die Koppel zu stellen.

Dort kann er sich immer bewegen und die Sehne wird besser heilen.

Dadurch, dass er viel draußen ist wird er dann auch nicht mehr so wild sein.

Die Entscheidung ist also gefallen die Frage war nur wo.

Im Ballungsraum Stuttgart findet man keine Koppel so wie wir sie uns vorgestellt haben.

Dank den vielen guten Feedbacks über eine Koppel haben wir uns entschieden Paul dort hinzustellen.

Und außerdem auch, dass er dort bleiben soll.

Mit seinen 18 Jahren und all dem was Paul in der Zeit geleistet hat ist er alt genug um sein Leben als Rentner in vollen Zügen zu genießen.

Natürlich fehlt er uns unglaublich, aber wir wissen wie gut es ihm geht und besuchen ihn so oft wie möglich.

Natürlich bleibt er auch nach wie vor in unserem Besitz und wird geliebt wie zuvor.

Paul ist und bleibt ein ganz besonderes Pferd für mich und doch irgendwie auch immer der kleine Liebling und gerade deshalb musste ich meinen eigenen Egoismus, ihn ganz nah bei mir  haben zu wollen, überwinden, weil ich wusste, dass es ihm bei uns nicht so gut gehen würde, weil ja unsere Koppelmöglichkeiten sehr begrenzt sind. Das geht für ein Reitpferd, das noch andere Aufgaben hat, aber nicht für einen Rentner, für den das eine Qual wäre nur in der Box zu stehen und stundenweise auf die Koppel zu gehen.

 

Paul ist jetzt den ganzen Tag draußen, genießt den Sommer mit seinen neuen Kumpels und wird im Winter in einen Laufstall gehen, in dem er sich auch rund um die Uhr bewegen kann.

 

Schon bei unserem ersten Besuch merkten wir, wie gut es ihm geht, und wussten, dass wir für ihn die richtige Entscheidung getroffen haben, auch, wenn er uns oft fehlt und wir den kleinen Kasper gerne näher bei uns hätten.

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