Der Winter ist echt eine Saure Gurken Zeit für Blogs

Das geht auch uns so

 

Das Leben spielt sich zu 80 % in der Reithalle statt, in der man zudem meistens nicht alleine ist. Keine gute Vorraussetzung Fotos zu machen, die eben aber nun mal für Blogs unerläßlich sind.

Viel passiert auch nicht, der Winter ist eben die Zeit an Grundlagen zu arbeiten, vielleicht die ein oder andere Lektion für die nächste Saison vorzubereiten oder an denen zu arbeiten, die schon da sind und verbessert werden wollen.

Das ist zwar viel Arbeit und wir sind auch jeden Tag beschäftigt, aber wer will schon einen Blog darüber lesen, wie wir zum 800.000sten Mal die lange Seite im Schulterherein hochgeritten sind, um Ginny dabei zu helfen im Körper gerader zu werden.

Zum Reiten ist das schon manchmal ein bisschen öde, zu lesen noch viel gruseliger.

Aber das ist eben nunmal der Lauf der Ausbildung. Es gibt nicht jede Woche etwas Neues und  Tolles, was man kann, sondern man arbeitet immer und immer wieder an den Grundlagen, vor allem, wenn man ein Pferd wie Ginny hat, der nichts so einfach zufliegt.

Sie ist keine, mit der man eine Lektion zweimal übt und dann sitzt sie. Mit ihr muss man jede neue Lektion ganz langsam vorbereiten, manches dauert Monate, bis man das, was man schon lange im Ansatz vorbereitet, irgendwann als die Lektion bezeichnen kann, die es irgendwann mal darstellen soll.

Wenn  man mehr Spaß daran hat neue Sachen mit den Pferden zu lernen, zu den Menschen zähle ich mich, und sich an den kleinen Schritten freut, die man auf dem Weg dahin macht, dann ist das gut. Wenn man nur die fertige Lektion vor Augen hat und sich darüber ärgert, dass man sie immer noch nicht perfekt erreicht hat, dann hätte man bei der Arbeit mit Ginny ein mittelgroßes bis sehr großes Problem und würde schnell aufgeben und den Spaß verlieren.

Der Weg ist das Ziel ist das Motto bei ihr und wir werden mal sehen, wie weit dieser Weg noch führen wird.

Nun ist es ja so, dass Ginny schon in den letzten beiden Turnierjahren regelmäßig in L-Dressuren auf Trense platziert war.

Das waren schöne Erfolge, und die entstanden daraus, dass Ginny grundsätzlich die Lektionen wie Außengalopp, Kurzkehrt und Rückwärtsrichten aus dem EffEff kann und in der Regel keine Fehler macht. In einer normal besetzten ländlichen Trensen-L kann man damit mit einer mitlleren bis hohen 6 platziert sein oder auch mal, wenn alles passt mit einer kleinen 7 gewinnen. Soweit so gut, das hat ja soweit geklappt.

Allerdings musste ich eben immer tatsächlich für eine kleine 6 reiten. Das war immer mein Ziel. Vorsichtig sein, nicht zuviel fordern, nicht ärgern und eine brave Prüfung reiten. Das sah dann nett aus und reichte für ein Schleifchen. Wollte ich mal mehr reiten, ein bisschen mehr Ausdruck haben, ein bisschen mehr Versammlung, einfach ein bisschen mehr Risiko, bekam ich die Quittung. Mit ein oder zweimal hüpfen in der Prüfung war kein Blumentopf zu gewinnen.

Aus diesem Grund war Ginny auch seit Ende August nicht mehr auf dem Turnier oder, wenn ich mich doch  mal verleiten lassen habe, habe ich auf die Note verzichtet weil ich nicht zufrieden mit uns war.

Dass wir brav durch eine Prüfung kommen wussten wir, aber das bisschen mehr, dass sie zuhause schon konnte, war auf dem Turnier nicht abrufbar. Das war dann irgendwie zäh.

Zuhause konnten wir schon fühlen, dass da  mehr drin sein kann in Ginny.  Ginny hat im letzten halben Jahr unheimlich viel Selbstbewusstsein bekommen. Sie ist nicht mehr die kleine graue Maus, die schüchtern in ihrer Box steht und hofft, dass man sie nicht sieht. Nein, sie steht praktisch dauerhaft am Anschlag ihrer Kette und fordert sehr deutlich ein, dass man sie auf gar keinen Fall vergisst. Kaum stellt man sie nach dem Reiten in die Box, will sie auch schon wieder raus. So kennen wir sie gar nicht.

Und das Selbstbewusstsein merkt man ihr auch beim Reiten an.

Klar, der Anfang ist immer noch etwas zäh, unsere ganz besondere Art mit ihr loszureiten, werden wir wohl beibehalten was heißt Zügel lang, mit der Anmut einer Giraffe und dann warten.  Wir kennen das so, und das scheint so ihr Ding zu sein, das ist ok, das gönnen wir ihr.

Aber dann wird sie wach oder lässt sich wach machen. Das ist gut. Immer schneller wird ihre Muskulatur locker und aus einem Pferd, bei dem eine Zeitlang die einzelnen Körperteile in unterschiedliche Richtungen liefen wird immer mehr eine Einheit.

Sie besteht inzwischen nicht  mehr aus wenig Hals und viel Hintern und dazwischen eine nicht tragfähige Verbindung, nein, inzwischen passt das zusammen.

Da steckt aber ganz schön viel Arbeit dahinter.

Ihr tägliches Wellnessprogramm hat sicherlich einen großen Anteil daran, dass die Muskulatur geschmeidiger geworden ist, und man sie dadurch einfach effektiver arbeiten kann.

Sie ist beweglicher geworden und traut sich  mehr zu.

War an Seitengänge lange Zeit gar nicht zu denken, weil sie spätestens beim zweiten Versuch senkrecht stand, so findet sie inzwischen Spaß daran von schief nach schräg durch die Halle zu segeln und vergisst völlig, dass sie das eigentlich mal völlig abgelehnt hat.

Ich führe das mal jetzt darauf zurück, dass sie durch ihre ständigen Gymnastikeinheiten, durch die Matrix-Rhytmus-Therapie an den richtigen Stellen und die daraus folgenden Lockerung der Muskeln einfach merkt, dass das ja doch geht, ohne, dass irgendetwas schlimmeres dabei passiert.

 

 

Momentan geht es also darum das Ganze, was vom Grundprinzip schon da ist noch weiter zu verbessern. Vielleicht erinnert ihr euch, dass ich erzählt habe, dass im Protokoll stand: “Mitteltrab laufend” oder “Mehr Versammlung gewünscht”. Ja, das war schon richtig und genau da sind wir gerade dran. Ginny baut momentan ordentlich Muskulatur auf, ist aber eben gesundheitlich jetzt auch endlich so weit, dass man sie regelmäßig arbeiten kann.  Das merkt man ihr natürlich an.  Ich finde sie eigentlich gerade recht stimmig. Sie trägt sich besser im Hals, der Rücken ist stabiler und schwingt, die Hinterhand wird beweglicher und sie lässt sich auch mal anpacken. Und das Beste ist, sie fühlt sich sichtlich wohl dabei.

Nach einer etwas intensiveren Trainingseinheit hat man nicht am nächsten Tag das Gefühl jetzt erst mal drei Tage Pause machen zu müssen, im Gegenteil, man hat das Gefühl, dass sie täglich darauf wartet etwas tun zu dürfen und ein freier Tag eher langweilig ist. Habe ich früher beim freilaufen immer meine Peitschen präpariert und Rot-Weisses Flatterband drangeknotet, damit sie überhaupt mal läuft, so steht man inzwischen nur noch in der Mitte und wartet darauf, dass Frau Pferd sich ausgetobt hat und es ihr genehm ist mal durchzuparieren.

Und so haben wir noch einen ganzen Weg vor uns, den wir in der Hallensaison weiterhin gehen werden.

Nina arbeitet mit ihr an der Kraft, dem Muskulaturaufbau und der Verbesserung der Lektionen, ich mache das Drumrum.

Auch das richtige Futter hat sicherlich nochmal eine großen Anteil an ihrer derzeitigen Leistungsbereitschaft.

Für Ginny ist es wichtig die passende Mischung zu finden, und nicht zuviel füttern zu wollen.

Als ehemaliger Magengeschwürpatient ist da immer noch höchste Vorsicht geboten und falsches Futter kann sich bei ihr noch deutlicher negativ auswirken, als bei nicht vorbelasteten Pferden.

Momentan scheinen wir die optimale Mischung aus Reiten, Gymnastizieren, Muskellockerung und Futter gefunden zu haben und hoffen, dass wir das mit in die Turniersaison nehmen können.

 

 

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